VGS Königsfeld: 20 Jahre sportaktive Herztherapie

    Helfer verteilten Herz-Luftballons im Publikum. Auch die Vorsitzende des VGS, Dr. Luzia Grommes, und Professor Dr. Marthin Karoff, Klinikleiter und VGS-Ehrenvorsitzender, (rechts)  hatten welche bekommen. (Foto: Stefan Scheler)
    Helfer verteilten Herz-Luftballons im Publikum. Auch die Vorsitzende des VGS, Dr. Luzia Grommes, und Professor Dr. Marthin Karoff, Klinikleiter und VGS-Ehrenvorsitzender, (rechts) hatten welche bekommen. (Foto: Stefan Scheler)

    Ennepetal. (Sche) „Intervalltraining ist sehr effektiv“, scherzte Professor Dr. Martin Halle von der Universität München bei seinem Vortrag in der Aula der Klinik Königsfeld zum 20-jährigen Jubiläum des dortigen Vereins für Gesundheitssport und Rehabilitation (VGS) vor wenigen Tagen: „Wenn das der BVB gemacht hätte, wäre der Champions League-Pokal ins Ruhrgebiet gewandert.“ Damit hatte der Bayer besonders die Lacher aus der Schalke-Fraktion unter den rund 250 Festgästen auf seiner Seite. Er legte aber auch sehr ernsthaft einen starken Akzent auf die präventive Funktion des Sports beim Schutz vor Herz- und Kreislauferkrankungen sowie Diabetes mellitus.

    Als Ehrenvorsitzender des Vereins richtete danach Professor Dr. Marthin Karoff, Leiter der Klinik Königsfeld, einige Worte an die Besucher, allerdings in Form eines Zwiegesprächs mit der Vorsitzenden, Dr. Luzia Grommes. „Wir haben mit 50 Leuten angefangen“, blickte die humorvolle Rheinländerin ins Jahr 1993 zurück: „Damals noch im Rahmen der TG Voerde.“ „Die Arbeit mit zunächst nur zwei Herzsportgruppen war für mich als junger Arzt echtes Neuland“, berichtete Professor Karoff: „Aber es reizte mich, die aktive Therapie nach Herz- und Kreislauferkrankungen zum Standardprogramm zu machen.“ Heute ist der Aufbau der Gesundheit mithilfe von Bewegungsprogrammen eine Spezialität der Klinik Königsfeld, wie Dr. Luzia Grommes betonte.

    Dass der Geist ebenso bei der Heilung von Herzstörungen, Diabetes und von Leistungsdruck bedingten Erkrankungen mithelfen muss, veranschaulichte Professor Dr. Reinhardt Schüppel, Chefarzt der Fachklinik Furth im Bayrischen Wald, in einem packenden und sehr verständlich gehaltenen Vortrag. „In uns ist noch immer das Reptiliengehirn präsent“, dozierte er: „Wenn – besonders nach dem Genuss von viel Alkohol – die Vernunft in der Großhirnrinde ausgeschaltet ist, kommt die Echse wieder zum Vorschein.“ Dann gebe es in den Biergärten zwischen Donau und Isar auch schnell schon mal eine „Watsch‘n“.

    Während Professor Dr. Martin Halle ausführte, dass mindestens 30 Minuten kurzer Laufschritt, der von ihm so genannte „Trip-Trab“, dreimal in der Woche ausgeführt, wesentlich zur Stabilität von Herz und Gefäßen beitrage, nahm sich sein Kollege Dr. Schüppel die Überreste der Evolution in unserem Denken und Fühlen vor. „Der Neandertaler – übrigens nicht weit von hier beheimatet, wie ich bei der Reise nach Ennepetal erfuhr – hatte ein einfaches Programm. Wenn der Säbelzahntiger nahte, hieß es: Hirn ausschalten und Adrenalin ausschütten“, brachte der Mediziner ein anschauliches Beispiel: „Sonst war man schnell der ,Snack‘ für das riesige Raubtier.“

    Fatal sei aber, dass diese Mechanismen noch immer in uns schlummerten und besonders im Beruf oder Familienleben in Situationen, denen sich der Handelnde nicht gewachsen glaube, neu auflebten. Das nenne man dann Stress. „Kraft und Aggression aufbauen, Denken einstellen“, präzisierte es der Wissenschaftler: „Genau das Gegenteil ist aber in einer modernen Gesellschaft erforderlich, sonst bleiben Gesundheit, Wohlbefinden und soziale Beziehungen auf der Strecke.“

    Das „Duo Fingerfood“ mit Stefan Wiesbrock (rechts) und Wolfgang Cramer von Clausbruch begeisterte die Gäste mit Jazz und Folklore. (Foto: Stefan Scheler)
    Das „Duo Fingerfood“ mit Stefan Wiesbrock (rechts) und Wolfgang Cramer von Clausbruch begeisterte die Gäste mit Jazz und Folklore. (Foto: Stefan Scheler)

    Die auf solche Weise sehr lehr- und hilfreichen Vorträge lockerte das „Duo Fingerfood“ von Stefan Wiesbrock und Wolfgang Cramer von Clausbruch effektvoll musikalisch auf. Auf Gitarren und der „Hang“, einem Schweizer Rhythmusinstrument, brachten die Künstler Jazziges und Beatles-Titel über die Rampe. Die Therapiegruppen O13 und O14 unter der Leitung von Sabine Dannemann zeigten eine präzise einstudierte und beeindruckende Choreografie, während die Übungsleiterinnen eine sportliche und humorvolle Darbietung zum Abschluss einer fast dreistündigen, mit viel Applaus bedachten und rundum gelungenen Veranstaltung zum Besten gaben.

    Als Vertreter des wegen eines überregionalen Termins verhinderten Landrats Dr. Arnim Brux zitierte dessen Stellvertreter Willibald Limberg den französischen Universalgelehrten Blaise Pascal mit den Worten: „Zu unserer Natur gehört die Bewegung.“ Und die soziale Komponente im VGS betonte Professor Dr. Marthin Karoff. „Wir sind kein Fitness-Studio“, stellte der Mediziner klar: „Bei uns fühlt man sich im sozialen Zusammenhalt der Gruppe wohl.“