1976, als der Wk aus der Taufe gehoben wurde: Eine kleine Zeitreise

Hagen. (ME) Vor 40 Jahren erschien erstmals der
Wochenkurier. Die erste Ausgabe war ein dünnes Blättchen, das sich – von den
meisten Hagenern unerwartet – an einem Donnerstag überall in den Briefkästen
oder Hausfluren befand.
Für viele Hagener war diese Neu-Erscheinung sicherlich nur eine Randnotiz
wert, gab es doch in der Ära von Oberbürgermeister Rudolf Loskand ganz andere
Dinge, die im Fokus des Interesses standen.
Andere Sorgen
So hatten viele Hohenlimburger – im Gegensatz zu den Garenfeldern, Berchumern
und Dahlern – immer noch nicht die am 1. Januar 1975 erfolgte Eingemeindung
verschmerzt und versuchten 1976 mit Hilfe von Prozessen, den Vorgang rückgängig
zu machen.
Zweitens ächzte Hagen immens unter der Last diverser Firmenschließungen. Sie
kosteten Tausende Arbeitsplätze.
Drittens wurde den Bürgern immer deutlicher klar, dass sich die Zeiten wieder
einmal gewaltig zu verändern begannen. Zu den Stichwörtern, die den sich
abzeichnenden Wandel vor Augen führen, zählen beispielsweise:
Computer (der „Apple 1“ war als quasi erster PC, also als persönlicher
Computer, just vorgestellt worden),
Container (dieser 1956 erfundene Frachtbehälter begann in 70er Jahren, immer
intensiver den Welthandel zu revolutionieren),
die verbesserte Bildungslandschaft mit zahlreichen neuen Universitäten (wozu
auch die Gründung der Hagener Fernuni zählt) und Fachhochschulen sowie mit dem
neuen Schultyp „Gesamtschule“.
Doch die Hauptsorge galt den Arbeitsplätzen. Waren zunächst unter anderem die
Gussstahlwerke Wittmann und die Hasper Hütte (Klöckner) betroffen (mit insgesamt
weit über 6000 Mitarbeitern), traf es 1976 das Eckeseyer Zweigwerk der
Stahlwerke Südwestfalen an der Reihe. Der letzte Eckeseyer Stahlabstich erfolgte
im März 1976.
Die Stadt Hagen hatte sich zu Beginn der 1960er Jahre ein Rathaus bauen
lassen, dessen Ratssaal an Stahlträgern aufgehängt war; hiermit sollte für
jedermann sichtbar Hagen als „Stadt des Stahls“ symbolisiert werden. Doch diese
Ära neigte sich nur zehn Jahre nach dem Rathaus-Neubau in Teilen bereits dem
Ende entgegen.
Lennetal-Ausbau
Vor diesem Hintergrund wirkt es geradezu „niedlich“, wenn man erfährt, dass
im riesigen Lennetal auf einem rund 465 Hektar großen Gewerbegebiet nach dem
Vollausbau dauerhaft etwa 4.500 neue Arbeitsplätze entstehen sollten. Den ersten
Spatenstich nahm Oberbürgermeister Loskand am 9. Juni 1976 vor. Die Konzeption
eines ‚Gewerbeparks‘ mit viel Grün sorgte für die Attraktivität des Gebietes,
aber auch für viel Flächenverbrauch.
Bevor Loskand per Bagger den ersten „Stich“ vornehmen konnte, musste die
Lenne in ein neues Bett verlegt werden. Bis zu diesem „Bett-Bau“ floss die Lenne
noch viel, viel stärker als heute in S-Kurven („Mäander“) nach Norden zur Ruhr;
die Verlegung des Lenne-Bettes ging mit der Erschließung des Areals einher.
(Fortsetzung folgt)