Verein gegen „Klinkenputzen“

Die „Traditional Jazz Gang“ - auch von zahlreichen Hammerschmiedfeten bekannt - umrahmte die Feierlichkeiten musikalisch. (Foto: Stefan Scheler)

Gevelsberg. (Sche) „Der Kirmeszug-Nachbau der Rolltreppe vom damaligen Kaufhaus Merkur-Horten seitens der Gruppe Juliushöhe sorgte für einen satten Eklat“, wusste der Journalist Fritz Sauer anlässlich des 50-jährigen Jubiläums des Kirmesvereins Gevelsberg bei der Feierstunde im Ennepe-Finanz-Center vor wenigen Tagen zu berichten: „Die Gevelsberger Kaufmannschaft witterte Schleichwerbung für den Konkurrenten und verweigerte den Kirmesgruppen ihre Spenden. In der Folge gab es wegen des falschen Aufstellorts gegen die damalige KG Juliushöhe eine Sanktion in Form von Punktabzug bei der Bewertung samt dem danach unvermeidlichen Streit unter den damals elf Kirmesgruppen.“ Als Reaktion auf solche Vorfälle, und um die Spendenakquise der Kirmesgruppen nicht zum „Klinkenputzen“ verkommen zu lassen, erkannte man die Notwendigkeit eines Dachverbands, welcher sich alsbald formierte.

Journalist und Heimatchronist Fritz Sauer wusste immens viele Einzelheiten aus einem halben Jahrhundert Kirmesgeschichte zu erzählen. (Foto: Stefan Scheler)

Viele solcher Details aus der Geschichte der oft als „Hauptverein“ bezeichneten Organisation rief Gevelsbergs „Chronist vom Dienst, Fritz Sauer, den Besuchern in Erinnerung. „Der Kirmesverein ist kein Hauptverein, sondern das Dach über den Aktivitäten der Kirmesgruppen“, charakterisierte der 1. Vorsitzende Gerd Laake die Vereinigung: „Hier sammeln wir unter anderem zentral Spenden, beschließen über das Motto, lassen die Plaketten entwerfen und regeln die Modalitäten von Kirmesabend, Hammerschmiedfete und Kirmeszug.“

„Die Kirmes ist ein zentrales Ereignis im gesellschaftlichen Leben unserer Stadt“, führte Bürgermeister Claus Jacobi in seinem Grußwort aus: „Der am 7. Oktober 1960 gegründete Kirmesverein verteilt seine Aktivitäten jedoch nicht nur über die Festsaison, sondern ist das ganze Jahr hindurch aktiv.“ Lediglich im Herbst ebbe die Konzentration der Termine und Versammlungen etwas ab. Umso schöner sei es da, dass man sich gerade einen Oktobertag für die Jubiläumsfeier ausgesucht habe. Mit Blick aus dem Fenster auf den neu gestalteten Ennepebogen meinte das Stadtoberhaupt: „Man sollte vielleicht erwägen, unser wundervolles Fest vom Dorf aus auf die ganze Stadt bis hier herunter auszudehnen.“ „Die Kirmes bleibt im Dorf“, erteilte Fritz Sauer diesem Ansinnen der Stadtspitze schmunzelnd eine klare Absage.

Gerd Laake (rechts) dankte als 1. Vorsitzender des Kirmesvereins Sparkassen-Chef Thomas Biermann für die großzügige Spende. (Foto: Stefan Scheler)

Die gastgebende Sparkasse erwies sich bei der Festlichkeit, an der etwa 80 Gäste von Kirmesgruppen, Kirmesvereins-Vorstand und Präsidium, Ratsfraktionen und Verwaltung sowie engagierte Bürger teilnahmen, besonders großzügig. „Damit sie zum Stadtjubiläum im kommenden Jahr einen besonders attraktiven Zug auf die Beine stellen können“, kommentierte Vorstandsvorsitzender Thomas Biermann die Übergabe eines symbolischen Schecks über 5.000 Euro an Gerd Laake: „Verbunden damit ist der Wunsch, dass der Kirmesverein dereinst auch das Hundertste feiern kann. Dann gibt es die doppelte Summe.“

Dass die Kirmestradition in Gevelsberg Bestand hat, hofft auch Claus Jacobi. „Kirmes, das sind wir alle“, brachte er es auf den Punkt: „Ich kann und will mir unsere Stadt ohne dieses Fest nicht vorstellen. Der Kirmesverein ist Garant dafür, dass unser in Land und Region bekanntes und geschätztes Brauchtum auch in  den nächsten 50 Jahren sicheren Bestand hat.“

Passend zum Thema umrahmte die „Traditional Jazz Gang“ die Feier mit Dixieland-Rhythmen und spielte mit der „Bourbon Street Parade“ aus New Orleans auch auf den Kirmeszug in der Engelbertstadt an.