Zahl der Wohnungslosen in Deutschland steigt

Von den 341 Wohnungsnotfällen in Schwelm sind 24 Prozent Frauen. 35 Prozent der Hilfesuchenden sind jünger als 30 Jahre. (Foto: Henning Hraban Ramm/pixelio.de)

Schwelm. Die BAG Wohnungslosenhilfe (BAG W) hat ihre aktuelle Schätzung zur Zahl der wohnungslosen Menschen in Deutschland vorgelegt: In 2016 waren demnach circa 860.000 Menschen in Deutschland ohne Wohnung – seit 2014 ist dies ein Anstieg um etwa 150 Prozent. In Schwelm haben sich im Jahr 2016 341 Menschen an die Wohnungslosenhilfe der Diakonie Mark-Ruhr gewandt. „Wir sprechen in diesem Zusammenhang von Wohnungsnotfällen“, so Heike Orth, Leiterin der Wohnungslosenhilfe Schwelm. Nicht jeder, der sich an die Beratungsstelle der Diakonie Mark-Ruhr wende, sei auch unmittelbar obdachlos.

Wohnungsmarkt bleibt angespannt

„Von den 207 Personen aus dem südlichen Ennepe-­Ruhr-Kreis, deren Betreuung in 2016 beendet werden konnte, lebten zum Jahresende 118 (57 Prozent) in eigenem Wohnraum, 57 Personen bei Bekannten oder der Familie, 11 Menschen waren ordnungsrechtlich durch die Kommunen untergebracht. Dies zeigt deutlich den Verbleib in ungesicherten Wohnsituationen. Die Wohnungsmarktlage bleibt auch im Ennepe-Ruhr-Kreis für Haushalte mit geringem Einkommen angespannt.“ Die BAG W prognostiziert von 2017 bis 2018 einen weiteren Zuwachs um circa 350.000 auf dann ca. 1,2 Millionen wohnungslose Menschen in Deutschland. Das wäre eine weitere Steigerung um rund 40 Prozent. „Eine solche deutliche Steigerung erwarten wir in Schwelm zwar nicht, dennoch möchten wir für dieses Thema sensibilisieren“, sagt Heike Orth. „Die Nachfrage vor Ort verstetigt sich auf einem hohen Niveau“, halten alle Beratungsstellen für Wohnungslose der Diakonie Mark-Ruhr fest.

Zuwanderung nicht die Ursache

Seit dem Jahr 2016 schließt die BAG W in ihre Schätzung die Zahl der wohnungslosen anerkannten Flüchtlinge ein. Im Jahr 2016 betrug demnach die Zahl der wohnungslosen Menschen ohne Einbezug wohnungsloser Flüchtlinge gut 420.000. Die Zahl der wohnungslosen anerkannten Flüchtlinge schätzt die BAG W auf ca. 440.000 Menschen. Diese zusätzliche Gruppe Wohnungsloser, die im Regelfall weiterhin in den Gemeinschaftsunterkünften geduldet wird, stellt also gut 50 Prozent aller Wohnungslosen in Deutschland. Wohnungslose Flüchtlinge sind sowohl Nachfragende in den Behelfsunterkünften als auch auf dem Wohnungsmarkt.

Sozialer Wohnraum fehlt

„Die Zuwanderung hat die Gesamtsituation verschärft, ist aber keinesfalls alleinige Ursache der neuen Wohnungsnot“, erklärt Fachbereichsleiterin Heidrun Schulz-Rabenschlag von der Diakonie Mark-Ruhr. „Seit Jahren weisen wir auf eine verfehlte Wohnungspolitik in Deutschland hin“, unterstreicht die Diakonie Mark-Ruhr die Forderung nach mehr sozialem Wohnraum in der Region.