Jungen und ihre Zukunft

Der zehnjährige David schaute sich im Alltag des Seniorenzentrums Buschstraße um. Auch die Bewohner freuten sich über das Interesse des jungen Gymnasiasten. (Foto: Schievelbusch)

Hagen. (san) Von Station zu Station wandeln die Schüler gruppenweise durchs Haus. Wie sieht das Zimmer im Seniorenwohnheim aus? Was passiert in der Teeküche? Wie werden die Medikamente für jeden Bewohner für den Tag zusammengestellt? Welche Fürsorge erfahren die dementen Bewohner und was ist denn eigentlich Demenz? Während des Rundgangs können die Jungen von der 5. bis zur 9. Klasse so einiges über die pflegerischen Tätigkeiten im Seniorenzentrum Buschstraße erfahren und erleben. Dann geht es weiter nach nebenan in die Außenwohngruppe der Jugendhilfe – der Betrieb für Sozialeinrichtungen Hagen (BSH) ist Herr über beide Häuser. Dort erleben die Jugendlichen, welche Alltagssituationen die Erzieher mit den zehn hier untergebrachten Kindern meistern müssen.

Nicht immer Technik

Beim “Boys’ Day“ am vergangenen Donnerstag drehte sich alles darum, den späteren männlichen Berufsanfängern Einblicke in zur Zeit noch sehr weiblich geprägte Berufe zu geben. Ganz bewußt hat sich Gymnasiast David aus der 5. Klasse dazu entschieden, das Seniorenzentrum und die angegliederte Jugendhilfe an diesem besonderen Tag zu besuchen. Er hätte auch eine andere Einrichtung wählen oder aber einfach in der Schule bleiben können. Aus seiner Klasse ist er der einzige, der in die Buschstraße gekommen ist. „Vor einiger Zeit habe ich schon mal an einem ähnlichen ’Beruf-Schnuppern’ teilgenommen, wo der Arbeitsalltag bei der Feuerwehr demonstriert wurde. Aber das ist irgendwie nichts für mich,“ hat der Zehnjährige schon für sich entdeckt.

Und das jungenspezifische Feld der Technik liege ihm auch nicht, „das ist mir zu viel Knösterei“. Warum denn dann gerade das Soziale? „Weiß ich auch nicht so genau. Ich mag es aber beispielsweise überhaupt nicht, wenn es zu Streit kommt. Ich liebe es, wenn alle Kinder froh sind,“ hat David selbst nur eine Ahnung von seiner Neigung für soziale Berufe.

Betriebsratsvorsitzender des BSH, Ulf Koelsch, als Organisator des Boys’ Days in den Einrichtungen an der Buschstraße führte die Jungen aus den verschiedenen Schulen durch die einzelnen Abteilungen. (Foto: Schievelbusch)

Stelle garantiert

Andere, schon ältere Jungen gehen die berufliche Ausrichtung pragmatischer an. Mit einer Ausbildung zum Erzieher sehen sie noch alle Wege offen zu einem späteren Studium, andererseits hat man schon etwas Solides nachzuweisen. Schüler und Ausbilder des Käthe-Kollwitz-Berufskollegs erzählten den rund 30 männlichen Schülern quer durch alle Schulklassen und -formen, mit welchem Abschluss sie welche weiteren Chancen haben. Die Hauptbotschaft: Ganz gleich, ob mit Hauptschulabschluss oder Abitur – wer seine Ausbildung sowohl in den pflegerischen als auch den Erzieher-Berufen erfolgreich zu Ende bringt, bekommt garantiert eine Stelle! Denn nach wie vor sind Männer hier Mangelware, obwohl wissenschaftlich belegt ist, dass Männer dort pädagogisch sinnvoll sind. Um dieses Missverhältnis in der beruflichen Geschlechterwelt aufzuheben, dazu gibt es seit einigen Jahren neben dem “Girls’ Day“ auch den “Boys’ Day“. Er ist ein bundesweiter Aktionstag zur Berufsorientierung und Lebensplanung für Jungen ab der 5. Klasse.

Anstöße gegeben

Zugegeben, auch unter den jungen Besuchern in der Buschstraße gab es einige, die sich nicht so recht für die Berufssparte begeistern konnten. „Der Tag ist ja auch in erster Linie dazu da, erste Einblicke zu geben und überhaupt erst mal das Augenmerk der männlichen Schüler auf diese Möglichkeit der Berufswahl zu lenken,“ so Betriebsratsvorsitzender des BSH Ulf Koelsch. „Aber für den Boys’ Day im kommenden Jahr fallen uns bestimmt noch kleine Verbesserungen ein,“ kündigt der Organisator an – damit mehr Jungen mit wirklichem Interesse kommen und nicht, weil die Lehrer sie schicken.

Als zum Abschluss der Aktion alle Jungen den bundesweiten Fragebogen ausfüllten, zeigte sich aber doch an den Antworten, dass sie alle bei der Sache waren. Nicht nur der zehnjährige David, der wahrlich noch viel Zeit hat, weiß, dass seine berufliche Zukunft durchaus im Sozialen liegen könnte. Auch zum Beispiel etliche Acht- und Neuntklässler waren nicht abgeneigt, sich in den kommenden Monaten in bisschen weiter in die Berufsbilder und die Ausbildungsmöglichkeiten vom Alten- oder Kinderpfleger und Erzieher einzuarbeiten.