Vermeintlicher Kuchendieb: Auf Borkum klickten Handschellen

Ehrennachtwächter Klaus „Atze“ Glenzke erhielt von Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen (rechts) die Nachtwächteruhr und „Hasper Maggi“. (Foto: Stefan Scheler)
Ehrennachtwächter Klaus „Atze“ Glenzke erhielt von Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen (rechts) die Nachtwächteruhr und „Hasper Maggi“. (Foto: Stefan Scheler)

Ennepetal. (Sche) „Das ist wirklich wahr“, versicherte Klaus Glenzke. Voerder Ehrennachtwächter, beim Bürgermeisterempfang im Restaurant „Rosine“ seinen mehr als 250 Zuhörern: „Beim Urlaub auf Borkum trug ich nach dem Genuss eines Köhm eine Sanddorntorte nach draußen, um sie von meiner Frau anschneiden zu lassen. Dabei sahen mich die Ortspolizisten, die einen Diebstahl vermuteten.“ Dem frischgebackenen Träger der höchsten Voerder Kirmeswürde trug das damals nicht nur kurzfristig Handschellen als „Armschmuck“ sondern auch einen kurzen Artikel im Borkumer Lokalblatt ein. Dönekes wie dieses, auch rund um die Voerder Kirmes, erzählte „Atze“ – so der Spitzname des neuen Nachtwächters – in seiner Dankesrede, an deren Ende er seinem Publikum mit einem dreifachen „Krut Voerde“ launig zuprostete. Wie jeder seiner Amtsbrüder erhielt er vom Bürgermeister die Nachtwächteruhr, eine Flasche „Hasper Maggi“ und von Vorstand Bodo Bongen noch die Ehrenmedaille der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld.

Viele Würdenträger aus Bund, Land, Nachbargemeinden und der belgischen Partnerstadt Vilvoorde hatten wieder den Weg nach Ennepetal gefunden, um den Kirmessonntag in Voerde zünftig beginnen zu lassen. Bundes-Staatssekretär Ralf Bauksiepe und Bundestagsabgeordneter René Röspel waren aus Berlin angereist, und vom Düsseldorfer Landtag war Hubertus Kramer mit Ehefrau Elke in heimatliche Gefilde gekommen. Gevelsberg vertrat Bürgermeister Claus Jacobi, Schwelm hatte die stellvertretende Bürgermeisterin Christiane Sartor entsandt und die Nachbarn aus Haspe waren mit dem Heimat- und Brauchtumverein vertreten.

Für die Klutertstadt selbst waren Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen mit Gattin Ilona sowie Ehrenbürgermeister Michael Eckhardt mit seiner Edda in die „Rosine“ gekommen, dazu die Vertreter des Heimatvereins Voerde mit dem Vorsitzenden Robert Dörnen und Ehrenvorsitzenden Manfred Michalko, um nur einige zu nennen.

Der Besuch von Vilvoordes Stadtoberhaupt Hans Bonte mit seinen Stadtverordneten, auf Flämisch „Schepen“ genannt, hat in diesem Jahr besondere Bedeutung, denn die Städtepartnerschaft mit Ennepetal geht ins 40. Jahr. Deshalb reist zunächst eine Ennepetaler Delegation am Samstag, 14. September, in mindestens drei Bussen nach Belgien; die Flamen erstatten ihren Gegenbesuch vierzehn Tage später.

Gleich zu Beginn der Veranstaltung zeigte Wilhelm Wiggenhagen Einsatz beim Dirigieren der Stadt- und Feuerwehrkapelle Ennepetal, die unter dem Schmunzeln von Ilona Wiggenhagen, aber ohne Missklänge, den musikalischen Anweisungen des Stadtoberhaupts folgte.

Den von der Behindertenwerkstatt Gebal gefertigten und vom Bürgermeister gestifteten Wanderpokal in Form eines metallenen Nachtwächters erhielt die Löschgruppe Voerde der Freiwilligen Feuerwehr Ennepetal. Die Blauröcke Stefan Lippes und Volker Engelking stemmten das gewichtige Teil, wofür eigentlich noch eine Extra-Ehrung verdient gewesen wäre. Vorher hatten sie sich allerdings – wie auch alle anderen Besucher – mit dem traditionellen Heringsstipp und manchem edlen Tropfen gestärkt.

Das Musikprogramm bestritten neben der Stadt- und Feuerwehrkapelle unter der Leitung von Peter Bremicker noch Michael Westenburg mit Sohn Marvin und Helmut Schulte. Zum Repertoire gehörten, wie immer, das Westfalen- und das Ennepetallied sowie als „Rausschmeißer“ die Kirmesweise „O Hannes wat‘n Haut!“. Zusätzlich stimmte die Versammlung noch ein von Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen in Auftrag gestimmtes Lied an. Der Shanty zur Melodie vom „Hamborger Veermaster“ war textlich von Stadt-Pressesprecher Hans-Günther Adrian auf Klaus Glenzke und seine Pflichten bei der Beaufsichtigung des Voerder Kirmestreibens zugeschnitten.

Bevor die Festgesellschaft zum Rundgang über den Rummelplatz aufbrach, hielt Vilvoordes Bürgermeister Hans Bonte noch eine Grußansprache in perfektem Deutsch und drückte darin seine Freude über 40 Jahre gelebte Freundschaft mit den Ennepetaler Bürgern aus.