30 Jahre Krieg

Von Michael Eckhoff

Hagen. Das Mittelalter begann um das Jahr 500 und endete 1.000 Jahre später. In dieser langen Zeit wurden in Mitteleuropa über 20.000 Burgen gebaut. In einer Serie stellt der wochenkurier die mittelalterlichen Wehrbauten und Adelssitze des Hagener Raums vor – auf eine besondere Geschichte blickt die „Wallanlage Hohensyburg“ zurück, die Sigiburg. Sie steht im Zusammenhang mit den Sachsenkriegen Karls des Großen, was einer ausführlicheren Beschreibung bedarf:

Bereits in der vergangenen Woche hat der wochenkurier geschildert, dass es sich bei der Sigiburg um eine im Jahr 775 von den Sachsen genutzte „Festung“ handelte. Sie wurde in jenem Jahr von fränkischen Truppen unter deren König Karl – dem späteren Kaiser Karl den Großen – erobert. Die Eroberung wird in den Reichsannalen beschrieben. Mit dieser Erwähnung taucht unsere Region zum ersten Mal in der Geschichtsschreibung auf. Allerdings liegen nur Berichte von fränkischer Seite vor. Die Sachsen konnten uns nichts überliefern – sie besaßen keine Schriftsprache.

Kriegsbeginn 772

Generell wissen wir über die Zeit vor 775 in Westfalen sehr, sehr wenig. Von den Franken werden zwar immer wieder kriegerische Auseinandersetzungen mit den Sachsen im Grenzland zwischen Lippe und Ruhr erläutert, doch wie alles genau ablief, ist unbekannt. Was wir wissen: dass der damals noch junge König Karl offenbar die Nase von den sächsischen Vorstößen voll hatte und deshalb „aufräumen“ wollte. Los ging’s im Jahr 772. Sein Vorstoß richtete sich zunächst gegen die Eresburg – diese Anlage befand sich auf jenem Berg, auf dem heute der recht sehenswerte Ort Obermarsberg im hinteren Sauerland zu finden ist.

Der Berg war bedingt durch seine günstige Grenzlage in den Folgejahren mehrfach hart umkämpft. Denn Karls erster Vorstoß reichte keinesfalls aus, die Sachsen in die Knie zu zwingen. Angeblich befand sich auf der Eresburg – oder in ihrer Nähe – auch ein germanisches, also heidnisches Heiligtum, die Irminsul. Wobei nicht klar ist, was man sich darunter überhaupt vorzustellen hat. Sei’s drum, jedenfalls wurde diese Irminsul in (oder nahe) der Eresburg gleich im Jahr 772 von den christlichen Franken zerstört. Überdies beauftragte König Karl wenig später den Fuldaer Abt Sturmius mit der Missionstätigkeit in diesem Raum und wies ihm die Eresburg als Stützpunkt zu. Überliefert ist zudem, dass Karl der Große auf der Eresburg 784/785 überwinterte, hier Ostern feierte und auf dem Berg (eventuell an der Stelle des ehemaligen sächsischen Heiligtums) eine Petrus-Kirche errichten ließ. Papst Leo III. soll im Jahre 799 auf seinem Weg nach Paderborn an dieser Kirche gewesen sein. Archäologisch scheint die Existenz dieses Gotteshauses nachgewiesen zu sein.

Rund 30 Jahre

Schlussendlich dauerten die Auseinandersetzungen zwischen Franken und Sachsen rund drei Jahrzehnte an. Immer wieder flackerten Revolten gegen die Franken auf. Anfangs tat sich hierbei ein Mann besonders hervor: Herzog Widukind. Ferner stand ein Ort immer wieder im Mittelpunkt, nämlich die Stelle, an der die Pader entspringt, sprich: Paderborn. Hier schuf Karl eine Pfalz, also gleichsam eine besondere Verteidigungsanlage – Karlsburg genannt. Die fränkischen Bemühungen, die sächsischen Aufstände einzudämmen, gingen schon recht früh einher mit dem Versuch, die Sachsen zu christianisieren. Es kam bald zum Bau erster Missionskirchen, zur Gründung von Klöstern und zur Einteilung des „Sachsenlandes“ in Bistümer.

Fortsetzung folgt …