Rosemarie lässt die Nadeln klappern

18 von Rosemarie Schulte bestrickte Puppen traten im vergangenen Jahr die Reise nach Weißrussland an - und sorgten dort für strahlende Kinderaugen. (Foto: Privat)

Gevelsberg/Ennepetal. (ch/zico) „Ohne Stricknadeln können wir uns sie nicht gar mehr vorstellen“ , heißt es im Bekanntenkreis über Rosemarie Schulte – sogar unterwegs, wenn Ehemann Jürgen am Steuer sitzt, mischt sich das Klappern der Nadeln in die Motorengeräusche. Doch die 67-jährige Rentnerin ist keineswegs für den eigenen Garderobenschrank fleißig, sondern für eine gute Sache: Rosemarie Schulte bestrickt Puppen, die anschließend die weite Reise nach Weißrussland antreten, um dort bedürftige Kinder zu erfreuen.

Zweimal im Jahr, zu Ostern und vor Weihnachten, bringt die Gevelsbergerin gespendete Puppen und die von ihr gestrickte Bekleidung nach Ennepetal zu Marion Tigges-Haar, die den Weitertransport über Hattingen nach Weißrussland koordiniert. Und wenn die kleinen Reisenden dann am Ziel angekommen sind, sorgen sie stets für leuchtende Augen bei ihren neuen Puppenmuttis in Krankenhäusern, Kinderheimen und bedürftigen Familien.

Die Hilfe für andere, mit denen es das Leben nicht so gut gemeint hat wie mit den Schultes, verbindet sich mit der großen Leidenschaft der früheren Post-Mitarbeiterin: Rosemarie Schulte strickt bereits seit 40 Jahren. Und beglückte die emsige Handarbeiterin zunächst Verwandte und Bekannte vor allem mit wärmenden Socken, so kam sie vor mittlerweile sechs Jahren auf die Idee, Bekleidung für Puppen zu stricken, die als Spielzeug nach Rumänien gebracht wurden. „Mindestens zwei Sätze Garderobe sollten die Puppen ja haben, damit die Kinder auch Spielmöglichkeiten haben“, erklärt die sympathische Gevelsbergerin dazu.

Die Puppen, für die sie die Kleider strickt, bekommt sie geschenkt, denn für ein gutes Werk trennen sich viele, die längst dem Kindesalter entwachsen sind, von ihren alten Spielkameradinnen. Wer eine oder mehrere Puppen besitzt, mit denen er weißrussischen Kindern eine Freude machen möchte, kann sie beim wochenkurier, Mittelstraße 63-65 in Gevelsberg, abgeben. Spender, die nicht mehr so mobil sind, besucht Rosemarie Schulte auch zu Hause, um die Puppen persönlich abzuholen.

„Oftmals lerne sie dabei Leute kennen und komme mit ihnen ins Gespräch. Da höre ich viele interessante Geschichten, zum Beispiel von Männern, die in Russland in Kriegsgefangenschaft waren. Mich bereichern solche Begegnungen“, plaudert Rosemarie Schulte aus dem Nähkästchen. Im vergangenen Jahr verschickte die strickende Puppenmutter 18 Puppen, acht Pullover und zwei Babydecken – zweimal pro Jahr, an Ostern und Weihnachten, starten die Hilfstransporte von Hattingen aus gen Osten.

Zuweilen bekommt Rosemarie Schulte auch hochwertige Porzellanpuppen gespendet. „Mit denen kann ich eigentlich nicht viel anfangen“, dachte sie zunächst, dass Kinder nicht damit spielen und die Puppen wahrscheinlich beim Transport zerbrechen würden. Letztlich entschied sie, diese Puppen zu verkaufen. Mit dem Erlös erwarb die Mutter zweier Söhne zwei Bobbycars, die ebenfalls nach Weißrussland verschickt wurden – und so kamen auch die weißrussischen Jungen in den Genuss von Gevelsberger Gaben zum Spielen. Darum hat sich die Frau mit den emsigen Händen entschieden, auch weiterhin hochwertige Puppen entgegen zu nehmen, um diese für den guten Zweck zu Geld zu machen.

Ins gute Werk eingespannt ist mittlerweile auch Ehemann Jürgen Schulte. Früher hat er seine Frau oft begleitet und im Auto gewartet, wenn sie Puppenspender aufsuchte. „Doch weil Rosemarie dann oft mit den Leuten ins Gespräch kam, wurde es mir zu viel mit der Warterei, so der 69-Jährige. Längst hat er eine neue Aufgabe gefunden: „Wenn meine Frau strickt, sitze ich neben ihr, schaue fern und entwirre nebenbei die Wolle.“

Wer Rosemarie Schulte ebenfalls helfen möchte, Gutes in Weißrussland zu tun, der kann alte, aber auch neue Puppen beim wochenkurier, Mittelstraße 63-65 in Gevelsberg, abgeben. Puppen, die sich nicht als Spielzeug eignen, können von Interessenten gegen eine kleine Spende abgeholt werden. Auf Wunsch holt Rosemarie Schulte, Ruf (02332) 80825, die Puppen auch bei Spendern ab.