SonnTalk: Die spinnen…

Was nationalistische Populisten einem Land einbrocken können, sieht man momentan besonders übel in Großbritannien. Da gab es einst eine seltsame Gruppierung namens UKIP, einige rechts-konservative Tories und ein paar Europa-Enttäuschte, die es allesamt geschafft haben, ein paar Millionen Briten per Referendum auf EU-Austrittskurs zu bringen. Sich von Europa zu verabschieden, ach, das sei doch kein Problem, das gehe ganz leicht, meinte damals UKIP-Chef Nigel Farage. Dann werde auf der Insel sofort alles viel, viel besser, versprach er. Welch‘ eine Lüge!

Farage hat sich längst in die Büsche gemacht. Einen Plan für die Zeit nach dem Referendum hatte er nie – warum auch? Den Scherbenhaufen wollte er Leuten wie dem „London-Trump“ Boris Johnson (Ex-Außenminister) und ähnlich wirren Leuten überlassen. Aber die haben’s nicht gebracht und stattdessen den Scherbenhaufen noch vergrößert. Das Wort Chaos ist seitdem untrennbar mit Namen und Begriffen wie Theresa May und dem britischen Unterhaus verknüpft.

Unsereins hatte in den vergangenen drei Jahrzehnten hauptsächlich drei Urlaubslieblingsziele. Eins davon war stets und immer wieder Großbritannien. Vorbei, vorbei. Seit dem Referendum wurde es von unserer Zielliste gestrichen.

Generell darf man gespannt sein, was der Brexit in den kommenden Jahren in puncto Ferien bedeutet. Wie verlautet, sind die europäischen Buchungen für einen Urlaub auf der Insel aktuell stark rückläufig. Und umgekehrt sind die Engländer so verunsichert, dass sie bislang auch nicht in gewohnter Weise ihre Festlandsziele gebucht haben. Vor allem Spanien könnte das zu spüren bekommen – hier stellten die Briten in der Vergangenheit die größte Gästegruppe, noch vor den Deutschen.

Ob der Brexit bald kommt, ob er später kommt, ob er weich kommt oder hart, ist übrigens in Bezug auf eine Ferienplanung 2019 per Tunnel oder Fähre relativ wurscht. Denn tatsächlich wurde längst eine Übergangsregelung vereinbart, wonach vieles vorerst so bleibt wie es ist. Das heißt zum Beispiel, dass man weiterhin kein Visum, sondern nur den normalen „Perso“ braucht. Mit Grenzkontrollen muss(te) man eh rechnen, denn die Insel gehörte ja noch nie dem Schengen-Raum an.

Auswirkungen auf den Flugverkehr sind hingegen im Brexit-Fall noch nicht abzuschätzen. Das gilt auch, wenn man demnächst auf der Insel krank wird, wenn man mit dem Handy telefonieren will (die Abschaffung der Roaming-Gebühren ist nur für EU-Mitgliedsländer verpflichtend) oder wenn man in London oder in einer Whisky-Brennerei shoppen geht. Denn wenn England raus ist aus der EU, sind auch die großzügigen Zoll-Freigrenzen „over“.
So oder so – Obelix hatte recht, als er schon vor 30 Jahren lakonisch ein ums andere Mal feststellte: „Die spinnen, die Engländer!“ Trotz alledem spielen sie in der Champions League eindeutig den besseren Fußball als die Deutschen, was aus westfälischer Sicht besonders schade ist.

Schönen Sonntag.

P.S.: Es bleiben übrigens noch Irland und Schottland – da sind EU-Bürger immer gern gesehen.