Volks- und Seemannslieder lassen Senioren aufblühen

Der „Shanty-Chor am Hagebölling“ feiert mit einem Festkonzert am Sonntag, 30. September 2012, sein zehnjähriges Bestehen. (Foto: Privat)

Gevelsberg. (zico) Was den Nordlichtern die Waterkant, ist den Gevelsberger der (neue) Ennepestrand. Und Gesang gehört zum Wasser unbedingt dazu – davon künden Seemannslieder in fast allen Sprachen dieser Welt. Auch im Binnenland, wie die längst über die Grenzen ihrer Städte hinaus beliebten Shanty-Chöre in Ennepetal-Voerde und Sprockhövel-Haßlinghausen beweisen. Gevelsbergs maritimer Klangkörper ist weniger bekannt, doch deshalb von nicht minder hoher Qualität: Der „Shanty-Chor am Hagebölling“ feiert in diesen Tagen sein zehnjähriges Bestehen.

„Entstanden ist die Idee praktisch aus einer Bierlaune heraus“, berichtet Gründungsmitglied Klaus Brack, „unser legendärer früherer Gemeindepfarrer in Berge, Horst Renneberg, schlug in gemütlicher Runde nach dem Berger Gemeindefest vor: Wir bilden einen Shanty-Chor.“ Zuerst wurde mittlerweile in den Ruhestand getretene Geistliche eher belächelt, zumal sich die Zahl der Sangeskandidaten an den Fingern zweier Hände abzählen ließ. Und was würde nicht alles zu organisieren sein – man hatte ja keinerlei Noten. Wer sollte dirigieren? Doch dann sagte Emil Duschek, der aus Juist stammt, zu Renneberg: „Wenn Du die nötigen Leute zusammen trommelst, dann mache ich den Dirigenten.“ So nahm das Projekt Shanty-Chor, zunächst nur für einen einzigen Auftritt im Dorf am Hagebölling geplant, Fahrt auf.

Klaus Brack und seine Mitsänger vom „Shanty-Chor am Hagebölling“ freuen sich auf zahlreiche Zuhörer beim großen Festkonzert. (Foto: Frank Schmidt)

Horst Renneberg verstand es, mehr und mehr Sänger für den neuen Shanty-Chor zu begeistern. Und noch im gleichen Jahr, 2002, folgten den Proben die ersten Auftritte. „Die hatten wir bei Pater Don Cataldos 25-jährigen Priesterjubiläum und beim Geburtstag von Hans Günther Jellinghaus“, erinnert sich Klaus Brack, ebenso wie einige seiner Mitsänger früher im Polizeidienst stehend. Die ersten Erfolge machten Mut; gleichwohl übt sich der Chor bis heute in Bescheidenheit. Die Singegemeinschaft strebt nicht nach dem gleißenden Rampenlicht und pflegt stattdessen eine ausgeprägte soziale Ader.

„Eine Gage verlangen wir nicht, und wir singen auch nicht auf beliebigen Festen“, verdeutlicht Brack das Credo des Klangkörpers: „Wichtig sind uns vor allem Auftritte in sozialen Einrichtung wie natürlich dem Dorf am Hagebölling selbst, als dessen Bestandteil wir uns fühlen. Das ist unser Heimathafen. Aber auch in anderen Seniorenheimen treten wir gern auf, um älteren, zum Teil auch demenzkranken Menschen eine Freude zu machen.“ Den mittlerweile 32 Sängern beschert es ein großes Glücksgefühl, wenn Menschen, die sonst kaum noch etwas bewerkstelligen können, alle Strophen alter Lieder wie etwa „Schön ist die Liebe im Hafen“ auswendig mitsingen und dabei richtig aufblühen. „Und als wir einmal ,Vater unser‘ von Hanne Haller gesungen haben, waren die Leute mucksmäuschenstill vor Ergriffenheit. Das berührt uns dann auch, dafür singen wir, und nicht für eine Gage“, bekennt der 67-jährige Brack, der Mitte der 60-er Jahre aus dem hessischen Offenbach nach Gevelsberg kam.

Drei Repertoires hat der „Shanty-Chor am Hagebölling“ über die Jahre einstudiert, und immer wieder kommen weitere Lieder hinzu. Neben den Shanties schmettern die durch die Bank eher reiferen Herren mittlerweile auch Weihnachtslieder sowie Volkslieder, und auch hier sind es alt bekannte Weisen, welche die Senioren im Publikum regelrecht aufblühen lassen. „Unsere Programme stellen wir für jedes Konzert neu zusammen“, berichtet Brack aus dem Choralltag: „Nach den Anfängen dachte ich, dass wir uns vielleicht drei, vier Jahre halten können. Jetzt sind es schon zehn Jahre, und ein Ende ist nicht abzusehen.“ Längst tritt man ihn einheitlichen Hemden mit Choremblem sowie schmucken roten Halstüchern auf und bietet so dem Publikum auch optisch einen schmucken Eindruck.

Das Dorf am Hagebölling unterstützt den Chor, wo es kann, und umgekehrt packen auch die Chorsänger mit an, wenn es etwa bei der Organisation von Festen gilt, ehrenamtlich Arbeit zu verrichten. Zum runden Geburtstag gibt der Chor am Sonntag, 30. September 2012, 16.30 Uhr, ein Konzert im Festsaal des Dorfes am Hagebölling. „Wie immer bei uns ist der Eintritt frei, und außerdem zeigen wir eine kleine Bilderpräsentation aus unserer Chorgeschichte“, lädt Klaus Brack zu einem musikalisch genussvollen Nachmittag ein.