Gevelsberg gegen Extremismus

Gevelsberg. (je) Es ist ein breites Bündnis, das sich auch in diesem Jahr wieder aufgestellt hat, um in Gevelsberg ein weithin wahrnehmbare Zeichen gegen Fremdenfeindlichkeit, Gewalt und Extremismus zu setzen. Vom 8. bis 15. November 2015 findet erneut die Gevelsberger Aktionswoche „Für Zivilcourage, gegen rechte Gewalt“ statt.

„Es war ein Anliegen des Rates, die Woche auf eine breite Basis zu stellen“, betont Bürgermeister Claus Jacobi. Und das ist gelungen: mit dabei sind neben der Stadt auch Volkshochschule, SPD, IG Metall, VVN-BdA, NGK, der antifaschistische Arbeitskreis, die Grundschule Pestalozzi, das Filmriss-Kino, die Awo, der ISG 2000, Amnesty International und die Lesefreunde.

Klaus Fiukowski – laut Jacobi der im Rahmen dieser Aktionswoche „wichtigste Brückenkopf im Hause der Stadt“ – ist daher auch begeistert: „Ein so schönes Programm kommt nur zustande, wenn viele Akteure zusammenarbeiten.“ Und das Qualitätsniveau kann sich wirklich sehen lassen.

Zuvor

Los geht es bereits am Donnerstag, 5. November – also noch vor offiziellem Beginn der Aktionswoche – mit einem Vortrag in der VHS EN-Süd in der Mittelstraße 86-88. Um 19 Uhr stellt hier Yasemin el-Menouar von der Bertelsmann-Stiftung die Ergebnisse einer neuen Studie zum Islam in Deutschland vor. Denn während mehr als vier Millionen Muslime friedlich in unserem Land leben und sich eng mit dem deutschen Staat verbunden fühlen, empfindet mittlerweile fast die Hälfte der Deutschen den Islam als Bedrohung. Im Anschluss an den Vortrag darf diskutiert werden.

Ebenfalls vor offiziellem Start der Aktionswoche eröffnet bereits am 7. November um 16 Uhr die Ausstellung „Menschenschicksale“ im Rathaus ihre Pforten. Während der üblichen Öffnungszeiten werden dort bis 15. November Originaldokumente von Menschen gezeigt, die man nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten zu unerwünschten Personen erklärte und denen ihre Staatsbürgerschaft entzogen wurde. Darunter befinden sich auch viele prominente Künstler und Wissenschaftler.

Eröffnung

Offiziell eröffnet wird die Aktionswoche Zivilcourage schließlich am Sonntag, 8. November, um 17 Uhr mit einer Gedenkveranstaltung zum 77. Jahrestag der Novemberpogrome 1938 auf dem Rathausvorplatz. Hauptredner wird Bürgermeister Claus Jacobi sein. In diesem Rahmen wird auch eine Neuauflage der Tafeln zum Gedenken der Opfer nationalsozialistischer Verbrechen auf Gevelsberger Stadtgebiet vorgestellt.

Im Anschluss an die Gedenkveranstaltung geht das Programm dann in der Erlöserkirche, Elberfelder Straße 16, kulturell weiter. Ab 19 Uhr tritt dort die „Microphone Mafia“, eine der ersten Deutschen Rap-Bands, auf. Begleitet werden die Kölner Rapper von Esther Bejarano. Die 90-Jährige ist eine der letzten Überlebenden des Mädchenorchesters Auschwitz und hat den Terror des sogenannten „Dritten Reiches“ am eigenen Leibe erfahren müssen. Der Eintritt zum Konzert ist frei, eine Platzreservierung per Mail an bdb@stadtgevelsberg.de jedoch unbedingt erforderlich.

Kultur

Das Kulturprogramm zur Aktionswoche startet am Freitag, 13. November, im Bürgerhaus Alte Johanniskirche in der Uferstraße 3. Ab 18.30 Uhr öffnen sich dort die Türen zu einem Konzert mit dem Ensemble „Draj“. Eine Sängerin und zwei Musiker bringen jiddische Musik abseits der bekannten Klezmer-Pfade zur Aufführung.

Sportlich-kulturell wird es dann am Samstag in der Grundschule Vogelsang, Am Schultenhof 1. Um 9.30 Uhr wird dort das „4. Internationale Sport- und Kulturfest“ des Internationalen Sportvereins Gevelsberg (ISG 2000) eröffnet. Neben einem Schaukampf mit Kickbox-Weltmeister Necato Türksonmez gibt es auch eine Junioren-Kickbox-Gala sowie ein Tipp-Kick-Turnier. Ab 19 Uhr spielt schließlich die Band „Simple Beatz“.
Musikalisch geht es am 14. November auch im Pub 18 zu. Dort lädt der NGK ab 20 Uhr zum Konzert „Music against Racism“ mit anschließender Disko.

Vorträge

Im Programm der Aktionswoche finden sich abermals einige interessante Vorträge. So lädt der Neue Gevelsberger Kulturverein (NGK) am 9. November um 19 Uhr in der Pub 18, Rosendahler Straße 18, zum Start einer dreiteiligen Vortragsreihe, die sich mit dem Thema „Gruppenbezogene Menschenfeindlichkeit“ auseinandersetzt.

Am 14. November spricht und diskutiert Dr. Heiner Sasse ab 10 Uhr in der VHS zu „Macht, Gewalt, Terror – Leid, Ohmacht, Entsetzen“. In der Veranstaltung soll versucht werden, die psychologischen Mechanismen hinter Hass und Terror zu verstehen. Sasse: „Wenn man Angst vor Terrorismus hat, erfüllt man damit das Ziel der Terroristen.“

Ihren Abschluss findet die Aktionswoche am 15. November ebenfalls in der Volkshochschule mit einem Vortrag von Miriam Faßbender. Die Regisseurin hat zwei junge Afrikaner über Monate auf ihrer Flucht von Afrika nach Europa begleitet.

Schulen

Insbesondere für Schulklassen bietet die Aktionswoche auch in diesem Jahr ein weitgefächertes Programm an. So führen die Grundschulen Konfliktbewältigungstrainings durch, es gibt „Statt-Rundfahrten“ zu geschichtsträchtigen Orten eine Diskussionsveranstaltung mit Nachfahrinnen von Widerstandskämpfern, ein Kinoseminar zur nationalsozialistischen Propaganda und eine Theateraufführung. Viele dieser Inhalte gab es so oder so ähnlich zwar bereits im vergangenen Jahr, aber wie Klaus Fiukowski betont: „Das Publikum ist jedes Jahr ein neues.“

Im Anschluss

Nach Abschluss der Aktionswoche – aber trotzdem noch dazugehörig – spricht am Donnerstag, 19. November, um 19 Uhr Prof. Dr. Aladin El-Mafaalani im Gevelsberger Ratssaal zum Thema „Migrationssensibilität und die soziale Balance in den Stadtbezirken – Umgang mit Globalität vor Ort“. Der Soziologe El-Mafaalani ist ein gefragter Redner, dem es stets gelingt, auch komplizierte wissenschaftliche Zusammenhänge gut und verständlich zu erklären.

Eintritt frei

Sämtliche Veranstaltungen im Rahmen der Reihe kosten übrigens keinen Eintritt, da das Projekt durch das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ finanziell unterstützt wird.