Toto und Harry erzählten in Ennepetal

Toto und Harry alias Torsten Heim und Thomas Weinkauf gaben packende Einblicke in das Leben in der Wache und den Dienst auf der Straße. (Foto: Stefan Scheler)

Ennepetal. (Sche) „Wir sind seit etwa 20 Jahren im Dienst“, begann der Bochumer Polizeibeamte Thomas Weinkauf, aus dem Fernsehen als „Harry“ bekannt, die Vorstellung von amüsanten Begebenheiten aus dem Bochumer Dienstalltag, dem rund 200 Gäste in der Voerder „Rosine“ vor wenigen Tagen gespannt lauschten: „Dabei haben wir gelernt, dass es nichts gibt, was nicht passieren kann.“

So zum Beispiel den Mann, der Harry und seinem Streifenpartner Toto alias Torsten Heim um zwei Uhr morgens in der Nähe einer Baustelle über den Weg lief. Der Nachtschwärmer schleppte sich mit mehreren, über zwei Meter langen Eisenstangen ab, was den beiden Ruhrgebiets-Cops ziemlich verdächtig vorkam. „Wo wollen sie denn um diese Zeit noch hin“, fragten die Ordnungshüter den sichtlich verdatterten Herrn: „Und woher haben sie diese Teile?“ Zunächst wollte der Gestellte nicht so recht mit der Sprache heraus, gestand dann aber schließlich den versuchten Metalldiebstahl mit den Worten: „Die brauche ich für mein Gartenhaus, und im Baumarkt gibt‘s die nicht.“ Nachdem Toto und Harry die Personalien für die Anzeige aufgenommen hatten, wollte der Heimwerker seine Beute wieder mitnehmen. „Die habe ich doch mit der Strafanzeige bezahlt“, lautete dazu seine ziemlich kreative Gesetzesauslegung.

Nicht strafbar gemacht hatte sich dagegen ein japanischer Tourist, der aber sehr zur Erheiterung der Bochumer Jungen in Uniform beitrug. Er suchte in der Innenstadt verzweifelt sein Auto. Nach dem Namen der Straße gefragt, wo er denn sein Fahrzeug abgestellt habe, strahlten plötzlich seine Augen. „Den habe ich mil gemelkt“, triumphierte der Asiate und hielt Toto und Harry einen handgeschriebenen Zettel hin, auf dem deutlich zu lesen stand: „Einbahnstraße“. Tatsächlich wurde man schließlich in einer solchen fündig, nachdem allerdings zuvor die komplette City abzusuchen war.

Aber nicht nur vom Bürger bekommen Polizeibeamte Skurriles geboten, sondern auch von Kollegen oder sogar Vorgesetzten. Gern erinnern sich die beiden Streifenbeamten an ihre ersten polizeilichen Gehversuche als Dienstanfänger. Da musste man sich erst einmal beweisen und den Dienstgruppenleitern, bei der Polizei kurz DGL genannt, den nötigen Respekt entgegenbringen. Letzteres äußerte sich dann zum Beispiel darin, dass Harry seinen DGL regelmäßig nach Bochum-Stiepel fahren musste. In diesem südlichen Stadtteil tobte nun nicht etwa das Verbrechen, sondern den Polizeiführer plagten Verdauungsschübe, deren er sich nicht auf der Wache entledigen wollte, weshalb es ihn dafür nach Hause zog.

Dagegen wusste ein anderer Schichtführer bei der Polizei die dienststelleneigene Dusche umso mehr zu schätzen, sodass Kollegen oder Delinquenten ihn auf der Wache öfter im Bademantel antrafen.

Modisch eigenwillig zeigte sich auch ein anderer Oberpolizist, der in Cowboystiefeln zur Uniform erschien, ganz so, als läge das Revier rund um den Förderturm des Bergbau-Museums in der Wüste von Arizona.

Polizei-Pensionär Manfred Michalko, dessen Verein „Blumenstrauss“ den unterhaltsamen Abend für einen guten Zweck organisiert hatte, steuerte noch eine eigene Geschichte bei. „Wir überprüften eine Person“, erinnerte sich der frühere Schutzmann: „Seinen Namen bezeichnete der Befragte als ,Teufel‘ und seinen Wohnort als ,Im Himmel‘.“ Als der sich genasführt wähnende Polizeibeamte über Funk bei seinen Gevelsberger Kollegen nachfragte, erfuhr er, dass sowohl der Familien- als auch der Straßenname in der Engelbertstadt existierten.

Von so vielen Innenansichten des Polizeialltags waren die Zuhörer sichtlich begeistert, denn sie erwarben im Anschluss an den von Filmen begleiteten Vortrag noch Bücher und Audio-CDs von Toto und Harry, welche die Gesetzeshüter aus dem Revier fleißig signierten. Außerdem posierte die Besatzung des Streifenwagens „Irma 11/35“ für zahllose Erinnerungsfotos.