Überregionale Erfolge für heimische Lyrikerinnen

Gevelsberg/Sprockhövel. (zico) „Wenn ich etwas geschrieben habe, geht es mir danach besser“, bekennt Autorin Ulrike Schmidt, die ihre Gefühle nicht in sich gefangen behalten möchte. Stattdessen lässt sie das, was sie bewegt, zu Lyrik werden und teilt ihre Gedankenwelt mit einem stetig wachsenden Leserkreis. Neueste Veröffentlichungen der 62-jährigen Gevelsbergerin finden sich in der Anthologie „Das Gedicht“, gerade in der „Edition L“ des renommierten, für Lyrik-Publikationen bekannten Czernik-Verlages erschienen, in der mit der Sprockhövelerin Brigitte Hausherr eine weitere heimische Autorin vertreten ist.

Die Gevelsberger Lyrikerin Ulrike Schmidt wurde jetzt mit drei Werken in die Anthologie „Das Gedicht“ des renomkierten Czernik-Verlages aufgenommen. (Foto: Frank Schmidt)

Für Brigitte Hausherr und Ulrike Schmidt ging mit der Berücksichtigung in dieser Anthologie ein Traum in Erfüllung. „Wir glauben, Träume zu haben, ist legitim, in jedem Alter. Und manchmal erfüllt sich sogar einer“, freut sich Ulrike Schmidt, die erst jenseits der „40“ mit ihrer schriftstellerischen Tätigkeit begann. Sie besuchte zunächst in mehreren Semestern VHS-Kurse „Kreatives Schreiben“, fand dann zum Hagener Literaturstammtisch, bevor auch in Gevelsberg vor einigen Jahren eine literarische Runde gegründet wurde, die sich nach wie vor jeden dritten Samstag im Monat im Fliedner-Gebäude, Hochstraße 22, trifft.

„Wir lieben Lyrik und schließen uns der Meinung von Paul Celan an. Der sagt: Das Gedicht ist einsam, es ist einsam und unterwegs. Das Gedicht will zu einem Anderen, es braucht ein Gegenüber,“ zitiert Ulrike Schmidt den bekannten Lyriker: „Also schickten wir unsere Gedichte auf die Suche und nahmen an einer Ausschreibung vom Czernik-Verlag teil. Dort erfüllte sich ein Traum – unsere Gedichte fanden ein Gegenüber.“ Die beiden Frauen dürfen mit Fug und Recht stolz darauf sein, mit ihren Werken in dieser Anthologie vertreten zu sein.

Das liebevoll aufgemachte Buch verbindet Lyrik mit Ästhetik und ist selbst „ein Gedicht“, wie Ulrike Schmidt findet. Auf karminrotem Untergrund steht schlicht „Das Gedicht“. Die Anthologie ist im Buchhandel unter der ISBN-Nr. 978-3-943035-04-9 erhältlich. „Natürlich wissen wir, wie schwer es ist, einen großen Kreis Lyrik-Liebhaber um sich zu scharen. Aber Gedichte sind etwas Schönes, und sie verdienen Beachtung“, erklärt die Gevelsbergerin, die privat des öfteren schwere Schicksalsschläge zu bewältigen hatte, was ihr mit Hilfe des Schreibens auch gelang.

Brigitte Hausherr aus Sprockhövel interessierte sich schon als Jugendliche mit 16 Jahren für die Geschichte und Kultur Japans. Im Jahr 2009 wurde dann der Traum endlich wahr, dieses Land zu besuchen. Aus dieser Liebe zu Japan entwickelte sich auch ihr Interesse am sogenannten Haiku, dem japanischen Kurzgedicht.

„Das Haiku wurde von buddhistischen Mönchen im 17. Jahrhundert erfunden. Es war ursprünglich der Eröffnungsvers einer langen Gedichtreihe, die von mehreren Dichtern geschrieben wurde. Der Eröffnungsvers war immer einem Gast vorbehalten und entsprach 17 Silben in einem Versmuster 5-7-5 Silben. Der Vers beschrieb eine Assoziation aus der Natur“, die sich auch als Fotografin einen Namen gemacht hat. „Heute steht das Haiku weltweit als eigenständige Gedichtform und ist wohl die kürzeste Lyrik in der Literatur“, erklärt die 55-Jährige und nennt ein Beispiel: „Selbst wenn Du sie pflückst (5), schenkt sie Dir noch ihren Duft (7) – die Rosenblüte (5).“

Für Ulrike Schmidt gab es in diesen Tagen übrigens noch einen weiteren Erfolg. Sie beteiligte sich auch am Wettbewerb um den Inge Czernik-Förderpreis für Lyrik 2012 und wurde unter mehr als 1.000 Einsendern mit ihrem Gedicht „Hypothese“ in dem Band „Spuren sind meine Worte“ berücksichtigt, in dem die schönsten Arbeiten abgedruckt sind. „Für den Förderpreis werden drei Autoren ausgewählt, doch es ist für mich bereits eine tolle Sache, in das Buch aufgenommen worden zu sein“, freut sich die Schriftstellerin.

Am Mittwoch, 26. September 2012, 15.30 Uhr, gestalten Brigitte Hausherr und Ulrike Schmidt gemeinsam mit Cornelia Bildheim eine Lesung in der Stadtbücherei Gevelsberg. Lyrikfreunde können sich dann ein genaueren Eindruck vom Schaffen der beiden Frauen verschaffen.