Essen verbindet Nationen

Ennepetal. (Red./je) Voll ist er, der Klassenraum der Elternschule in der Grundschule W20assermaus, Standort Friedenstal. Denn am Tisch sitzen nicht nur vierzehn gut gelaunte Damen, sondern auch Kursleiterin Aysun Tarhan, ihre Assistentin Magdalena Gorzelanczyk, Deutschdozentin Elisabeth Rottmann-Flötotto sowie Vertreterinnen und Vertreter der Volkshochschule Ennepe-Ruhr-Süd und der Stadt Ennepetal. Sie alle warten gespannt darauf, dass das gemeinsam entwickelte „Internationale Kochbuch“ erstmals präsentiert wird.

Kinder unterstützen

Die Idee zu dem Kochbuch-Projekt wurde im Rahmen der „Elternschule“ geboren. Diese richtet sich an Eltern von Grundschulkindern mit und ohne Zuwanderungsgeschichte. Gestartet wurde die Elternschule im Jahr 2008 im Rahmen eines Förderprogramms der Europäischen Union im Süd-Kreis. Sinn ist es, Eltern die Erfordernisse und Abläufe des Schulunterrichts näher zu bringen, sodass diese den Werdegang ihrer Kinder aktiv unterstützen können.

Nach Auslaufen der Fördermittel wurde das sinnvolle Programm ab 2011 am Standort Friedenstal mit Mitteln der Stadt Ennepetal und der VHS EN-Süd fortgeführt. Mit Erfolg: nahmen zu Beginn nur zwei bis drei Frauen Teil, ist es heute die große Gruppe von vierzehn Mütern aus immerhin acht unterschiedlichen Nationen.

Kurse und Exkursionen

Zum Angebot der Elternschule gehören offene Beratungs- und Informationsangebote wie auch Sprachförderung und themenbezogene Veranstaltungen. Letztere finden immer nach Vorschlägen der Schülerschaft statt und beinhalten oft auch Exkursionen. So haben die Mütter und ihre Kursleiterinnen bereits die Kluterthöhle, das Theater, die Stadtbücherei, den VER, die Sparkasse oder das Industriemuseum besucht.

Als Gäste waren beispielsweise Mitarbeitende von Polizei, Feuerwehr und Rettungsdienste im Unterricht, um dort von ihrer Arbeit zu berichten und Kurse etwa in Erster Hilfe anzubieten.

Leckeres Essen verbindet

Da die meisten Teilnehmerinnen sich daheim um die Familien kümmern und das Essen bereiten, ist selbiges in den privaten natürlich ein häufiges Thema. Gerne werden auch Leckereien mitgebracht und gegenseitig gekostet – und so entstand bei Kursleiterin Tarhan die Idee, die häufig nur mündlich überlieferten Gerichte in schriftlicher Form festzuhalten.

Dies war gar nicht so einfach, denn vielfach wird traditionell nach Gefühl gekocht, feste Mengen- und Maßangaben kaum verwendet. Also musste zunächst gewogen und geschätzt, dann notiert und schließlich verschriftlich werden. Und auch die Übersetzung ins Deutsche übernahmen die Teilnehmerinnen selbst.

Nachkochen

Nachdem alles zusammengestellt war, wurde das „Internationale Kochbuch“ der Elternschule Friedenstal noch in ein ansprechendes Aussehen gebracht und mit Unterstützung der Sparkasse Ennepetal-Breckerfeld professionell gedruckt. Wer die Gerichte nachkochen möchte, bekommt das Buch in der Volkshochschule in Gevelsberg, Mittelstraße 86-88, für 3 Euro. Und natürlich wird man das „Ess-Buch“ auch beim Herbstfest im Friedenstal am 31. Oktober von 11 bis 14 Uhr erstehen können.

„Übrigens“, ergänzt Aysun Tarhan schmunzelnd, „ist die Elternschule natürlich auch für Väter geöffnet. Dann könnte unser nächstes Buch vielleicht ja Anleitungen zum Heimwerken enthalten…“