Wenn Gelenke nicht mehr wollen

Gevelsberg. (saz) Im Alter fallen viele Dinge, die sonst so alltäglich erscheinen, plötzlich nicht mehr so leicht. Die Gelenke werden steifer, das Sichtfeld kleiner und die Ohren lassen auch irgendwie nach. Insgesamt zehn Schülerinnen und Schüler der „Zivi-AG“ an der Realschule Gevelsberg und der „Sozial-AG“ am Gymnasium Ennepetal waren in der vergangenen Woche im Awo-Seniorenzentrum Kampstraße in Gevelsberg zu Besuch, um die veränderte Wahrnehmung im Alter hautnah zu erleben.

Alltägliches wie Hinsetzen, Trinken und Essen kann im Alter zur Herausforderung werden. Mit dem Alterssimulationsanzug bekommt die 16-jährige Anne Bültmann eine Ahnung, wie es ist, motorisch nicht mehr so flexibel zu sein.(Foto: Sarah Schwarz)
Alltägliches wie Hinsetzen, Trinken und Essen kann im Alter zur Herausforderung werden. Mit dem Alterssimulationsanzug bekommt die 16-jährige Anne Bültmann eine Ahnung, wie es ist, motorisch nicht mehr so flexibel zu sein.(Foto: Sarah Schwarz)

Simulation

Die Möglichkeit dazu bot der extra für den Tag ausgeliehene Alterssimulationsanzug. Mit diesem können bis zu einem gewissen Maße Alterseinschränkungen simuliert werden. So sorgt beispielsweise eine Halskrause für eine begrenzte Beweglichkeit des Kopfes und dämpfende Kopfhörer sorgen für reduziertes Hörvermögen. Mit mehreren Gewichten bestückt, erhöhteder Anzug das Gewicht der Tragenden außerdem um 20 Kilo, was die allgemeine Beweglichkeit deutlich erschwert.

Sämtliche AG-Teilnehmer, allesamt Zehntklässler, probierten den Anzug aus und testeten, wie sie derart eingeschränkt in Alltagssituationen zurechtkommen. „Das war manchmal schon schwer“, sagte die 16-jährige Olivia von der Gevelsberger Realschule, nachdem sie eine kleine Runde durch das Seniorenzentrum gegangen war. „Gerade an der Treppe hatte ich durch das eingeschränkte Sichtfeld Probleme.“ Auch das Hören fiel ihr schwer. Die Aufforderung der Lehrerin, sich für ein Foto umzudrehen, hörte sie zuerst gar nicht. „Das klingt alles einfach sehr dumpf.“

Irritierend

Ähnliche Erfahrungen machte auch die ebenfalls 16-Jährige Anne Bültmann, die das Reichenbach-Gymnasium in Ennepetal besucht: „Durch die Kopfhörer sind die Geräusche gedämpft. Das und die Gelbfärbung der Brille sind sehr irritierend.“ Auch das zusätzliche Gewicht machte ihr zu schaffen: „Das ist man so nicht gewohnt. Durch meine Knieprobleme bin ich auch schon vorbelastet.“ Dementsprechend war sie froh, als sie die Einzelteile des Anzugs wieder ablegen konnte. „Das geht echt auf die Gelenke.“

Die Jugendlichen testeten neben der Beweglichkeit beim Laufen auch alltägliche Szenarien wie Essen und Trinken.

Zwar kann das Tragen eines Alterssimulationsanzuges natürlich nicht genau wiedergeben, wie sich ein Mensch im Alter fühlt, doch sind die Erfahrungen der Schüler ein kleiner Einblick in die Erfahrungswelt älterer Menschen und können helfen, Senioren und ihre Einschränkungen besser zu verstehen.

Auch wenn sich alle Teilnehmenden einig waren, dass die Einschränkungen eigentlich gar nicht so sehr ins Gewicht fielen, merkten sie doch, dass im Alter vieles nicht mehr so einfach läuft wie in jüngeren Jahren.

Freiwillige Basis

Die beiden teilnehmenden AGs laufen auf freiwilliger Basis im Rahmen des Projektes „Koordinierungsstelle Ehrenamt – Alt und Jung“ der FAN unter der Leitung von Sozialarbeiterin Pia Grebe.  Einer der Kooperationspartner dieses Projekts ist das Awo-Seniorenzentrum Gevelsberg. Gemeinsam mit diesem wurden bereits andere Projekte durchgeführt, unter anderem auch der „Rolli-Führerschein“, der die Teilnehmenden mit einem Rollstuhl in die Mittelstraße führte.

„Es geht auch darum, dass wir gegen Hemmschwellen und Berührungsängste vorgehen“, erklärt Einrichtungsleiterin Kerstin Thiel. „Ich finde es gut, wenn junge Menschen erfahren, wie es Senioren im Alltag ergeht. So bekommen sie einen neuen Blickwinkel und verstehen ältere Menschen hoffentlich etwas besser.“

Außerdem seien Aktionen wie diese eine gute Möglichkeit, Jugendliche an das Thema ehrenamtliche Altenpflege heranzuführen. Einen Einblick in die Arbeit des Awo-Seniorenzentrums in Gevelsberg bieten auch Aktionen wie der „Boys- und Girls-­Day“, der am 28. April 2016 stattfindet.