Alle lieben Fly

Fly und Leon zeigen die „Häschen“-Übung. Die Beschäftigung mit dem Königspudel motiviert die Kinder während ihrer Stunde bei der Ergotherapie sehr. (Foto: Ricarda Becker)

Herdecke. (ric) Die Königspudel-Hündin Fly ist ein beeindruckendes Tier: Mit 58 Zentimeter Höhe und einem Gewicht von 24 Kilo erscheint sie besonders den Kinder riesengroß. Und doch lieben gerade die Kleinen die sanfte Pudeldame -und sie hilft ihnen, jeden Tag. Denn Fly ist ein Therapiehund.

Mit ihrer Besitzerin, der Herdecker Ergotherapeutin Susanne Hutzler, hat die zweijährige Hündin im Juni die Ausbildung zum Therapiehund abgeschlossen. Ein halbes Jahr lang fuhren die Beiden regelmäßig ins Münsterland, um dort an Seminaren teilzunehmen, Wesens- und Eignungstests zu absolvieren und alles zu lernen, was ein erfolgreicher Therapiehund können muss.

Viele Vorteile

„Dabei umfasste die Ausbildung der Hündin aber noch viel mehr“, erklärt Susanne Hutzler. „Von klein auf, also schon als Welpe, war Fly in der Praxis dabei. Schließlich musste sie sich an die Patienten gewöhnen; viele neue, fremde Leute kennen lernen und sich an den Alltag hier in der Praxis gewöhnen.“ Dass die Herdeckerin Hunde in der Therapie unterstützend einsetzen wollte, war ihr schon früh klar. „Mit acht Jahren bekam ich meinen ersten Hund. Später hatte ich auch ein Pferd und lernte in diesem Zusammenhang tiergestützte Therapien kennen und lieben.“

Denn die Vorteile von Tieren in Behandlungen liegen klar auf der Hand: „Flys Anwesenheit wirkt einfach beruhigend. Gerade Menschen, die sonst eher hyperaktiv und nervös sind, finden so schnell die Balance. Außerdem gibt die bloße Hundeanwesenheit eine gewisse Struktur. Sie machen es leicht, sich an Regeln zu halten“, weiß Susanne Hutzler und fügt hinzu: „Habe ich es andererseits mit scheuen, schüchternen Kindern zu tun, unterstützt Fly das Gespräch. Der Hund ist ein gemeinsamer Nenner, über den man reden muss, wenn man ihn verstehen will.“

Alle lieben Fly

Und nicht zuletzt wirkt Fly als tolle Motivation und Belohnung. Kleine Spiele und Streicheleinheiten gehören einfach mit dazu, besonders nach einer anstrengenden Übung. Wie gut Fly das macht, zeigt ihr kleiner Patient Leon: Mit Feuereifer ist er dabei, lässt die Hündin Männchen machen, streichelt und beobachtet sie.

Auf das Kommando von Leon und Ergotherapeutin Susanne Hutzler springt Fly durch einen Reifen. (Foto: Ricarda Becker)

Die Patienten haben verschiedenste physische oder psychische Erkrankungen. „Schlaganfallpatienten streicheln Fly zum Beispiel mit der betroffenen Hand – das ist für sie ausgesprochen anstrengend. Außerdem können die Bewegungen sehr ungewöhnlich sein. Fly muss da ruhig bleiben.“

Die Voraussetzungen

Deshalb spielt der Charakter eines Therapiehundes eine zentrale Rolle: „Ausgesprochen freundlich muss er sein und absolut gehorsam. Sie müssen sehr tolerant sein, dürfen kein Aggressionspotential haben und sollten Stress aushalten können. Vor allem aber müssen sie gesund sein.“ Daher besucht Fly auch regelmäßig den Tierarzt. Dieser stellt alle drei Monate ein großes Gesundheitszeugnis aus.

Und wie kam Susanne Hutzler ausgerechnet auf Königspudel? „Diese Rasse ist total gelehrig, lernt schnell und ist unglaublich freundlich“, zählt die Herdeckerin auf. Ein weiterer Vorteil: Die eleganten Hunde verlieren keine Haare. Ein Vorteil, der sich nicht nur in der Praxis bezahlt macht, sondern auch bei Hausbesuchen. Die Königspudel-Dame ist einfach überall willkommen.

Und wie beliebt Fly ist, zeigt sich dann auch an Leon: Der will sich nämlich am Ende seiner Stunde kaum von dem braunen, sanften Riesen trennen – und das, obwohl ein toller Sommerurlaub auf ihn wartet.