Start zum 5. Gevelsberger Ausbildungspakt

43 Neuntklässler der Gevelsberger Hauptschule waren vor wenigen Tagen im Gevelsberger Ratssaal erschienen, um ihren Vertrag im Rahmen des Gevelsberger Ausbildungspaktes zu unterzeichnen. (Foto: Frank Schmidt)

Gevelsberg. (zico) Die Schüler feierten den vielleicht ersten Schritt in ein erfolgreiches Arbeitsleben, ihre bisherige „Chefin“ dagegen den Wechsel in einen neuen Abschnitt der beruflichen Laufbahn: Bei der Unterzeichnung des „5. Gevelsberger Ausbildungspaktes“ hieß es vor wenigen Tagen im voll besetzten Gevelsberger Ratssaal auch Abschied nehmen von der bisherigen Hauptschul-Rektorin Henrike Hallmann.

Dominik Borgmeier (rechts) unterzeichnete im Ratssaal seinen Ausbildungsvertrag bei der Zimmerei Werner Lüddecke, vertreten von Inhaber Peter Schmücker (links). Auch Bürgermeister Claus Jacobi (dahinter) zeigte sich erfreut über das frisch gebackene Arbeitsverhältnis. (Foto: Frank Schmidt)

„Ich will mir auf jeden Fall einen Platz sichern. Und das ist meine Entscheidung, die ich nicht auf Druck meiner Eltern getroffen habe“, erklärte der 16-jährige Dominik Hinz (Klasse 9a) gegenüber dem wochenkurier, warum er als einer von 43 Gevelsberger Hauptschülern einen Vertrag mit der Stadt Gevelsberg geschlossen hat. Dieser garantiert ihm einen Ausbildungsplatz, wenn er bestimmten Verpflichtungen nachkommt und am Ende seiner Schulzeit gute Noten in Schlüsselfächern vorweisen kann. Das dies möglich ist, dafür sorgen wiederum rund 50 Kooperationspartner aus der heimischen Wirtschaft, von denen ebenfalls eine ganze Reihe an der feierlichen Vertragsunterzeichnung teilnahmen.

Dass die Jagd nach einem Ausbildungsplatz auch in Zeiten des demographischen Wandels und eines vielfach beklagten Fachkräftemangels kein Selbstläufer ist, hatte zuvor Bürgermeister Claus Jacobi verdeutlicht: „Nachlässige Mitarbeiter und schlampige Arbeit werden in der Wirtschaft nach wie vor nicht akzeptiert.“ Das Stadtoberhaupt lobte die 43 Schüler für ihren Ehrgeiz, sich den anspruchsvollen Kriterien des Paktes zu unterwerfen: „180 Sozialstunden zu leisten, das ist zum Beispiel keine Kleinigkeit.“ Claus Jacobi hob hervor, dass man den Tag durchaus auch mit einem weinenden Auge begehe, denn Hauptschul-Rektorin Henrike Hallmann verlässt Gevelsberg, um künftig für die NRW-Schulministeriums-nahe Stiftung „Partner für Schulen“ tätig zu sein: „Dass sie den Ausbildungspakt mit erfunden haben, mag ein Grund für das Interesse der Stiftung sein, Sie für ihre neue Aufgabe auszuwählen.“

„Auch in seinem fünften Jahr ist der Gevelsberger Ausbildungspakt keine Routineangelegenheit“, betonte Henrike Hallmann anschließend den Pioniercharakter dieser Gevelsberger Idee: „Auch beim Landesministerium wird unser Modell als vorbildlich herausgestellt.“ Die scheidende Rektorin zeichnete einige Erfolgsgeschichten von Schülern nach, die der Ausbildungspakt möglich gemacht hatte. Eine davon erzählt von Dominik Borgmeier, der an diesem Abend im Ratssaal seinen Ausbildungsvertrag bei der Zimmerei Werner Lüddecke unterzeichnete. Deren Inhaber Peter Schmücker erinnerte sich, dass er seinen neuen Mitarbeiter erst von seinem eigentlichen Ziel, dem Metallbereich, abbringen musste. In mehreren Praktika ließ sich der Schüler von der Holzbranche regelrecht begeistern und ist heute sehr froh, offen für einen anderen Weg gewesen zu sein – ebenso wie Peter Schmücker, der von den bisherigen Leistungen seines neuen Mitarbeiters sehr angetan ist.

Den Schülern eine Berufsidee schmackhaft machen – dazu war auch Martin Wiecik von der Firma „Schulkoch“ zu der Veranstaltung erschienen und referierte über den Ausbildungsberuch Koch. „Wir haben nicht vor, jemanden in den Keller irgendeiner Großküche zu stecken“, baute er gleich zu Beginn Befürchtungen ab: „Der Beruf erlebt dank der zahlreichen Kochsendungen im Fernsehen einen Boom.“ Wiecik schilderte einige Facetten des vielfältigen Berufs und betonte, dass sein Unternehmen den Interessenten vergleichsweise geregelte Arbeitszeiten biete: „Dazu können Sie in einem vertrauten Umfeld, nämlich einer Schule, tätig werden.“

Zum Abschluss der Veranstaltung unterzeichneten alle Schüler ihre jeweiligen Verträge und erhielten ein farbenfrohes T-Shirt mit dem Logo des Gevelsberger Ausbildungspaktes. Musikalisch umrahmt wurde der besondere Abend von der Band „Folger“ um Sängerin Romina Molzahn, die unter anderem den „Ausbildungssong“ zum Besten gaben und dafür mit Pro City-Gutscheinen sowie starkem Applaus belohnt wurden.