40 Jahre Fernuni

Hagen. Die Hagener Fernuniversität – die bestbesuchte Hochschule im Land – ist 40 Jahre alt. Seit ihrer Gründung stellt sie in Deutschland eine beachtliche Innovation dar. Ist sie aber auch eine Bereicherung für unsere Volmestadt, die sich ja offiziell immerhin „Stadt der Fernuniversität“ nennt? Dieser Frage geht – auf Bitten des Wochenkurier – die Kommunalpolitikerin Helga Heukeroth nach.

Sie schreibt:

Seit 40 Jahren ist Hagen der Standort der einzigen deutschen Fernuniversität. Wurde die Uni anfangs belächelt, ist sie heute als Deutschlands größte Hochschule nicht mehr aus der mitteleuropäischen Bildungslandschaft wegzudenken. Mittlerweile darf sich Hagen sogar offiziell „Stadt der Fernuniversität“ nennen, was sich beispielsweise auf den Ortseingangsschildern zeigt. (Foto: Wochenkurier-Archiv)
Seit 40 Jahren ist Hagen der Standort der einzigen deutschen Fernuniversität. Wurde die Uni anfangs belächelt, ist sie heute als Deutschlands größte Hochschule nicht mehr aus der mitteleuropäischen Bildungslandschaft wegzudenken. Mittlerweile darf sich Hagen sogar offiziell „Stadt der Fernuniversität“ nennen, was sich beispielsweise auf den Ortseingangsschildern zeigt. (Foto: Wochenkurier-Archiv)

1974 verabschiedete der nordrhein-westfälische Landtag auf Betreiben des damaligen Wissenschaftsministers Johannes Rau das Gesetz zur Errichtung einer Fernuniversität des Landes in Hagen. Zwar hatte die Stadt Hagen eigentlich eine Präsenzuniversität – also eine „normale“ Uni – haben wollen, jedoch den Zuschlag hierfür nicht bekommen.

Die Fernuni feierte 2015 in und mit der Stadt vierzig erfolgreiche Jahre. Neben der Freude und dem Stolz, diese Universität in der Stadt Hagen beheimaten zu können, stellt sich aber auch die Frage, welche Auswirkungen die Universität vor Ort auf das Leben in der Stadt hat.

Reformen gefordert

Bereits seit 1967 hatten besonders die Studentinnen und Studenten Reformen des Hochschulsystems gefordert. Dies führte nicht nur zu Diskussionen über inhaltliche und strukturelle Veränderungen in bestehenden Hochschulen, sondern es wurde die Bildungslandschaft in der Bundesrepublik insgesamt unter einem neuen Blickwinkel betrachtet.

Die Gründung von Gesamthochschulen, eine Öffnung der Hochschulen für „alle“ Interessierten – auch ohne Abitur – und entsprechend reformierte Studiengänge mit erhöhtem Praxisbezug wurden diskutiert.

In Hagen waren in dieser Zeit die Pädagogische Hochschule („PH“ im Hohenhof) und die Fachhochschule Hagen mit verschiedenen Abteilungen (Bauwesen, Maschinenwesen, Sozialarbeit) an unterschiedlichen Standorten ansässig. Hier wurde anerkannt gute Arbeit geleistet, so dass sich die Lehrenden und die Verwaltungsexperten der Stadt Hagen in die Diskussion um einen Standort für eine Präsenzuniversität mit Hoffnung und viel Engagement einbrachten.

Andere Lösung

Die vom Land getroffenen Lösungen waren andere. Die Abteilungen der Fachhochschule gingen in der Märkischen Fachhochschule (heute: Fachhochschule Südwestfalen) mit dem Hauptsitz in Iserlohn auf, die Pädagogische Hochschule wurde in die Dortmunder Gesamthochschule integriert.

U.a. der damalige Landtagsabgeordnete Dr. Dieter Haak (SPD) sowie viele Lehrende, Lernende und Menschen aus der Hagener Politik und Verwaltung hatten sich intensiv für eine Präsenzuniversität auch in der Volmestadt eingesetzt. Möglicherweise kam das hohe Engagement in der Stadt zu spät.

Andere Stimmen äußerten, dass Hagen von Beginn an keine Chance gehabt hätte, da die Entscheidung eine Gesamthochschule im Jahre 1972 in Wuppertal zu gründen, mit dem Wohnsitz der Familie Rau zusammen hängen könnte. Fakt ist sicher auch, dass es im Umfeld von Hagen schon eine beachtliche Hochschuldichte gab (und nach wie vor gibt).

Welche Auswirkungen die Entscheidung zur FH/PH-Schließung bzw. die Integration der in Hagen bestehenden Institutionen in andere Bildungsstätten auf das Leben und das „Bewusstsein“ in Hagen hatte, kann man nur mutmaßen. Es fehlte sehr schnell studentisches Leben rund um den Hohenhof, junge Menschen wechselten z.T. den Wohnort hin zu anderen Studienstädten, um dort vor Ort präsent zu sein. Die Bildungslandschaft Hagens musste neu geplant werden. Die Verwaltung der Stadt unter Oberbürgermeister Loskand nahm die Herausforderungen auf.

Heftiger Umbruch

Hagen befand sich zu der Zeit in einer heftigen Umbruchphase. Mehrere Industriebetriebe, z.B. die Hasper Hütte der Klöckner-Werke und das Stahlwerk in Eckesey, gingen der Stadt verloren, zugleich bemühten sich die „Stadtväter und -mütter“, den Umbruch zu gestalten, neben der Qualitätsentwicklung im Rahmen der Planungen im Gewerbebereich auch Qualitätsverbesserungen im Wohn- und Handelsbereich zu schaffen. Hiervon zeugt u.a. die Entwicklung des Gewerbegebietes im Lennetal.

Die Gründung der FernUniversität in Hagen, beschlossen im Jahre 1974, bot neuen Raum für Engagement und eine Möglichkeit im Rahmen der (neuen) Qualitätsentwicklung und für Innovationen in Hagen.

Wird fortgesetzt …