Neues WG-Zuhause für Demenz-Patienten in Gevelsberg

Pflegefachmann Gabriele Landolfo (l.) und sein Bruder Marco (Besitzer des Hauses) betreiben die neue Demenz-Wohngemeinschaft in Gevelsberg. (Foto: Claudia Eckhoff)

Gevelsberg. (ce) Wohnen wie Zuhause – das können demenziell veränderte Menschen demnächst in einer Wohngemeinschaft an der Gartenstraße 40. Erster privater Träger einer solchen Einrichtung im Ennepe-Ruhr-Kreis ist die „dreizettWG Gevelsberg“ unter dem Dach des ambulanten Pflegedienstes „dreizett Plus“.

Inhaber Gabriele Landolfo bietet in dem kernsanierten, barrierearmen Gebäude auf zwei per Aufzug erreichbaren Etagen über 350 Quadratmeter neun WG-Zimmer, zwei großzügige Gemeinschaftsräume mit Küche, drei Pflegebäder, zwei Gemeinschaftsräume mit Küche und eine geräumige Terrasse.

Das Essen und die Nacht

Sein ambulanter Pflegedienst betreut mit 22 Mitarbeitern rund einhundert Patienten. Er weiß genau, wie groß die Not der pflegenden Angehörigen werden kann.

„Zwei große Problembereiche, die die Angehörigen irgendwann an ihre Grenzen bringen, sind das Essen und die Nacht“, berichtet der Pflege-Fachmann. „Die Patienten vergessen das regelmäßige Essen und Trinken. Sie trocknen regelrecht aus, was schnell zu Krankenhausaufenthalten führt. Nachts sind sie oft unruhig, schlaflos, wie getrieben, was dazu führt, dass auch die Angehörigen dauerhaft um ihren Nachtschlaf gebracht werden.“

Ein weiteres großes Problem stellt auch tagsüber der bei demenziell veränderten Menschen typische starke Bewegungsdrang dar.

Eine Alternative zum Heim

Wenn die Pflege daheim nicht mehr leistbar ist, bleibt oft nur noch ein stationäres Heim. Dazu will Gabriele Landolfo eine Alternative schaffen. „In familienähnlichen Strukturen sollen die Menschen bei uns so weit wie möglich selbstbestimmt, aber doch rund um die Uhr fachlich betreut und gepflegt leben können“, sagt er. „Jeder hat sein eigenes individuelles Reich, doch wir essen, kochen, singen, basteln, spielen und diskutieren gemeinsam.“

Enorme Nachfrage

Das hat Zukunft. Die Nachfrage nach solchen Plätzen ist enorm. Die neun Zimmer an der Gartenstraße sind längst vergeben. Die Warteliste wächst.

Die Kosten für Miete und Nebenkosten, Haushaltsgeld, die Betreuungspauschale und die Pflegedienstleistungen können durch Zuwendungen des Sozialsystems finanziert werden.

In einer immer älter werdenden Gesellschaft wird die Zahl der Senioren-WGs oder solcher Wohngruppen für demenziell veränderte Menschen vermutlich stark steigen müssen. Hier ist mutiges Unternehmertum wie das Landolfos gefragt.