Schüler als Dolmetscher

Sprockhövel. (Red.) Überraschend und ohne Vorankündigung erreichten am vergangenen Mittwoch, 23. September 2015, gegen 14 Uhr insgesamt 98 Flüchtlinge die Sprockhöveler Notaufnahmeeinrichtung.

In Windeseile konnten sowohl das DRK, als auch Feuerwehr und Sicherheitsdienst den Betrieb an und in der Halle aufnehmen. Auch die Versorgung mit Essen und Getränken war schnell hergestellt. Recherchen ergaben, dass die Gruppe aus einer Unterkunft in Burbach stammte und bereits erstregistriert und -untersucht war. Sie konnten daher sehr zügig in der Sporthalle in Sprockhövel einquartiert werden.

Ein wichtiger Aspekt bei der schnellen und reibungslosen Unterbringung war sicherlich der bereits durchgeführte Medizincheck vor der Fahrt nach Sprockhövel. Ein weiterer besonders bemerkenswerter Umstand war die Hilfestellung beim Dolmetschen. Da so schnell nicht genügend Dolmetscher zur Verfügung standen, hat das Sprockhöveler Krisenmanagement die Gesamtschule um Hilfe gebeten. Nachdem feststand, das die medizinische Untersuchung bereits erfolgt war, boten gleich mehrere Schülerinnen und Schüler ihre Hilfe an, die bis zum Eintreffen weiterer Dolmetscher tatkräftig die Helfer unterstützten; dafür gebührt ihnen ein besonderer Dank.

Der Krisenstab des Kreises hat das Ereignis zum Anlass genommen, um die Bezirksregierung nochmals eindringlich auf die aus seiner Sicht notwendigen Abläufe und Meldewege hinzuweisen. „Nur so ist es möglich, Helfern und zu Helfenden die Unterstützung und die Sicherheit zu bieten, die sie verdient haben. Unzureichende Informationen können zudem zu völlig unnötigen Doppelarbeiten wie beispielsweise der wiederholten Erstuntersuchung führen“, heißt es aus dem Kreishaus.

Parallel hat der Kreis der Bezirkregierung mitgeteilt, dass sich mit der Ankunft der 98 Flüchtlinge in Sprockhövel die Zahl der freien Plätze in den Notunterkünften nun auf gut 200 reduziert hat. Aktuell sind es in Ennepetal 100, in Sprockhövel und Witten jeweils 50.

Anlaufstelle

Wie vom Ennepe-Ruhr-Kreis, dem Unternehmen „Med-Care Professional“ und dem DRK Sprockhövel angekündigt, ist die zentrale Anlaufstelle für die Erstregistrierung und -untersuchung von Flüchtlingen seit Donnerstag, 24. September 2015, nun auch voll betriebsbereit. Die Einrichtung in einem Gebäude des DRK in Sprockhövel ist die erste Station für die Flüchtlinge, die dem Kreis durch die Bezirksregierung zugewiesen werden. Nach Abschluss der vorgeschriebenen Formalitäten werden die Menschen auf die Notunterunterkünfte in Sporthallen in Ennepetal, Sprockhövel und Witten verteilt.

„Wir haben die Halle in Kooperation mit dem DRK und dem THW für die vorgesehenen Zwecke vorbereitet, sprich Unnötiges herausgeräumt und Notwendiges aufgebaut“, macht Marc Friedrich von „Med-Care Professional“ deutlich. Besonders positiv hebt er die gute Zusammenarbeit mit dem DRK hervor. „Wir haben Hand in Hand gearbeitet und stellen uns gemeinsam der Aufgabe“, so Lutz Heuser vom DRK Sprockhövel. Für Friedrich ist dieses Miteinander einer Hilfsorganisation mit einem privaten Rettungsdienst längst keine Selbstverständlichkeit. „Hier hat sie aber tadellos funktioniert.“

Dem Unternehmen wurde vom Kreis sowohl der Aufbau und als auch die Einsatzleitung der Anlaufstelle übertragen. „Für uns ist dieser Auftrag nach der medizinischen Versorgung der Flüchtlinge in der Hattinger Notunterkunft sowie der Leitung der Unterkunft in Ennepetal die dritte Herausforderung im Bereich Flüchtlinge“, so Friedrich. Als Einsatzleitung ist seine Firma im Zusammenspiel mit Ärzten des Fachbereiches Soziales und Gesundheit, Ärzten aus Krankenhäusern und Praxen, Verwaltungsmitarbeitern, Ehrenamtlichen und Dolmetschern für den Betrieb verantwortlich.

Kurze Wartezeiten

Der Krisenstab des Kreises setzt bei der ausstehenden Ankunft von Flüchtlingen weiter auf das in den vergangenen Tagen entwickelte Konzept. „Grundlage dafür ist und bleibt die telefonische Information durch die Bezirksregierung, die uns das Eintreffen ankündigt. Liegt uns diese vor, alarmieren wir das für die Anlaufstelle notwendige Personal. Parallel erhalten die Städte eine entsprechende Nachricht und können an den Notunterkünften die notwendigen Vorbereitungen treffen“, skizziert Astrid Hinterthür, Fachbereichsleiterin Soziales und Gesundheit den Plan. Er soll dazu beitragen, unnötige Warte- und Leerlaufzeiten an der zentralen Anlaufstelle sowie an den Notunterkünften möglichst klein zu halten.

Wie handlungsfähig alle Beteiligten aber auch dann sind, wenn von diesem Plan abgewichen werden muss, hatte sich ja bereits am Mittwoch gezeigt, als ohne jede Ankündigung zwei Busse mit 98 Personen in Sprockhövel vor der Tür standen.