Die Paddyhats erobern Wacken: Festival-Tagebuch, Teil 3

Gevelsberg/Wacken. In der letzten Ausgabe verließen wir die Gevelsberger Band „The O‘Reillys & The Paddyhats“ mit einem Hochgefühl nach ihrem ersten Auftritt und einem sich verselbstständigten Doppel-Pavillon. Im dritten und letzten Teil des Festival-Tagebuchs lässt Sänger und Gitarrist Franz „Sean O‘Reilly“ Wüstenberg den Rest des Wacken-Abenteuers Revue passieren.

Donnerstag, 4. August
8 Uhr, Wacken

Es war ziemlich früh, als die ersten schon wieder aus den Zelten krochen. So langsam merkte man die ächzenden Knochen und wehleidig schreienden Muskeln im Körper. Auch die erste Dusche musste so langsam mal fällig werden. So schlurfte ich zusammen mit Dr. Bones in Gummistiefeln und kurzer Hose bei leichtem Nieselregen zu den Dusch- und WC-Containern am anderen Ende des Camps. Und was wir dort vorfanden, war für Festivalverhältnisse ein wahres 6-Sterne-Hotel. Getrennte Duschkabinen mit LED-Streifenbeleuchtung und einem Umkleideseparée. Klar, alles auf einem Quadratmeter, aber dennoch ein Gefühl, wie die Regenwalddusche im Ritz.

Nachdem wir halbwegs wieder hergestellt waren, gingen wir zurück zum Camp und begannen unsere „Routine“: Klamotten packen, Camp sichern und ab zum Shuttle. Punkt 11.30 waren wir an der Bühne.

Da wir heute die ersten auf der „Beergarden Stage“ sein würden – nämlich um 13 Uhr – hatten wir massig Zeit für unseren Soundcheck und den ganzen Rest. Entspannt wie selten verstrich die Zeit und wir waren richtig heiß auf den Gig. Auch wenn bisher nur ein bierbauchtragender Typ im Bademantel durch den langsam trocknenden Matsch schlurfte. Der Rest des Vorplatzes war abgesehen von der super netten Security menschenleer. Um 12.59 Uhr standen dann dennoch völlig überraschend wieder einige tausend Zuschauer vor der Bühne. Unglaublich!

Diese 60 Minuten sollten die besten auf dem ganzen Wacken Open-Air werden. Ich will betonen, wie viel Leidenschaft und Energie sich bei einem solchen Konzert auf kleinstem Raum entwickelt, wenn viele Tausend Menschen zusammen singen, klatschen und tanzen.

Das weiß man wieder warum man das alles macht. Warum ich mich ab und zu doch mal aufraffe und den Proberaum aufräume. Warum Connor, sich mit der Steuer abmüht, und Dwight sich manchmal voller Sorgen die Nächte um die Ohren schlägt, wenn mal etwas nicht funktioniert und eine Lösung her muss. Der Grund für alle in der Band, sich einzuschränken und zu versuchen, die Dampflok auf den Schienen zu halten. Nach dem Konzert ging es wieder ins Artist Village und am Ende zum Camp, wo wir uns ein bisschen aufteilten, denn die einen gucken lieber Death Metal, während die anderen zu Knasterbart’s Gossenmusik abgehen. Wir trafen uns dann erst wieder beim gemeinsamen Iron Maiden Schauen. Da kann natürlich keiner dran vorbei. Ein geiler Tag!

Freitag, 5. August
10 Uhr, Wacken

Natürlich musste es schon wieder regnen. Aber ich hatte wundersamer Weise bis 10 Uhr geschlafen. Muss wohl am Jack Daniel’s gelegen haben. Also nicht falsch verstehen. Ich habe keinen getrunken, aber Ian doch ganz ordentlich, weshalb ich, als ich zu (Feld-)Bett ging das beste Live-Hörspiel aller Zeiten genießen konnte: „Ian McFlannigan erzählt von Gott und der Welt!“.

Ja, so langsam fing man an zu vergessen, wie es zu Hause war und was Zivilisation bedeutet. Es fühlte sich an, als wären wir schon einige Jahre im Camp. Im Grunde ging der gleiche Trott von vorne los. Nur, dass wir schon ein bisschen traurig waren, dass es langsam zu Ende ging.

An der Bühne angekommen fühlt man sich schon ein bisschen wie auf der Maloche. Klar, die beste Maloche der Welt. Aber drei Tage hintereinander die gleichen Gesichter und der gleiche Job. Da fühlst du dich als Musiker schon fast wie im Hamsterrad (Ich erwarte an dieser Stelle wütende Kommentare von Menschen die täglich ins Büro gehen).

Ein bisschen verwöhnt von der langen Vorbereitungszeit am Vortag kamen wir heute doch schon ganz schön ins Schwitzen. Der Soundcheck verlief ein wenig holprig und eh wir uns versahen lief das Intro, unsere 45 Minuten begannen und die Leute rasteten schon wieder zu unserer Musik aus.

Und dann erklang auch schon der letzte Ton und AUS. Vorbei! Das war Wacken 2016. Die letzten Momente als Artist waren die, als später auf dem Gelände noch ein paar Mal nach Fotos und Autogrammen gefragt wurde. Irgendwie verrückt, aber schön!

Samstag, 6. August
11 Uhr, Wacken

Nachdem wir am Abend vorher noch „Blind Guardian“ geguckt hatten und ein Großteil schon gefahren war, fühlte es sich komisch an im Camp. Wir guckten uns noch ein paar Bands an und führten im Pressezelt noch ein Radiointerview, das Fitz mit seinem Charme ergattert hatte. Schließlich entschieden wir dem Abreisestress am Sonntag zu entgehen und noch in dieser Nacht zu fahren. Zusammengepackt war dann schnell und den Müll lässt man ein wenig zusammengerafft stehen. So sagten es Connor und Duncan zumindest. Abfahrt! Traurig! Strange! Wir kommen wieder, auch wenn das bedeutet, dass wir erst bekannt werden müssen! Wacken: Auf bald!