Bürger für ein lebendiges Schwelm

Bei der Überreichung der Stiftungsurkunde: (von links) Gerd Philipp, Jürgen Voß, Dr. Ilona Kryl (alle Bürgerstiftung Lebendiges Schwelm), Regierungspräsident Professor Dr. Gerd Bollermann und Schwelms Bürgermeister Jochen Stobbe. (Foto: Frank Schmidt)

Schwelm. (zico) Den „inoffiziellen“ Grundstein hatten aktive Schwelmer schon 2004 gelegt – mit dem „Initiativkreis Bürgerstiftung Lebendiges Schwelm e.V.“ verfolgten sie seither das Ziel, die Bildungs- und Lebenschancen von Kindern und Jugendlichen in Schwelm zu verbessern. Zudem legten sie einen Schwerpunkt auf die Kultur- und Denkmalpflege sowie den Naturschutz. Zu Wochenbeginn erhielten die Vorstandsmitglieder Gerd Phillip, der die Stiftung als Vorsitzender leitet, Dr. Ilona Kryl und Jürgen Voß nun im Rahmen einer Feierstunde im Haus Martfeld offiziell die Stiftungsurkunde aus den Händen von Regierungspräsident Professor Dr. Gerd Bollermann.

Gegründet worden war die eigentliche „Bürgerstiftung Lebendiges Schwelm“ bereits am 27. Mai 2011. Das auf den 30. November 2011 datierte Dokument macht die Stiftung nun rechtsfähig. Bereits als Initiative hatten die engagierten Bürger Projekte wie die „Leseförderung in Grundschulen und Kindergärten“ unterstützt und sich in Kooperation mit dem Märkischen Gymnasium um die Renaturierung der Gräften am Haus Martfeld gekümmert.

In seiner Ansprache gab der Vorsitzende Gerd Philipp einen Überblick über das Betätigungsfeld der Stiftung. Das erste Projekt „Leselust statt Lesefrust“ zielt auf die Leseförderung. Die ehrenamtlichen Lesepaten fördern einmal in der Woche eine Stunde ein Kind, in einer Grundschule oder einer Kindertagesstätte. Die Vorleser lesen einer Gruppe von Kindern vor, in der Regel im vorletzten Jahr des Kindergartens. Ziel sei es, zukünftig die Kooperation auf alle Schwelmer Grundschulen und Kindergärten auszuweiten. Das verlange vor allem Menschen, Menschen, die bereit sind, eine Stunde pro Woche für diese Förderung einzusetzen. „Daher suchen wir dauerhaft ehrenamtliche Lesepaten sowie Vorleser“, so Philipp.

Das zweite namens „Lernen durch Engagement“ ist Schülern nach der Grundschulzeit gewidmet: Schüler des Märkischen Gymnasium Schwelm, eingebunden in ein Netz von Kooperationspartnern, wurden aktiviert, den Bestand der Gräfte zu sichern. „Das bedeutete: Wasserqualität analysieren; Schutzhecken auswählen, anpflanzen; Möglichkeiten der Sauerstoffzufuhr erkunden, realistische berechnen und planen, Pumpenleistungen berechnen, Luftstein bauen, Besucher aufklären“, führte der Stiftungsvorsitzende aus.

Das nächste Projekt soll die Renaturierung des Oberlaufs der Schwelme sein. Die Kooperation möchte man auf alle Schwelmer Schulen der Sekundarstufe ausweiten. „Das verlangt Kollegien, die mit uns zusammenarbeiten. Da sind unsere bisherigen Erfahrungen überaus positiv. Es verlangt aber auch finanzielle Mittel. Bei der Gräfte trug diesen Teil vor allem die Wilhelm-Erfurt-Stiftung“, so Philipp. Und in einem dritten Projekt sollen die offenen Ganztagsschulen gestärkt werden. Hier sind Fortbildungen für die Erzieherinnen und Erzieher sowie eine personelle Verstärkung der im offenen Ganztag tätigen Betreuer angedacht. Auch die Stärkung der Initiative „Jedem-Kind-ein-Instrument“ steht auf dem Aktionsplan der Stiftung.

Naya Knoche, Pelin Dülger und Jessica Epp sorgten mit ihrer Lehrerin Ann-Kristin Dorfmüller für den musikalischen Rahmen. (Foto: Frank Schmidt)

Seit das Land Nordrhein-Westfalen besteht, wurden im Regierungsbezirk Arnsberg 500 Stiftungen anerkannt. Und dass die 500ste eine Bürgerstiftung ist, freute den Regierungspräsidenten besonders. „Das ist ein Signal für noch mehr bürgerschaftliches Engagement“, sagte Dr. Gerd Bollermann, der aus Anlass der 500sten Gründung in die Kreisstadt gekommen war. „Gut sieben Jahre von der Idee bis zur Realisierung der Stiftung – das zeigt: Es war kein einfaches Unterfangen, ehrenamtliches Engagement in einer Stiftung zu bündeln“, würdigte der Regierungspräsident das Vorhaben: „Die Bürgerstiftung Lebendiges Schwelm ist ein spannendes Beispiel für bürgerliches Engagement und wird als Knotenpunkt für ein lokales Netzwerk vor Ort Wirkung entfalten.“

Auch Schwelms Bürgermeister Jochen Stobbe würdigte den Einsatz der Bürger – viele Stifter wohnten der Feierstunde im Haus Martfeld persönlich bei. „Was wir brauchen, ist soziales Wachstum – nicht nur finanziell, sondern auch in den Köpfen“, so das Stadtoberhaupt. Dies werde von der Bürgerstiftung besonders gefördert, weil hier auch „die Verbindung der Generationen im Vordergrund steht“. Die Verleihung der Urkunde gibt der Stiftung nun die Möglichkeit, zusätzliche finanzielle Mittel zu generieren. Gesucht werden Zustifter, die das Gründungskapital von 56.000 Euro erhöhen, und Spender, die Projekte gezielt fördern möchten. Ein erster Zustifter wohnte der Feierstunde bereits bei: Dirk Henning von der Firma Henning GmbH möchte vor allem die Arbeit im offenen Ganztag verbessern helfen.

Naya Knoche, Pelin Dülger und Jessica Epp, die mit ihrer Lehrerin Ann-Kristin Dorfmüller für den musikalischen Rahmen sorgten, zeigten zwischen den Reden im Haus Martfeld, welche Früchte das Projekt „Jedem Kind ein Instrument“ trägt. Auch die Stifter Hans-Dietrich Mohr und Klaus Hufnagel bereicherten mit kulturellen Beiträgen das Programm. Mit dem gemeinsam gesungenen Bürgerlied von 1845 klang die Feierstunde aus.