Satellit entdeckt Umweltsünden

Der packende Vortrag des Biologen Holger Voigt brachte den Hauptschülern ohne erhobenen Zeigefinger den Umweltgedanken nahe. (Foto: Stefan Scheler)

Ennepetal. (Sche) Die Erde, fotografiert von Meteosat 9 aus einer Entfernung von 36.000 Kilometern, war für die Schüler der Gemeinschaftshauptschule Friedenshöhe in Ennepetal bei einer Veranstaltung der Germanwatch-Klimaexpedition in Zusammenarbeit mit der AVU vor wenigen Tagen ein faszinierender Anblick. Besonders deshalb, weil sie keine sterilen Lehrbuchfotos geboten bekamen, sondern zeitechte Bilder aus einer hohen Umlaufbahn, in welcher der Satellit die Geschwindigkeit der Erdrotation aufweist, also über einem Punkt der Oberfläche zu stehen scheint. „Das Raumfahrzeug ,schwebt‘ über dem Schnittpunkt des 0-Längengrads in Greenwich bei London und dem Äquator“, bestimmte Referent Holger Voigt den Standort im All genau: „Auf eurem Sportplatz steht eine Satellitenantenne, welche die Bilder ohne nennenswerte Verzögerung auf meinen Rechner überspielt.“

Auf dem Sportplatz der Hauptschule Friedenshöhe hatte Holger Voigt (rechts) die Satellitenantenne für die Live-Bilder aus dem All aufgestellt. (Foto: Stefan Scheler)

Per Projektor konnten die 15 Schüler im Klassenraum beispielsweise genau sehen, dass sich eine Wolkenfront von Westen der Klutertstadt näherte, so dass bald mit Regen zu rechnen war. Gedacht war die Präsentation allerdings nicht als Wettervorhersage, sondern als Mahnung vor den Folgen der Erderwärmung – mit deutlichen Belegen der menschlichen Urheberschaft dieser globalen Erscheinung.

„Was ist das denn da für ein heller Fleck“, lautete zum Beispiel eine Frage aus dem jungen Publikum beim Anblick einer Formation in Südspanien: „Ist es das Ozonloch?“ „Du weißt ganz gut über die Klimadiskussion Bescheid“, lobte Holger Voigt: „Aber dies ist eine Erscheinung auf dem Erdboden.“ Die weiße Fläche, vor wenigen Jahren noch satt grün, entpuppte sich als 300 Quadratkilometer große Anbaufläche für Sojabohnen unter hell reflektierenden Plastikplanen, bei den Einheimischen deshalb spöttisch „Costa Plastica“ genannt. „Der Ertrag dieser Fläche, welche mit ihrer Rückstrahlung die Lufttemperatur in die Höhe treibt, ist für die Tierzucht bestimmt“, verdeutlichte der Biologe den Zusammenhang mit modernen Essgewohnheiten: „Hier entsteht Futter für Schlachtvieh, das hierzulande auch als Hamburger in die Pappschachtel kommt.“

Referent Holger Voigt (links) und Fachlehrerin Annette Bußmann (rechts) warben bei den Schülern für den Erhalt des Heimatplaneten. (Foto: Stefan Scheler)

Solch anschauliche Beispiele verdeutlichten nicht nur den Jugendlichen die gemeinsame Mitverantwortung für den blauen Planeten auf der Projektionswand. Fachlehrerin Annette Bußmann bat den Vortragenden, auch ältere Nachtaufnahmen aus der Umlaufbahn zu zeigen. „Da ist die beleuchtete Autobahn in Belgien“, erkannte die Pädagogin für Biologie und Technik eine Umweltsünde der Vergangenheit: „Wie viel Energie hat man hier vergeudet.“ Dem stimmte Holger Voigt zu und kam dabei auf ein besonderes Anliegen seiner Organisation Geoscopia zu sprechen. „Wir befürworten eindeutig die Einführung und den Gebrauch von Energiesparlampen“, stellte der Gelsenkirchener klar: „Die Entsorgung der Quecksilber enthaltenden Leuchtkörper darf aber nur an den dafür vorgesehenen Sammelstellen erfolgen.“

Auch Mobiltelefone waren ein Thema. „Gegenwärtig beträgt die Lebensdauer eines Handys etwa 18 Monate“, redete der 45-Jährige den Schülern ins Gewissen: „Eine längere Nutzung ist angesichts der Rohstofflage jedoch sinnvoll und erforderlich.“ Zur Untermauerung seines Appells zeigte Holger Voigt bestürzende Bilder von austrocknenden Salzseen in den Anden, wo man das für die Akkus nötige Lithium gewinnt. Angesichts der aus dem Weltraum gut sichtbaren Umweltzerstörung gab es in der Runde einige nachdenkliche Gesichter…