Volldampf auf Spur 1 Kreativ

Hans Wunderlich aus Haßlinghausen zeigte auf der Modellbau-Messe seine in allen Bauteilen selbst gefertigte Schüttentladestelle. (Foto: Stefan Scheler)

Dortmund/EN-Kreis. (Sche) Eine riesige Baustelle – allerdings im Miniaturformat – lenkte vor wenigen Tagen am Stand der Dortmunder Eisenbahnfreunde „Spur 1 Kreativ“ die Blicke der Besucher auf das Werk des Haßlinghauser Tüftlers Hans Wunderlich. Seine Schüttentladestelle, ein kompletter Eigenbau, hob sich originell von den vielen auf der Messe gezeigten Baukasten-Lösungen ab.

Ähnliches gilt auch für die Arbeit von Henrik Mücher. Der Schwelmer, der ebenfalls für „Spur 1 Kreativ“ werkelt, hat ein transportables Modul-Konzept für Eisenbahnlandschaften entwickelt. „Die Teile, von denen ich im Moment vier habe, lassen sich beliebig anordnen und bieten damit viel Platz für landschaftsbauliche Phantasie“, wirbt der 38-Jährige: „Modul vier ist noch eine Baustelle, auf der elektrische und mechanische Komponenten auf ihre Installation warten.“

45 mm Spurbreite haben die Gleise bei der Spur 1-Modellbahn, nicht gerade üblich auf einem Markt, der vor allem Halbnull (H0) und N als Maßstäbe kennt. Wenn dazu noch viele Fahrzeuge, Gebäude und Landschaften, statt aus der Packung zu kommen, liebevoll selbst gezimmert sind, erhöht das noch den Reiz, den das Steckenpferd ausübt.

Henrik Müchers Werk zeigt eine typisch deutsche Landschaft. „Das ist aber keine Szene aus dem EN-Kreis“, lacht der als Bauingenieur in Wuppertal Tätige: „Ich habe mich stattdessen an einem Vorbild aus dem Westerwald orientiert.“ Für die Freunde des Maßstabs 1:32, der Spur 1 also, gibt es immer viel zu tun. Henrik Mücher arbeitet nicht nur an dem Gelände, das bis hin zum Stacheldraht des Weidezaunes verblüffend originalgetreu gestaltet ist, seit Jahren auch noch an der Fertigstellung seiner detailgetreuen Harzbahn-Wagen.

Henrik Mücher aus Schwelm mit seiner auf der „Intermodellbau“ in Dortmund vorgestellten Modul-Landschaft. (Foto: Stefan Scheler)

„Die Bastelzeit liegt im trüben Herbst und im kalten Winter“, nennt Hans Wunderlich die Haupt-Modellbausaison: „Im Frühjahr zeigen wir dann hier auf der Messe das über die Jahreswende Geschaffene.“ Bei seiner Schüttanlage ist viel zu berücksichtigen. „Das Modell stellt ein Bindeglied zwischen Straßen- und Eisenbahn-Verkehr dar“, präzisiert der 70-Jährige seine Vorstellungen: „Ein ferngelenkter Henschel-Kipper, konstruiert vom 18-jährigen Andreas Schöler aus dem münsterländischen Lüdinghausen, bringt Schüttgut, kippt es ab, und Sand oder Kies gelangen über eine Rutschenanlage in bereit gestellte Güterwaggons.“

Da sind Abstimmung und Feinarbeit gefragt. Keines der Bauteile ist vorgefertigt. Mit einer handlichen Kreissäge am Messestand schneidet der Haßlinghauser kleine Holzteile zurecht, während er die interessierten Fragen auch ausländischer Ausstellungs-Besucher bereitwillig beantwortet. Lange schon ist er der Spur 1-Faszination verfallen. Die Freunde nennen sein Heim in Haßlinghausen das „Heizhaus“, denn dort befindet sich ein Modellbahn-Lokschuppen mit zwölf Ständen. „Ich habe inzwischen 15 Gebäude aus eigener Herstellung auf meiner Anlage. Das Material habe ich mir günstig aus dem Baumarkt besorgt. Die Holzteile sollten keine Astlöcher aufweisen. Für präzises und maßstabgerechtes Arbeiten ist außerdem Qualitätswerkzeug erforderlich“, so Hans Wunderlich.

Der versierte Tüftler baut auch ganze Streckenmodule der Spur 1 und hat damit 2007 in Heilbronn sogar den ersten Platz bei einem entsprechenden Wettbewerb gewonnen. Die Spur 1-Ausstellung im Technikmuseum Sinsheim besucht er regelmäßig. „Das ist ,die Messe‘ für mich“, bekennt er: „Da bekomme ich fast alles.“