Aus für das Schwelmer Marienhospital

Das Schwelmer Marienhospital wird, wenn nicht noch eine wundersame Rettung erfolgt, zum 30. Juni 2013 geschlossen. (Foto: Frank Schmidt)

Schwelm. (zico) Diesmal ist es wohl endgültig: Das vor rund 120 Jahren in Betrieb genommene Marienhospital in Schwelm soll zum 30. Juni 2013 geschlossen werden. Dies gab die Geschäftsführung des Klinikverbundes St. Antonius und St. Josef als Träger des Hauses vor wenigen Tagen bekannt. Grund ist der stark defizitäre Betrieb des Hauses, der nach wochenkurier-Informationen eine siebenstellige Summe pro Jahr verschlingt.

Die Entscheidung der Geschäftsführung bedeutet nicht nur einen schweren Verlust für die Gesundheitsversorgung der Kreisstadt, sondern auch das Beschäftigungsende an diesem Standort für rund 60 Mitarbeiter des Hauses. Auch die Zukunft für krankenhausnahe Gesundheitsdienste und Praxen steht wohl auf der Kippe. Betriebsbedingte Kündigungen sollen indes nach Möglichkeit vermieden werden, da der Klinikverbund in Wuppertal das Petrus-Krankenhaus, das St. Josefs-Krankenhaus und die St. Anna-Klinik betreibt.

Angesichts der tief roten Zahlen besteht nur wenig Hoffnung, dass Haus mit Protestaktionen oder anderen Finanzierungsmodellen noch zu retten, wie es 1978 und Ende der 90-er Jahre gelungen war. Auch das Engagement eines erfolgreich arbeitenden Fördervereins konnte den Fortbestand des Hospitals letztlich nicht mehr sichern. Neue Abrechnungsmodelle im Gesundheitswesen wie „Fallpauschalen“ statt Abrechnung nach Verweildauer haben insbesondere kleinere Häuser ohne hochqualifizierte Spezialisierungsbereiche in den vergangenen Jahren finanziell unter stark Druck gebracht. Experten rechnen daher in den kommenden Jahren mit einer weiteren bundesweiten Schließungswelle auf Kosten einer wohnortnahen Krankenhausversorgung – stattdessen gehe der Trend hin zu großen Häusern, denen nicht immer beste pflegerische Betreung nachgesagt wird. Für die Bevölkerung Schwelms und die Mitarbeiter des Hauses, die das Marienhospital stets auch unter einem emotionalen Blickwinkel gesehen haben, bedeutet die Schließung allemal ein Schock.

In einer ersten Stellungnahme bekundete Schwelms Bürgermeister Jochen Stobbe seine persönliche Betroffenheit:

„Die für den 30. Juni dieses Jahres angekündigte Schließung unseres Schwelmer Marienhospitals überrascht mich völlig. Wenn ich ehrlich bin, so schockiert sie mich geradezu. Erst vor wenigen Wochen kamen wir dort noch aus einem erfreulichen Anlass zusammen, und es gab kein Anzeichen dafür, dass dies traditionsreiche Krankenhaus vor dem Aus stehen könnte.

Ich bin sicher, dass wir alle gemeinsam unsere Möglichkeiten genutzt hätten, auf die nun endgültige Entscheidung des Trägers Einfluss nehmen. Denn es geht ja um nichts weniger als um die Sicherung der medizinischen Grundversorgung der Bürgerinnen und Bürger. Und es geht um zahlreiche Menschen, die im Marienhospital arbeiten und von denen vielleicht nicht alle beruflich wieder Fuß fassen werden.

Ich kann kaum glauben, dass auf diese Weise die Erfolgsgeschichte dieses Krankenhauses endet, das vielen Stürmen getrotzt und sich immer wieder modern weiterentwickelt hat. Ein Krankenhaus, das die Menschen vom Ende des 19. Jahrhunderts bis heute wohl versorgt hat und das uns ans Herz gewachsen ist. Ich appelliere an den Träger, seine Entscheidung, die eine wichtige Entscheidung für ganz Schwelm ist, noch einmal zu überdenken.“

Falls das Krankenhaus tatsächlich und unwiderruflich geschlossen wird, ergibt sich nicht zuletzt auch die spannende Frage nach der zukünftigen Nutzung des Krankenhausareals, das sich in äußerst attraktiver Lage im Herzen Schwelms befindet.

Weiterer Bericht folgt …