150 – Wk erinnert an „Alleskönner Behrens“

Als das Haus Cuno 1910 in Hagen an der Haßleyer Straße gebaut wurde, war es die – gestalterisch betrachtet - modernste Villa Westfalens. Ihr Planer war Peter Behrens, einer der bedeutendsten deutschen Designer des 20. Jahrhunderts. (Foto: Michael Eckhoff)

Hagen. (ME) Die lachende Kaffeekanne von „Kaiser’s Kaffee“, das AEG-Waben-Logo, der berühmte Schriftzug „Dem Deutschen Volke“ am Berliner Reichstagsgebäude – jeder kennt diese Ikonen der Gestaltung. Urheber dieser und vieler weiterer Schöpfungen ist der in Hamburg aufgewachsene Künstler Peter Behrens.

Zum 150. Geburtstag des bedeutenden Architekten und Designers Behrens gibt es im Kölner Museum für Angewandte Kunst bis zum 1. Juli die Ausstellung „Der Alleskönner“. In Hagen wurde der Geburtstag weitgehend vergessen, dabei war Peter Behrens vor dem Ersten Weltkrieg ein enger Mitstreiter von Karl Ernst Osthaus. In Hagen schuf er mehrere wegweisende Bauwerke – so die Villa Cuno an der Haßleyer Straße und insbesondere das Krematorium in Delstern.

„Kampfkrematorium“

Die Delsterner Einäscherungsstätte ist so etwas Ähnliches wie das preußische „Kampfkrematorium“. Als der vom Sanitätsrat Dr. Eduard Müller ins Leben gerufene Hagener Verein für Feuerbestattung 1905 die Errichtung eines Krematoriums beschloss, gab es in Preußen für eine derartige Institution überhaupt keine rechtlichen Voraussetzungen.

Dennoch traute man sich in Hagen heran an die Planung. Zunächst sahen die Entwürfe eine Art griechischen Tempel vor. Als der Kunstmäzen und Museumsgründer Osthaus davon erfuhr, soll er äußerst entsetzt gewesen sein. Kurzerhand bat er seinen Freund Peter Behrens um einen zeitgemäßeren Entwurf. Behrens – zu diesem Zeitpunkt Direktor der Kunstgewerbeschule in Düsseldorf – war um 1905 wiederholt für Osthaus tätig, so hatte er für dessen Hagener Museum einen Vortragssaal entworfen.

Knapp zwei Jahre nach Planungsbeginn war das Krema­torium – abgesehen von einer eigentlich mitkonzipierten Gebeinhalle – fertiggestellt. Doch es durfte nicht in Betrieb gehen – weil die rechtlichen Voraussetzungen immer noch nicht geschaffen worden waren. Der Kampf um das Recht, Verstorbene einäschern zu dürfen, zog sich noch bis Ende 1911 hin. Erst zu diesem Zeitpunkt passierte das neue Gesetz den preußischen Landtag.

Das Delsterner Krematorium war somit die erste Einäscherungsstätte Preußens, dem benachbarten Urnenfriedhof fällt ebenfalls eine Pionierfunktion zu. Überdies ist das Krematorium auch architekturgeschichtlich ein echtes Kleinod.

Gewagter Versuch

Im November 2007 – zum 100. Geburtstag – wurde es vom Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) als „BauDenkmal des Monats“ geehrt.

Einweihung des ersten Krematoriums in Preußen 1907: Ursprünglich verfügte das Bauwerk über eine schwarz-weiße Marmorverkleidung. Architekt Peter Behrens – der „Design-Alleskönner“ – orientierte sich an italienischen Vorbildern. Behrens wurde vor 150 Jahren geboren – der Wochenkurier erinnert an ihn. (Foto: Archiv Hagener Heimatbund)

In der LWL-Beschreibung heißt es unter anderem: „Das Krematorium, das der Architekt Behrens 1906 entwarf, war ein in seiner Entstehungszeit gewagter Versuch des Hagener Vereins für Feuerbestattung, seine Interessen durchzusetzen. Es trägt den Namen des Vereinsvorsitzenden Dr. Eduard Müller.“

Es entstand ein moderner und auch noch aus heutiger Sicht ungewöhnlicher Bau. „Behrens wollte mit seinem Entwurf den Zweck des Gebäudes äußerlich ablesbar machen. Deshalb wählte er einen Gebäudekubus mit einer von Pfeilern getragenen Vorhalle als Feierhalle. Seitlich angefügt steht wie ein Campanile, also ein Glockenturm, der Schornstein. „Vornehme Einfachheit bei möglichst kostengünstigen Materialien war die architektonische Zielsetzung“, erklärt LWL-Denkmalpflegerin Danae Votteler.

Ursprünglich waren die Fassaden mit weißen Marmorplatten und schwarz-grünen Natursteineinlagen versehen. Und unverkennbar war spätestens hier sein gestalterisches Vorbild, das Behrens in den Florentiner Kirchen der Renaissance fand. Der äußerlich nicht mehr erhaltene Schwarz-Weiß-Kontrast lässt sich im Inneren noch erleben.

Geometrische Gestaltungen aus Rechtecken, Kreisen und antiken Ornamenten überziehen die Wände. Höhepunkt des sakral wirkenden Innenraums ist das goldgrundige Mosaik in der Apsis.

„Eine Außenbesichtigung und ein Spaziergang über den Friedhof lohnen allemal. Hier befindet sich auch das Grab des Hagener Bürgermeisters Cuno, für den Peter Behrens an der Haßleyer Straße 35 ein ebenfalls bedeutendes Villengebäude baute, das heute als Kindergarten genutzt wird“, empfiehlt Votteler.

Modernste Villa

Die Villa Cuno wurde um 1910 errichtet. Das Besondere an ihr: der weitgehende Verzicht auf Fassadenschmuck. Die von Osthaus bei Behrens in Auftrag gegebene Villa des Oberbürgermeisters Cuno war seinerzeit – gestalterisch betrachtet – das modernste Einfamilienhaus Westfalens. Stilistisch verweist es bereits auf die 1919 in Weimar gegründete Design- und Architektur-Hochschule „Bauhaus“, deren 100. Geburtstag in mehreren deutschen Städten, auch in Hagen, gefeiert wird.

Unlängst wurde hierzu im Hagener Kultur- und Weiterbildungsausschuss eine „Programmskizze“ vorgelegt.