Ab in den blauen Himmel

Von Claudia Eckhoff

Iserlohn. „Ich will fliegen“ – das wissen die Mitglieder des Aero-Club Hagen im tiefsten Innern ihres Herzens unerschütterlich. Sie haben mich eingeladen auf ihren Segelflugplatz in Iserlohn-Sümmern. Ich dürfte auch eine Runde mitfliegen, hatte es geheißen.

Das macht mir etwas Sorge. Ich fürchte mich davor, mich womöglich anzustecken mit dem Fliegervirus. Wer weiß, vielleicht hänge ich anschließend zeitlebens am Haken der stillen Gleiter? Macht die Fliegerei süchtig?

Die Lust am Fliegen

„Ja“, sagt Vereins-Pressesprecher Dirk Jakobs. Der 51-Jährige war schon als Kind aus der Ferne fasziniert von den Fliegern. „Ich bin als Knirps häufig hier vorbeigekommen und habe immer die Segelflieger bestaunt. Unbedingt wollte ich Pilot werden. Es kam dann leider ganz anders. Erst vor drei Jahren habe ich hier endlich meinen ersten Schnupperflug gemacht – und bin nach der Landung mit einem ganz großen Grinsen im Gesicht ausgestiegen!“

Ganz anders kam Alexander Debudaj zur Fliegerei. Sie spielte in seiner Familie schon seit 1920 eine große Rolle. Mitunter eine tragische und fünf Mal sogar eine tödliche. „Meine Mutter wollte mir deshalb das Fliegen verbieten“, erzählt der vierfache Vater. „Aber schon mit 16 Jahren bin ich jedes Wochenende von Bochum nach Sümmern geradelt.“ Die Lust zu Fliegen konnte er während seiner Bundeswehrzeit reichlich ausleben. Heute bleibt nur noch in der Freizeit des Architekten Raum dafür. Aber die Fliegerei begeistert ihn nach wie vor wie kaum etwas anderes. Er ist erster Vorsitzender des Vereins und gibt Flugunterricht nicht nur gleitend auf den Schwingen des Windes, sondern auch im Motorflieger.

Starke Gemeinschaft

Rund einhundert aktive Mitglieder zählt der Aero-Club Hagen. Etwa die Hälfte sind Jugendliche. Mehr als ein Drittel zählt noch zur Gattung der „Flugschüler“, die nur begleitet in die Lüfte aufsteigen dürfen. Die Fliegerei zieht gerade junge Menschen an. Etliche verbringen ihr gesamtes Wochenende auf dem Flugplatz und übernachten auch dort. Der Verein unterhält seit Jahren eine Kooperation mit Schulen in Hagen (Fichte-Gymnasium) und Iserlohn (MGI). Navigation, Technik, Wetterkunde, Thermik – auf „freier Wildbahn“ fasziniert die Physik ganz anders als im Klassenzimmer.

„Wir leben Demokratie. Unsere Mitglieder bilden einen Querschnitt durch die Gesellschaft“, sagt Alexander Debudaj. „Alle zwischen 14 und 80 Jahren sind auf Augenhöhe. Bei uns ist zwar nicht das große Geld zu Hause, aber eine starke Gemeinschaft.“

Wer fliegen will, muss mit anpacken, Arbeiten erledigen, Dienste übernehmen. Von jedem wird erwartet, dass er im Jahr allein 45 „Baustunden“ leistet. Der Weg in den Himmel wird eben keinem geschenkt.

Einfach atemberaubend

Außer mir! Auf der Landebahn klettere ich mit dem Fallschirm auf dem Rücken mühsam wie ein altersschwacher Maikäfer in den tiefen Sitz des Segelfliegers. Man zurrt mich fest. Fluglehrer Carsten Stabenau senkt über uns die Plexiglashaube. Vor uns strafft sich das Seil. Und dann – schießen wir fast senkrecht ins wolkige Blau hinauf. Poah! Da bleibt einem erst einmal die Luft weg! Der so genannte Windenstart sei die sportlichere Aufstiegsart im Vergleich zum Schleppen mithilfe eines Motorflugzeugs, hatte es geheißen. Das kann man wohl sagen! Mir steht das Herz still!

Doch dann sind wir auch schon oben. Die Atmung funktioniert wieder, der Magen beruhigt sich, der Kreislauf entspannt sich. Wir segeln dahin über ein herrliches grünes Land mit gelben Rapsfeldern. Über uns und um uns breitet sich ein unglaublicher Himmel aus. Wir segeln zwischen Bussarden durch, könnten fast ihre Federn berühren. Da gibt es nichts mehr zu reden, nur noch zu schauen, zu staunen, zu bewundern…

Wer will’s versuchen?

Als wir nach einer Viertelstunde wieder landen, habe ich es – das große Grinsen. Ob ich will oder nicht, es beherrscht meine Gesichtsmuskulatur und lässt sich nicht verkneifen. Auch nicht, als ich beim „Flugzeug-zurückschieben“ doch mitanpacken muss. Ich gestehe: Das war einfach nur großartig.

Glauben Sie nicht? – Dann versuchen Sie es doch selbst. Schnuppersegelflüge kann jeder buchen. Noch besser: Der Aero-Club Hagen verlost jetzt zwei Segelflüge, einen mit rasantem Windenstart und einen magenschonenderen mit Flugzeugschlepp. Wer es wagen will, muss nur bis Mittwoch, 11. Mai 2016, eine E-Mail senden an redaktion.iserlohn@wochenkurier.de. Bitte als Betreff das Stichwort „Segelflug“ angeben. Name, Adresse und Telefonnummer nicht vergessen. Der Rechtsweg ist ausgeschlossen.

Direkten Kontakt zum Aero-Club Hagen gibt es unter Tel. 02378/ 3416.