Jugendliche Straftäter sollen die Kurve kriegen

EN-Kreis. (th) „Frühe Hilfe statt späte Härte“ – das ist das Motto des Projektes „Kurve kriegen“, mit dem künftig auch im Ennepe-Ruhr-Kreis gezielt Kinder- und Jugendkriminalität bekämpft werden soll. NRWs Innenminister Ralf Jäger stellte das Konzept am Mittwoch, 17. August 2016, im Schwelmer Ibach-Haus gemeinsam mit der projektverantwortlichen Kriminalrätin Jessica Morgala vor.

Wirksam und wirtschaftlich

Jäger betonte, dass das Projekt durchaus auch einen wirtschaftlichen Aspekt habe. Denn für jeden investierten Euro erhalte die Gesellschaft drei bis zehn Euro zurück: Jugendliche Intensivtäter verursachen derzeit jährliche Kosten in Höhe von etwa 1,7 Millionen Euro durch Erziehungshilfe, Gefängnisaufenthalte und so weiter. An welche „Kaliber“ sich „Kurve kriegen“ richtet, demonstrierte  Jäger anschaulich, als er mit Polizeisprecherin Laura Schäfer das mehrere Meter lange Strafregister eines einzelnen Jugendlichen auf der Bühne entrollte.

Der finanzielle Aspekt steht aber natürlich nicht im Vordergrund, sondern der gesellschaftliche. Und auch in dieser Hinsicht konnte die Initiative „Kurve kriegen“, die seit 2011 an acht Standorten – darunter auch Hagen – läuft, bereits überzeugen. Laut einer von der Landesregierung in Auftrag gegebenen Studie wurden 40 Prozent der Teilnehmer gar nicht mehr straffällig, andere in deutlich geringeren Ausmaßen.

Seit Juli läuft das Projekt nun in elf weiteren Behörden, eine davon ist die Kreispolizeibehörde des EN-Kreises. Jessica Morgala ist überzeugt davon, dass „Kurve kriegen“ auch hier von Erfolg gekrönt sein wird, auch wenn „wir noch ganz am Anfang stehen“.

Polizei und Pädagogen

Entscheidend für den Erfolg ist die direkte Zusammenarbeit von pädagogische Fachkräften und Beamten vor Ort in den Polizeidienststellen. Auch aus dem Umfeld der Teilnehmer bekommt das Projekt viel Zuspruch. „Endlich kümmert sich mal einer“, nannte Jäger eine typische Reaktion.