Wenn „Mutti“ sich selbst auf der Spur ist

Gevelsberg. (zico) Wenn in Gevelsberg jemand von Mutti spricht und damit nicht die Frau Mama meint, dann geht es in aller Regel auch nicht um die Bundeskanzlerin. „Mutti“, das ist in der Engelbertstadt der Schauspieler Thomas Kautenburger, seit sechs Jahren an der Ennepe heimisch und im Frühjahr großer Tatort-Star im „Ersten“. Kautenburger spielte da die Rolle eines Rockerchefs. Spitzname: „Mutti“.

Auf Hau-drauf-Rollen hat man ihn wegen seines markigen Äußeren abonniert. Doch innerlich ist der 52-Jährige alles andere als ein grober Klotz, wie er schon 2011 bewies. Damals veröffentlichte er sein erstes Buch namens „Festplatte Unterbewusstsein“, das den Leser die Wahrheit über sich selbst und sein Verhalten erkennen lässt. Nach der Erfahrung seiner eigenen, intensiven Auseinandersetzung mit sich selbst wollte er auch seine Leser die Gründe ihrer Unzufriedenheit herausfinden lassen, für das vergebliche Warten auf Erfolg, und warum sich ihre Herzenswünsche einfach nicht erfüllen wollen. Ein spannendes Projekt, das den Darsteller aus so bekannten Serien wie „Wilsberg“ oder „Alarm für Cobra 11“ von einer ganz anderen Seite zeigte.

Fesselnde Geschichte

Nun gibt es ein neues Buch von „Mutti“, und erneut ist es kein Kochbuch. Stattdessen geht es in „Plötzlich Sommer“ erneut um den Menschen, um Sinnsuche. „Doch ich wollte kein belehrendes, esoterisches Buch schreiben, sondern eines mit einer fesselnden Geschichte und Protagonisten, mit denen man sich identifizieren kann“, erklärt Kautenburger. Herausgekommen ist ein Krimi, der voller Weisheit und Erkenntnis steckt und seine Leser schon auf den ersten Seiten in seinen Bann zieht.

Es geht um den Grafik-Designer und erfolgreichen Unternehmer Jean Degrange, der sich zum unausstehlichen Vorgesetzten und Arbeitstier entwickelt. Degrange erzählt der Journalistin Stefanie Hillberg sein Leben und erfährt im Verlauf des Gesprächs, dass diese in die Fänge eines Betrügers geraten ist. Degrange versucht ihr zu helfen und gerät in turbulente Ermittlungen. Die Begegnung mit einem sonderbaren Unbekannten gibt ihm weitere Rätsel auf und verändert sein ganzes Leben…

Wie Kautenburger auf die Geschichte gekommen ist?

Parallelen zu sich selbst entdecken

„Das Leben schreibt die schönsten und spannendsten Geschichten selbst“, sagt Kautenburger mit seiner sonoren Stimme, die ihm auch oft Engagements als Hörbuchsprecher einträgt: „Dies ist keine Autobiografie, doch viele Ereignisse in diesem Roman sind tatsächlich so passiert.“ Der Autor verknüpft viele Situationen, die er selbst erlebt hat, oder die unmittelbar in seinem Umfeld geschehen sind, mit fiktivem Geschehen und versteht es dabei, seine Leser mit klarer, unaufgeregter und punktgenauer Sprache bei der Stange zu halten. Mehr noch, der Roman bietet viel Identifikationspotential, denn so mancher Leser wird in einer immer hektischeren Zeit mit steigenden beruflichen Anforderungen so manche Parallele zu sich selbst entdecken.

Das Leben als Geschenk

„Plötzlich Sommer“ ist das Zeugnis eines Mannes, der das Leben als wundervolles Geschenk zu begreifen gelernt hat und der andere an dieser Erfahrung teil haben lassen möchte. Er hat erfahren, dass die ungenutzten Chancen auf Glück, die vertane Zeit mit falschen Prioritäten, nicht wieder kommen. An diesen Erkenntnissen möchte Thomas Kautenburger teil haben lassen, ohne den Eindruck zu erwecken, den Lehrmeister spielen zu wollen. Der Kriminalfall, in den Kautenburger seine Botschaft einbettet, ist dennoch mehr als Alibi oder schmückendes Beiwerk. Und doch bekommt der Leser mit „Plötzlich Sommer“ am Ende weit mehr als nur ein Schurkenstück mit Aufklärung.

„Ich habe dieses Buch nicht geschrieben, um damit groß Geld zu verdienen“, sagt Thomas Kautenburger, „der Markt wird zeigen, ob überhaupt Interesse an einem solchen Konzept besteht.“ Wer allerdings auf „Mutti“ hört, erhält auf jeden Fall einen echten Lesegenuss. Und vielleicht auch so manche Anregung für das eigene Leben …