2013 lehrte Landwirte das Fürchten

Iserlohn/MK. (clau) „Getreide so gut und so viel wie nie – Grünland und Maissilage sehr unterschiedlich“, lautet in knappster Form die Bewertung des Erntejahres 2013. Genaueres hatten Landwirte aus dem Märkischen Kreis Anfang letzter Woche in Halingen zu berichten.

Schwein gehabt! Mit 120 Sauen und zwei Ebern züchtet die Familie Ammelt in Halingen jährlich rund 3000 Ferkel: Fleisch in und für die Region. Nummer 0885 scheint sich im Stroh auf jeden Fall sauwohl zu fühlen. (Foto: Claudia Eckhoff)
Schwein gehabt! Mit 120 Sauen und zwei Ebern züchtet die Familie Ammelt in Halingen jährlich rund 3000 Ferkel: Fleisch in und für die Region. Nummer 0885 scheint sich im Stroh auf jeden Fall sauwohl zu fühlen. (Foto: Claudia Eckhoff)

Auf dem Bauernhof der Familie Ammelt traf man sich zum traditionellen Erntegespräch des Landwirtschaftlichen Kreisverbandes Märkischer Kreis. Hier gaben der Vorsitzende Günter Buttighoffer und sein Stellvertreter Ulrich Brinckmann einen Gesamtüberblick über Ernteverlauf und Erträge bei Grünland und Getreide im Märkischen Kreis. Seit neun Jahren finden solche Gespräche jährlich auf einem immer anderen Betrieb in einer immer anderen Region des Kreisgebietes statt. Jedes Mal wird ein Betrieb ausgewählt, der eine andere Ausrichtung hat. Der Hof der Ammelts in Halingen setzt auf Schweinezucht. Hans-Georg Ammelt verkauft seine Ferkel an Mäster in der Region. Zum diesjährigen Erntegespräch öffnete er seinen Stall und informierte zu den aktuellen Anforderungen an die Schweinehaltung mit dem Schwerpunkt „Tierwohl“.

Ein endlos langer Winter

Der letzte Winter schien endlos zu sein. Selbst Günter Buttighoffer kann sich nicht erinnern, schon einmal einen so langen Winter erlebt zu haben. „Die Felder waren nur braun“, blickt er zurück auf den Frühling, der lange keiner werden wollte. „Man fragte sich schon, ob es nie wieder grün werden würde. Erst 14 Tage später als sonst setzte die Vegetation ein. Den ersten Grasschnitt konnte wir erst am 30. Mai machen.“

Erstaunlich: Die Menge stimmte trotzdem. Die Qualität sah erst hervorragend aus, stellte sich bei genauerer Untersuchung aber als minderwertiger als im Vorjahr heraus.

Die Folgen der Dürre

Nach dem Endlos-Winter, folgte bald die Sommerdürre. Der zweite und dritte Schnitt fielen deshalb regional sehr unterschiedlich aus, je nachdem wo ein Schauer niedergegangen war und wo nicht. Manche Landwirte haben eher Grasspitzen gekappt als tatsächlich gemäht.

Das hat Auswirkungen auf die Milchmenge und -qualität. Wo das Grundfutter fehlt, muss spätestens gegen Ende des nächsten Winters zugekauft werden. Das kostet.

Besonders gelitten hat der Mais. Vielerorts ist es gar nicht erst zur Kolbenausbildung gekommen. Regionalabhängig fällt die Ernte hier von „sehr gut“ bis „schlecht“ aus. Auch den Kartoffeln ist die Wetter-Achterbahnfahrt gar nicht bekommen. Ihre Früchte blieben klein.

Milch bis ins ferne China

Günther Buttighoffer will sich nicht beklagen: „Wir jammern hier auf hohem Niveau“, sagt er. „Ich will gar nicht an die hochwassergeschädigten Kollegen in Ostdeutschland und in Bayern denken, die zum Teil ganze Herden erschießen mussten, weil die Tiere bis zum Hals im Wasser standen.“

Die Landwirte im Märkischen Kreis freuen sich über die zur Zeit sehr guten Schlachtviehpreise und über den deutlich gestiegenen Milchpreis. Er erlaubt es ihnen, zu investieren oder Rücklagen zu bilden. Die Milchwirtschaft boomt. Nicht zuletzt wegen einer gewaltigen Nachfrage aus China. Die Globalisierung reicht bis zur Melkmaschine.

Schlachtindustrie in Monopolistenhand

Der Iserlohner Schweinemäster und stellvertretende Kreisverbandsvorsitzende Ulrich Brinckmann staunt über die letztlich guten Ernteerträge: „Erst tat sich lange nichts. Wir haben gedüngt und gewartet. Täglich sind wir auf die Felder gefahren und haben nachgeschaut, ob nicht die Vegetation endlich einsetzt. – Und dann hat die Natur doch noch alles aufgeholt, fast wie über Nacht. Jedes Jahr ist eben anders und immer voller Überraschungen.“ Er hat seine Scheune so voll wie noch nie. Auch der Schweine-Export brummt. Das Preisniveau ist hoch, der Markt gefühlt voll. Immer mehr bestimmen aber einige wenige Monopolisten in der Schlachtindustrie die Preise.

Sauwohl bei Ammelts

Auf dem Hof Ammelt in Halingen ist die Welt noch in Ordnung. Der 1791 erbaute Hof mit buntem Bauerngarten liegt idyllisch mitten im Dorf und wird in siebter Generation von der Familie betrieben. Hier bringen 120 Sauen und zwei Eber jährlich etwa 3.000 Ferkel hervor. Alle 14 Tage holt sich ein Kalthofer Mäster 120 Tiere ab, die später in Unna geschlachtet werden. „Hier bleiben das Fleisch auf kurzen Wegen in der Region“, sagt Hans-Georg Ammelt. Er bebaut 75 Hektar Ackerland, hält 400 freilaufende Hühner und erzeugt Sonnenstrom. „Es ist die Vielfalt, die mir Freude macht“, sagt er. „Zudem puffert sie Marktschwankungen ab und streut für uns die Risiken.“

Der Gang durch den Stall zeigt, wie wohl sich offenbar seine Tiere auf dem vielseitigen familiären Hof fühlen.