Ausstellung: Der frühe Schumacher

Von Michael Eckhoff

Hagen. Im „Roten Haus“ an der Neumarktstraße 2c gab es in den letzten zehn Jahren schon so manche hochkarätige Kunstausstellung. Aber die, die jetzt am kommenden Freitag um 19 Uhr eröffnet wird, toppt alle vorherigen. Gezeigt wird – anlässlich seines bevorstehenden 100. Geburtstages – der „frühe, gegenständliche Schumacher“. Der Gast wird zum Teil mit Werken konfrontiert, die noch nie auf einer Ausstellung zu sehen waren.

Rechtsanwalt Wolfgang Zwiehoff und Kunsthistorikerin Petra Holtmann haben eine schier sensationelle Schau auf die Beine gestellt: Kurz vor Emil Schumachers 100. Geburtstag zeigen sie im Roten Haus an der Neumarktstraße 50 „frühe“, fast durchweg gegenständliche Bilder des weltberühmten Künstlers. Darunter sind sogar Werke aus den 1930er Jahren und aus der Zeit um 1945. (Foto: Michael Eckhoff)

Über Emil Schumacher in Hagen zu schreiben, heißt eigentlich Eulen nach Athen tragen zu wollen. Schließlich existiert seit 2009 „sein“ Museum, wo das Andenken an ihn – und damit an einen der bedeutendsten deutschen Maler der Nachkriegszeit – gepflegt wird. Doch, halt, stopp! Im Emil-Schumacher-Museum wird vorrangig der „spätere“, der abstrakte Schumacher gezeigt. Man sieht also jene Werke, die ihn weltberühmt gemacht haben. Und für die er von Japan bis New York bewundert wird. Doch auch ein genialer Künstler wie Schumacher fiel ja nicht vom Himmel, natürlich hat er eine Vorgeschichte. Auch er hat mal „klein“ angefangen. Im Roten Haus – und das ist das Sensationelle – sind mehrere Werke aus der Zeit um 1932 zu sehen und insbesondere Bilder aus der frühen Nachkriegszeit (um 1945/48).

Am Anfang seiner künstlerischen Karriere

1932 war Schumacher gerademal 20 Jahre alt und stand ganz am Anfang seiner künstlerischen Karriere. Damals hatte er in Dortmund ein Studium an der 1904 gegründeten Handwerker- und Kunstgewerbeschule gestartet. Die Schule, später: Werkkunstschule Dortmund, war eine Ausbildungsstätte für Kunsthandwerker und Künstler, später auch für Designer, Innenarchitekten und Architekten. Hier lernte Schumacher nicht nur das künstlerische Rüstzeug, sondern auch zahlreiche grafische Techniken kennen. Genau diese Kenntnisse fließen in zahlreiche – fast durchweg gegenständliche – Werke ein, die jetzt im Roten Haus zu bestaunen sind. Von Lithos über farbige Holzschnitte bis hin zu Linolschnitten spannt sich der Bogen.

Aktstudien sind darunter. Zeichnungen mit Ansichten aus dem Hagener Raum. Auch sehr private Darstellungen. Da sehen wir beispielsweise die kranke Ehefrau im Bett, einen alten Mann aus der Wehringhauser Nachbarschaft, einen Jungen aus dem Freundeskreis und immer wieder Blumenbilder. Und wir finden Bilder vor, in denen sich Schumacher mit dem Krieg und seinen Folgen auseinandergesetzt hat – etwa wenn er ausgemergelte Hagener beim Holzsammeln zeigt. Ein weites Feld des „frühen Schumacher“ stellt überdies die Auseinandersetzung mit Werken der Weltliteratur dar. Da offenbart sich ein Schumacher, wie man ihn kaum für möglich gehalten hat.

Dass Petra Holtmann, die für diese einzigartige Schau zuständige Ausstellungsmacherin, die Hagener Kunstfans mit genau 50 „frühen“ Schumachern im „Roten Haus“ beglücken kann, ist einer Begegnung zu verdanken, die ins Jahr 1945 datiert. Damals lernte ein junges Hagener Ehepaar den noch völlig unbekannten Wehringhauser Künstler kennen. Und da die „Chemie“ stimmte, entwickelte sich aus der ersten Begegnung bald eine innigliche Freundschaft, die in so manchen Bilderankauf mündete. Über 70 Werke nannte das junge Ehepaar bald sein Eigen – fast gänzlich aus der gegenständlichen Phase. Die interessantesten und schönsten Bilder aus dieser Privatsammlung wurden jetzt für die Schau im Roten Haus ausgesucht – und sind somit in einer Zusammenfassung zu bestaunen, wie sie weltweit noch nie zu sehen war.

Was man noch wissen muss

Die Bilder der Ausstellung „Von vorn anfangen – frühe Arbeiten von Emil Schumacher“ hängen im „Roten Haus“ (Kanzlei Rechtsanwälte Stahl, Krafzik & Partner), Neumarktstraße 2c, noch bis zum 20. September 2012 (geöffnet immer montags bis freitags von 9 bis 17 Uhr).

Zur Einführung spricht am Freitag, 27. April 2012, 19 Uhr: Michael Eckhoff, wk-Chefredakteur und einer der beiden Vorsitzenden des Hagener Heimatbundes.