Wo es den Römern zu hügelig war …

Industriemuseums-Hausherr Prof. Dr. Reinhard Döpp, Technikexperte Friedrich Wilhelm Schlottmann, Co-Autor Karl-Heinz Giesick und Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen (von links) mit den druckfrischen Broschüren. (Foto: Stefan Scheler)

Ennepetal. (Sche) „Hier bleiben wir nicht, hier gibt es nur Höhen und Tiefen“, würdigten römische Legionäre vor etwa 2.000 Jahren das Tal der Ennepe herab. Nur eine Episode, die in der ebenso interessanten wie lehrreichen Broschüre „Industrieausstellung 2012 im Industriemuseum zu Ennepetal“ nachzulesen ist. Das 50-seitige, druckfrische Werk aus der Feder von Friedrich Wilhelm Schlottmann und Karl-Heinz Giesick wurde vor wenigen Tagen „vor Ort“ von den Autoren vorgestellt.

Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen (links) und Friedrich Wilhelm Schlottmann mit der Konstruktionszeichnung einer historischen Presse. (Foto: Stefan Scheler)

Das Buch, das den Werdegang der Verhüttung und Eisenbearbeitung rund um den Klutertberg zum Inhalt hat, brachten die Verfasser vor wenigen Tagen im ehemaligen Verwaltungsgebäude der Firma Kruse, dem Schieferhaus des heutigen Industriemuseums, rund 60 interessierten Gästen nahe. Zu der Gesellschaft, die bei Kaffee und Kuchen gemütlich den Fakten und Anekdoten aus einem halben Jahrtausend Handwerks- und Industrietradition auf dem Gebiet des heutigen Ennepetal lauschten, gehörten auch der Bürgermeister der Klutertstadt, Wilhelm Wiggenhagen mit Ehefrau Ilona, und Landrat Dr. Arnim Brux mit seiner Gattin Ulrike, die auch als Lektorin an dem Büchlein mitgewirkt hatte.

„Das ist für uns ein Ehrentag“, zollte Hausherr und Museumschef Professor Dr. Reinhard Döpp der Arbeit der Beteiligten seinen Respekt: „Das Buch führt durch unsere Ausstellung, welche die drei Kulturepochen Stein-, Bronze- und Eisenzeit repräsentiert.“ Diese Zeitspanne führt von der Werkstoffbearbeitung per Muskelkraft über die Nutzung von Wind- und – besonders im heimischen Raum – von Wasserkraft bis zur mit der Erfindung der Dampfmaschine möglichen technischen Revolution durch die Zeiten, in denen zunächst in Waldschmieden und später in Gebläsehallen aus dem im Boden unserer Mittelgebirge gefundenen Erz hochwertige Industrieprodukte wurden.

Landrat Dr. Arnim Brux (links), dessen Frau Ulrike Korrektur gelesen hatte, lobte Friedrich Wilhelm Schlottmann für sein Werk. (Foto: Stefan Scheler)

„Zu Beginn und besonders nach dem Ende des Dreißigjährigen Krieges lag die Frühindustrie zwischen Ennepe und Volme am Boden“, wartete Friedrich Wilhelm Schlottmann mit historischen Fakten auf: „Sieben Millionen Tote hatte dieser grausame Waffengang in Europa gefordert.“ Aber dann ging es wieder stetig aufwärts, referierte der ehemalige Voerder Ehrennachtwächter. Im 18. Jahrhundert hat mit dem Hasenacker Hammer die zweite Generation der Wasserhämmer mit gehärtetem Kopf ihre Arbeit aufgenommen. Mit dem so genannten Schwanzhammer ging dann nochmals eine Produktivitätssteigerung einher. „Kritisch wurde es nur, wenn in Trockenperioden das Wasser wegblieb“, berichtete Friedrich Wilhelm Schlottmann, der für das Industriemuseum zahlreiche Modelle der damaligen Pressen, Stanzen und Hämmer gefertigt hat: „Dann mussten sich die Arbeiter auf ihr zweites Standbein, die Landwirtschaft, verlegen.“

Rainer Finke (rechts), der die Modelle gegossen hatte, überreichte Friedrich Wilhelm Schlottmann eine vergoldete Plakette mit Industriemotiv. (Foto: Stefan Scheler)

„Ich bin glücklich, dass die Modelle der alten Maschinen hier im Industriemuseum einen würdigen Raum gefunden haben“, dankte Bürgermeister Wilhelm Wiggenhagen auch dem Arbeitskreis Ennepetaler Stadtgeschichte: „Ich bin seit 34 Jahren in Diensten der Stadt Ennepetal und habe dennoch viel Neues aus der Broschüre erfahren.“

Ähnlich lobend drückte sich auch der Landrat aus. „Ich habe eigentlich nur meine Frau als Mitwirkende an dem Werk begleitet“, zeigte sich Dr. Arnim Brux bescheiden: „Die Arbeit, die Sie hier im Industriemuseum leisten, trägt zur Identität dieser Region und damit zu einem anschaulichen Zeugnis des Lebens im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis bei.“

Rainer Finke, in dessen Betrieb die Modelle der historischen Maschinen entstanden waren, überreichte Friedrich Wilhelm Schlottmann als Anerkennung eine vergoldete Plakette mit einem der Exponate als Prägung. „Wir zeigen hier keine verstaubte Geschichte“, präzisierte der Geehrte sein Anliegen: „Stattdessen laden wir auch die Jugend ein, aus der Tradition heraus eine Brücke in die Zukunft zu schlagen.“