Im Pferdebus durchs Volmetal

Pferdeomnibus-Restaurator und Fahrer Friedrich Burgerth kann mehr als die Schultern und Köpfe seiner Kaltblüter im Verkehr kaum sehen. (Foto: Stefan Scheler)

Ennepetal. (Sche) „Da steckt eine Menge Arbeit drin“, seufzt Friedrich Burgerth, Geschäftsführer der Loher Nocken Berufsförderung, wenn er an die Restaurierung des historischen Pferdeomnibusses denkt: „Der Löwenanteil der Bemühungen war darauf gerichtet, das Fahrzeug nach Dekra-Richtlinien verkehrstauglich zu machen.“

Die Rede ist von einem Gefährt, das dem Aufbau nach an einen der Doppelstock-Omnibusse in London oder Berlin erinnert, mit einer Wendeltreppe am Heck des Aufbaus. Nur, dass der im Besitz des wochenkurier stehende Wagen nicht die Antriebskraft vieler Motor-Pferdestärken, sondern als Vorspann zwei Rheinisch-Deutsche Kaltblüter, eine zähe, kräftige und widerstandsfähige Pferderasse, nutzt, um in Bewegung zu kommen.

„Die Tiere müssen sehr stressresistent sein“, erklärt Friedrich Burgerth, der sich mit wochenkurier-Herausgeber Dr. Karl-Heinz Lindenlaub zusammen der Renaissance eines Verkehrsmittels aus der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert gewidmet hat. Damals wickelten die Verkehrsbetriebe der Großstädte mit den urigen Pferdeomnibussen, welche nicht so teuer und elitär wie Kutschen und Landauer waren, die Personenbeförderung ab und nahmen mit uniformierten und mit Münzzählern „bewaffneten“ Schaffnern schon ein wenig die Pendlererfahrungen der Fünfziger- und Sechzigerjahre vorweg.

„Ein Problem, das man zu jener Zeit nicht hatte, war der rege Autoverkehr“, gibt Friedrich Burgerth zu bedenken: „Heute ist neben der Schwierigkeit, bei der hohen Sitzposition des Kutschers, der nur die Schultern und die Köpfe seiner Pferde über der Straße sieht, die Übersicht zu behalten, auch die zeitgemäße Verkehrssicherung schwierig.“ So legt zum Beispiel die Dekra als Prüfinstitution auf das Vorhandensein von ausreichender Beleuchtung, gut erkennbaren Fahrtrichtungsanzeigern, starken Bremsen und einem stabilen Aufbau großen Wert.

Der doppelstöckige historische Pferdeomnibus steht nach langer und intensiver Restaurierung bald zu längeren Ausfahrten bereit. (Foto: Stefan Scheler)

„Das ruhige Temperament des ,Motors‘, also der Hengste ,Marquis‘ und ,Egmont‘ ist dagegen meine Sache“, betont Pferdeliebhaber Burgerth: „Die zehn und 13 Jahre alten Tiere bringen jedoch die nötige Ruhe durchaus mit.“

Zudem brauchen die Kaltblüter viel Kraft, denn das mit etwa 22 Passagieren besetzte Fahrzeug bekommt auf sein Leergewicht von 2,2 Tonnen noch fast 2.000 Kilogramm aufgeladen, so dass sein zulässiges Gesamtgewicht dann 4.060 Kilogramm beträgt. Die zwischen 900 und 1.000 Kilogramm auf die Waage bringenden Pferde – ein Reitpferd wiegt dagegen durchschnittlich 600 Kilogramm – müssen also das Doppelte ihrer Körpermasse ziehen.

„Das geht nur im Flachland“, legt Friedrich Burgerth damit schon einmal die mögliche Fahrtroute fest: „Ennepetal-Voerde muss damit leider außen vor bleiben; möglich ist dagegen ein Einsatz im Hagener Volmetal.“ Dazu muss der Lenker des Pferdeomnibusses im Besitz einer Fahrerlaubnis sein. Diesen „Führerschein“, das Deutsche Fahrabzeichen, besitzt der Berufsförderer, der zusammen mit seinen Schützlingen teilweise bis spät in die Nacht an dem Fuhrwerk gewerkelt hatte. „Außerdem muss der Verkehrssicherung wegen immer ein Beifahrer mitkommen“, erzählt Friedrich Burgerth: „Diesen Part übernimmt Dr. Karl-Heinz Lindenlaub, der sich außerdem auch um den Erwerb des Deutschen Fahrabzeichens bemüht.“

Somit ist es also recht wahrscheinlich, dass der über vier Meter hohe Pferdeomnibus bald in der näheren Umgebung das Straßenbild bereichert und zahlende Fahrgäste und Bürger in hervorgehobener Stellung, vielleicht vermittelt vom wochenkurier-Reisebüro, die malerische Landschaft unserer Region erleben lässt. Auch Ortsdurchfahrten werden sich bestimmt spannend gestalten, bringt das gemächliche Tempo des Pferdeomnibusses doch etwas Entschleunigung in unsere hektische Zeit.