Lesefest für Kinder baut kulturelle Brücken in Gevelsberg

Gevelsberg. (ce) Fatima ist neu in der Klasse. Sie kommt aus Algerien und sieht ungewöhnlich aus mit ihrem langen Kleid und dem Kopftuch. Als Jakob mit ihr reden will, sieht sie ihn nicht mal an. Das ist ihm zu blöd.

Doch als er auf dem Nachhauseweg beobachtet, in welch außerirdischem Tempo das Mädchen rennt, setzt er sich in den Kopf, Fatima zu trainieren. Auch als eine Zyste in Jakobs Kopf gefunden wird und ihm eine Operation bevorsteht, hält er an seinem Plan fest. Und das gegen alle Widerstände – die mobbenden Mitschüler, seine Krankheit und auch gegen den Willen von Fatimas Familie.

Lauschen ohne Schuhe

„Der unglaubliche Lauf der Fatima Brahimi“ lautet der Titel des Buches des erfolgreichen Kinder- und Jugendbuchautors Jürgen Banscherus. Er ist zugleich Schirmherr des Vereins „Gevelsberger Mentoren – Die Leselernhelfer“. Er liest am Samstag, 3. März, um 15 Uhr in Gevelsberg persönlich aus seinem Buch vor. Eingeladen sind alle Kinder ab sieben Jahren mit ihren Familien. Der Eintritt ist frei.

Stattfinden wird die Lesung passender Weise in der Moschee der Türkisch-Islami­schen Gemeinde an der Hagener Straße 71. Hier heißt es für alle: Bitte die Schuhe ausziehen. Die großen und kleinen Zuhörer dürfen dort der spannenden Geschichte um Toleranz und Integration lauschen, wo sonst gebetet wird. Statt auf Stühlen oder Bänken sitzt man hier auf einem dicken Teppich.

Offene Türen für alle

Nach der Lesung bitten die Gemeindemitglieder ihre Gäste noch zu bleiben. Auf dem Hof vor der Moschee wollen sie sie bewirten – mit türkischer Pizza und passenden Getränken.

Gastgeber der Lesung sind neben der Gemeinde der Integrationsrat der Stadt Gevelsberg, das Büro für Vielfalt und Zukunftschancen, „Mentor – Die Leselernhelfer Gevelsberg“ und die Stadtbücherei.

Büchereileiterin Stephanie Kron ist selbst gespannt auf diese außergewöhnliche Lesung an einem so gastfreundlichen, spirituellen Ort: „In den Schulklassen unserer Stadt gibt es immer mehr Kinder mit Migrationshintergrund. Die Geschichte um das Mädchen Fatima greift auf, was viele Gevelsberger Kinder im Schulalltag erleben“, sagt sie. „Mit Literatur wollen wir Brücken bauen und Türen öffnen. Das kann man, indem man in der Bücherei auf die Menschen wartet – oder eben indem man zu ihnen hinausgeht.“

Der Vorsitzende des Integrationsrates der Stadt Gevelsberg, Seyfullah Köse, hofft, dass auch das Wetter mitspielt. „Es soll draußen im Hof ein tolles Familienfest werden“, sagt er. „Wir bieten regelmäßig Führungen durch die Moschee an und wollen jetzt das Gotteshaus einmal in ganz anderer Weise vorstellen und öffnen.“

Eine Anmeldung ist nicht erforderlich. Platz gibt es reichlich. Nur sollte man pünktlich zur Stelle sein für die Lesung.