Um hunderte Schriftstücke erweitert

Sprockhövel. (Red./saz) Ein spannender Teil Orts-, Familien- und Bergbaugeschichte wurde in der vergangenen Woche im Stadtarchiv Sprockhövel vorgestellt. Es handelt sich um mehrere hundert Schriftstücke vom Hof Untere Obergethe (heutige Adresse: Auf der Gethe 7) in Obersprockhövel. Der Hof befindet sich seit mehr als 300 Jahren in Familienbesitz. Obergerthmann, Spennemann, Windgasse und Löhken sind die Namen der Besitzer, die in den Dokumenten ihre Spuren hinterließen.

Die Schriftstücke stehen dem Stadtarchiv als Leihgabe zur Verfügung. Übergeben wurden sie von Angelika Löhken, deren Vater Erwin die Sammlung zusammengestellt hat. „Ich finde es sehr gut, dass die Sammlung hier im Archiv gut aufgehoben wird“, sagt die Leihgeberin. Und auch Archivleiterin Karin Hockamp freut sich über die Ergänzung: „Die Schriftstücke sind wirklich interessant, vor allem auch für die Lokalgeschichte.“

Auf die kunstvoll gestalteten Titelseiten folgen in dem ledergebundenen Buch Einträge über das Alltagsleben von Peter Spennemann zur Obergethe und später auch von seinem Sohn Heinrich Rudolf. (Foto: Sarah Schwarz)
Auf die kunstvoll gestalteten Titelseiten folgen in dem ledergebundenen Buch Einträge über das Alltagsleben von Peter Spennemann zur Obergethe und später auch von seinem Sohn Heinrich Rudolf. (Foto: Sarah Schwarz)

Das älteste Schriftstück der Leihgabe ist die Abschrift eines Pachtvertrages von 1701 über den Kotten im Siepen (südöstlich der heutigen Sirrenbergstraße gelegen). Das jüngste ist von 1986, ein Schreiben von Erwin Löhken an einen Familienforscher. Die Schriftstücke enthalten Akten zu den Besitzverhältnissen des Hofes Untere Obergethe, zur Familiengeschichte, aber vor allem zu dem umfangreichen Bergwerksbesitz der Familie im 19. Jahrhundert. Außerdem finden sich auch alte Schulhefte und verschiedene Abschriften in der Sammlung, so auch eine Abschrift von Friedrich Harkorts „Bürger- und Bauernbrief“ aus dem Jahre 1851. In den einzelnen Schriftstücken des Familiennachlasses wurde ein ganzes Leben schriftlich festgehalten.

Frühlingsvogel

Ein besonders interessantes Schriftstück ist ein gebundenes Buch mit Lederrücken und Schnüren. Es trägt den Titel: „Johannes Peter Spennemann zur Obergethe, Anno 1781“ mit Einträgen von ihm und seinem Sohn Heinrich Rudolf (geboren 1796). Nach den kunstvoll gestalteten Titelseiten folgen sorgfältig per Hand beschriebene Seiten, die verschiedenste Inhalte aufweisen. So enthält das Buch unter anderem Übungen zur Rechnungsführung, Verkäufe und Lieferungen, Auflistungen von Hochzeitsbesuchen, Rezepte und allerlei alltägliche Beobachtungen wie beispielsweise Vermerke über extreme Schneefälle in den Jahren 1803 und 1837. Auch finden sich in dem Schriftstück Eintragungen wie: „Anno 1803 den 2. April hat der Frühlingsvogel, der Kuckuck genannt, gerufen“.

Die Akten wurden erschlossen, verzeichnet und in fünf Archivkartons archivgerecht verpackt. Sie stehen der Forschung ab sofort zur Verfügung. Öffnung des Stadtarchivs: nach Vereinbarung unter Tel. 02324/ 9701555 oder E-Mail: hockamp@sprockhoevel.de.