Wandervogel als "Nachtwächter 2012"

Der neue Nachtwächter Walter Cramer (r.) amüsierte die Festversammlung mit einer kurzen Rede, die Anekdoten aus seinem Leben enthielt. (Foto: Stefan Scheler)

Von Stefan Scheler

Ennepetal. „Walter Cramer ist ein Voerder Aktivposten, der auch über den Tellerrand blicken kann“, würdigte Ennepetals Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen den emsigen Mann beim Bürgermeisterempfang im Voerder Restaurant „Rosine“ als 27. Ehrennachtwächter in Ennepetals nördlichem Stadtteil: „Er ist seit 1978 Wanderwart der Turngemeinde Voerde und hat zum Beispiel Touren zu Fuß für ankommende Teckel-Passagiere in alle Stadtteile organisiert.“ Diese für die Klutertstadt als Ganzes wichtige Integrationsleistung könne man auch als Aktion „Voerder helfen Milspern“ bezeichnen.

Eis gebrochen

Der Geehrte hatte bis zum Ruhestand als Gesenkemacher bei der Firma Braselmann in Oberbauer gearbeitet und den Spießbraten für das Brutzeln über den Braselmann‘schen Schmiedefeuern oft aus den anderen Ortsteilen beschafft. „Ich habe für meinen ersten Kontrollgang durch Voerde die Hellebarde fester gegriffen“, berichtete der Gekürte der 250 Gäste starken Versammlung von seiner anfänglichen Scheu: „Als ich dann aber auf die ersten Nachtschwärmer traf, die mich prompt zu einem Eversbusch einluden, war das Eis gebrochen.“

Gedenkminute

Der neue Nachtwächter ist eben ein Mann, der mitten im Leben steht, ganz in der Tradition seiner Vorgänger, auch des Ehrennachtwächters von 2003, Otto Griese, der in diesem Jahr am 22. April 2012 verstarb. Zu Ehren des 101 Jahre alt gewordenen Gründervaters der Stadt Ennepetal erhoben sich alle Gäste für eine Gedenkminute.

Während draußen der Kirmesrummel so allmählich anlief, zelebrierten die Gäste beim gewohnten Heringsstipp-Essen „Voerde-Gefühle pur“. Aus den anderen Südkreis-Städten waren wegen der zahlreichen Veranstaltungen des Wochenendes die Bürgermeister-Stellvertreter gekommen; die Bundes- und Landespolitik vertraten Staatssekretär Dr. Ralf Brauksiepe und Landtagsabgeordneter Hubertus Cramer. Die Stadtoberen aus der belgischen Partnerstadt Vilvoorde waren wegen Veranstaltungen im benachbarten Königreich verhindert, an ihre Stelle traten zwei ehemalige belgische Soldaten, Oberstleutnant de Wale und ein Oberstabsfeldwebel Fouqué.

Den zusammen mit der Stadt Ennepetal ausrichtenden Heimatverein Voerde repräsentierten dessen Vorsitzender Robert Dörnen und Ehrenvorsitzender Manfred Michalko. Ehrenbürgermeister Michael Eckhardt war ebenfalls gekommen.

Mini-Nachtwächter

Aus den Nachbarstädten hatten die dortigen Brauchtumsvereine ihre Abordnungen entsandt: Die Dacho aus Schwelm, der Gevelsberger Kirmesverein und der Hasper Heimat- und Brauchtumsverein hatten mit ihren Symbolfiguren Nachtwächter, Hammerschmied und Iämpeströter in die „Rosine“ gefunden. Von der Gevelsberger gemeinnützigen Werkstatt „Gebal“ gab es für den Voerder Würdenträger noch ein besonderes Geschenk. Dort hatten geschickte Hände aus Stahlblech einen Miniatur-Nachtwächter gefertigt, von dem es weitere Auflagen geben soll, die beim nächsten Voerder Kirmeszug an Vertreter der anderen Ennepetaler Ortsteile verteilt werden sollen.

Die Hauptperson der vom Akkordeon-Orchester Ennepetal musikalisch und von Friedel Hillner mit einem plattdeutschem Vortrag humoristisch begleiteten Feier, Walter Cramer, war mit Ehefrau Lilly und Tochter Martina erschienen. Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen hob vom Engagement des neuen Ehrennachtwächters für seinen Stadtteil noch besonders dessen Einsatz für den Erhalt des Voerder Spielplatzes und das Wirken im Nachbarschafts-Hilfeverein „Voerder helfen Voerdern“ hervor. Für solche Leistungen und noch vieles andere kürten die Mitbürger Walter Cramer aktuell zum „Voerder des Jahres“.