Aus dem Staub gemacht

SonnTalk – Von Claudia Eckhoff


Wenn jemand 17 wird, steht der Führerschein an. Und das bedeutet: Es geht
ans Eingemachte. Manch einer muss sogar den ganz langen Löffel rausholen, um die
letzten Reste aus seinem über Jahre gemästeten Sparschwein zu kratzen. Und wenn
es dann dem Prüfer am Ende nicht reicht und er noch einen Nachschlag an Stunden
verlangt und eine zweite Prüfungsgebühr fällig wird, steht manch ein
Führerscheinanwärter finanziell schnell an der Notrufsäule.

Ach ja, andere Länder andere Sitten. In Südafrika – so hört man – fahren
die Leute wie die berühmten gesenkten Borstentiere, regellos, unberechenbar und
gemeingefährlich.

Warum? Haben die denn keinen Führerschein? – Doch. Schon. Aber anders
eben. Wie soll man sagen? Die haben zwar so einen Lappen, aber das heißt nix.
Weil… ja weil, man den kriegt, ohne irgendeine Fahrschule besuchen zu müssen.
Das rein praktische Fahren lernt man mit einer Person des Vertrauens, die es
schon kann, auf Staubpisten oder Nebenstrecken. Da kurvt man im Sande herum, bis
man‘s halt kann.

Wenn man meint, man ist fit für den Verkehr, geht man zum Amt und holt
sich die Prüfungsunterlagen ab. Da die jedes Jahr gleich aussehen und das auch
jeder weiß, kann man die paar nötigen Antworten vorher schon auswendig lernen.
Nachprüfungen kommen daher eigentlich nie vor. Bezahlen? – Ja bezahlen muss man
auch in Südafrika: So umgerechnet 50 Euro Gebühr nimmt die Behörde für die
Bearbeitung und für die Erstellung des Führerscheins. Und dann? Ja, dann geht’s
ab auf die Straße.

Die öffentlichen Busse – mies, überfüllt, stickig, gefährlich,
unzuverlässig und überhaupt fast nie von hellhäutigen Menschen genutzt – bleiben
da glatt in einer Staubwolke hinter den Autos der weißen Mitbürger zurück. Ja,
so ist das in Südafrika. Auch heute noch.

Schönen Sonntag.