A 45: Lennetalbrücke wird erst 2019 fertig

Hagen. (hc) Die Autobahn 45 ist die Hauptverkehrsader, wenn
man aus dem Ruhrgebiet in Richtung Süden unterwegs ist. Doch ein großes Problem
sind die maroden Brücken. Es herrscht ein riesiger Sanierungsbedarf, Politik und
Straßenbauverwaltung gehen das Thema mit Hochdruck an.
Eines der ersten Projekte ist der Neubau der ­Lennetalbrücke. 1000 Meter
lang ist das Bauwerk, das täglich Tausende von PKW und LKW aushalten muss. Nach
jahrzehntelanger immenser Belastung war klar – hier ist keine „Flickschusterei“
mehr möglich.
Neubau schon fast fertig
Wer von Dortmund in Richtung Hagen fährt, konnte beobachten, wie rechts von
seiner Fahrbahn der erste neue ­Brückenabschnitt entstand.
Fast ohne große Einschränkungen für den laufenden Verkehr wurde dieses
Teilstück gebaut. Nun fehlen nur noch 200 Meter Asphalt – doch gerade dieser
Abschnitt macht Michael Neumann, Projektleiter, momentan die größten Probleme.

Umschwenkung verzögert sich
Eigentlich sollte noch vor Weihnachten der Verkehr von der alten Brücke auf
das neue Teilstück umgeleitet werden. Dann hätte man mit dem Abriss der alten
Konstruktion beginnen können.
Doch das kalte Wetter macht den Bauleuten einen Strich durch die Rechnung.
Aber Not macht erfinderisch. Mit einem Gebläse wird versucht, die Brücke auf 8
Grad aufzuheizen, damit die Oberfläche aufgetragen werden kann.
„Das ist auch für uns ein Lernprozess gewesen“, erklärt Neumann. „So eine
lange Brücke baut man schließlich nicht alle Tage. Wir wollen dem Wetter gerne
ein Schnippchen schlagen.“ Die geplante Umschwenkung, also Umleitung des
Verkehrs, ist für Mitte März geplant, „sofern es keinen ­harten Winter
gibt“, schränkt Neumann die ­Prognose ein.
Vier bis sechs Monate Abrisszeit
Wenn der Verkehr nach der ersten Phase über die neue Fahrbahn rollt, kann mit
dem Abbruch des alten Teils begonnen werden. „Wir werden dann die Brücke
‚abknabbern‘ – mit Baggern“, erläutert der Bauleiter das Vorgehen. Lediglich
über der Lenne und den Bahnschienen wird ein verhältnismäßig ordentlicher Abriss
stattfinden. Dort wird die Brücke zersägt und in Segmenten abtransportiert.
Apropos Bahn: Durch die Verzögerungen muss auch der von den Bauherren
beantragte Zeitraum im Januar verstreichen, in dem die Deutsche Bahn an allen
vier Wochenenden den Zugverkehr für den Abriss eingeschränkt hätte.
„Normalerweise muss man das drei Jahre im Voraus beantragen, und bisher haben
wir es auch immer geschafft, diese Frist einzuhalten. Umso ärgerlicher, dass es
jetzt nicht geklappt hat. Wir hoffen jetzt darauf, im Juli die erneute
Genehmigung zu bekommen“, sagt Neumann.
Für den Abriss veranschlagt der Projektleiter vier bis sechs Monate. Danach
soll direkt an Ort und Stelle in Phase zwei der Bau der Unterkonstruktionen für
die Fahrbahn in Richtung Frankfurt und die endgültige in Richtung Dortmund
begonnen werden.
Querverschiebung
Phase drei beinhaltet ein erneutes Umlegen des Verkehrs auf die Fahrbahn in
Richtung Frankfurt – denn: zwischen den beiden Fahrbahnen wird ein Loch von
ungefähr 18 Metern klaffen. Daher wird der bereits jetzt fast fertiggestellte
Abschnitt querverschoben auf die noch zu errichtende Unterkonstruktion. „Wenn
das geklappt hat, dann war das die größte Querverschiebung eines Bauwerks in
Deutschland“, erklärt Neumann diese Mamutaufgabe.
Erst dann kann der Verkehr wie geplant auf sechs Spuren laufen. Als grobe
Einschätzung für die Fertigstellung des Projekts gab Neumann die „vorsichtige
Prognose des dritten Quartals 2019“ ab.
Rückstand akzeptabel
Derzeit hängen die Arbeiten auf der Lennetalbrücke zirka fünf bis sechs
Monate zurück und werden auch mehr kosten, als bisher geplant. „Aber wir
befinden uns im vorgegebenen Rahmen von plus zehn Prozent“, erläutert Karl-Josef
Fischer, Leiter der Koordinationsstelle für die A45.
„Man muss aber auch einmal ehrlich sagen, dass das alles knallhart kalkuliert
war. Das waren Kampfpreise in einem europaweiten Wettbewerb“, versucht Neumann
den Kostenanstieg zu relativieren.
Alles in allem soll die Brücke die kommenden 50 Jahre den Straßenverkehr von
Nord nach Süd und umgekehrt tragen.