Tilo: Alles vorbei?

Aschermittwoch – alles vorbei! Echte Narren motten jetzt ihre Kostüme und Wagen wieder ein, genießen ab sofort die Fastenzeit und gehen am Sonntag – weil die meisten Jecken schließlich brave Katholiken sind – in die Kirche, um ihre Rosenmontagssünden zu beichten.

Normalerweise wird bei Karnevalsumzügen auch ein bisschen Kritik geübt – etwa an sozialen Missständen oder an verfehlter Politik. In Hagen hätte es dazu viele Anlässe gegeben. So wird die Bahnhofshinterfahrung wahrscheinlich nicht pünktlich fertig. In Haspe sind die Pläne vom Baumwipfelpfad geplatzt. In Wehringhausen kommt der Abriss von Block 1 nicht voran. Das Böhfeld gehört zwar einem Bauern, soll aber als Gewerbegebiet ausgewiesen werden. In Halden wird die Feuerwache wahrscheinlich erst mit Verzögerung entstehen, weil es die Stadt Hagen versäumt hat, ihre eigenen bürokratischen Vorschriften einzuhalten. Man hätte sich auch die katholische Kirche und ihren Missbrauchshorror vorknöpfen können. Oder die Hagener SPD. Undsoweiter undsofort. Aber die Narren in Hagen haben entschieden, sich weitgehend rauszuhalten.

Anders am Rhein. Vor allem in Düsseldorf ging’s gewohnt bissig zu. Da gab es beispielsweise einen überaus gelungenen Wagen, der den üblen Nazi-­Propagandaminister Goeb­bels zeigte. Auf seinen Armen: ein Baby namens Björn „Bernd“ Höcke. Der AfD-Vorturner von Thüringen gilt als einer der Rechtsausleger seiner Partei. Dass die Düsseldorfer Wagenbauer mit ihrer Goebbels-Höcke-Darstellung nicht ganz falsch liegen, zeigen übrigens jetzt bekannt gewordene Chat-Verläufe in der NRW-AfD. In denen wird die Nazi-Zeit – gelinde gesagt – verharmlost und über einen nahenden Bürgerkrieg in Deutschland schwadroniert. Schlimm!

Nun dauert es übrigens ziemlich genau ein Vierteljahr, bis in Hagen die nächste „fünfte Jahreszeit“ ansteht: Mitte Juni tourt der Hasper Ulk-Zug durch das Tal der Ennepe. Dann wird es ein Wiedersehen mit etlichen Jecken geben. Und Mitte September steht eine Art „italienischer Karneval“, ebenfalls in Haspe, auf der Tagesordnung – ein riesiges Lichterfest, das mindestens 200.000 Gäste anlocken soll.

Insofern ist in Hagen am Aschermittwoch eben doch nicht alles vorbei. Was ja auch ganz beruhigend ist.

Tilo