Barrierefrei in Hagen wohnen

Hagen. (Red./ME) Auch wenn in Hagen absolut gesehen zu viele Wohnungen vorhanden sind, fehlt es insbesondere an bezahlbarem seniorengerechten Wohnraum. Neubauten zu errichten, ist eine Möglichkeit. Im Vordergrund sollte aber – so die Auffassung der Stadt Hagen – die Anpassung bestehenden Wohnraums stehen, um einen weiteren Flächenverbrauch in Randlagen mit schlechter Infrastruktur weitgehend zu vermeiden. Jetzt ist eine „Börse für barrierefreies Wohnen“ geplant, um Angebot und Nachfrage besser ausloten zu können.

Die Schaffung von altersgerechten Wohnungen ist vor dem Hintergrund des demografischen Wandels eine der zentralen Herausforderungen für die Immobilienwirtschaft. Der barrierefreie bzw. -arme Umbau im Bestand ist deshalb dringend notwendig.

Nur ein Prozent

Sie haben eine "Hagener Börse für barrierefreies Wohnen" aus der Taufe gehoben (v.l.): Carsten Wendt (Mieterverein Hagen e.V.), Torsten Heumann (Wirtschafts- und Servicegesellschaft des Handwerks mbH), Klaus Völk (Haus und Grund Hagen und Umgebung e.V.) sowie Jutta Kurnoth und Richard Matzke (beide Stadt Hagen). (Foto: Michael Eckhoff)

Lediglich knapp ein Prozent des Wohnraums ist in Deutschland nach Feststellung des Bundesverbands Freier Immobilen- und Wohnungsunternehmen seniorengerecht, das sind nur etwa 400.000 Wohnungen. Nach Einschätzungen von Marktexperten sind bis 2020 mindestens 800.000 weitere Wohnungen notwendig. „Wenn es durch geeignete Fördermaßnahmen gelingt“, so die Verbände in dem Positionspapier, „nur 100.000 Wohnungseinheiten altersgerecht anzupassen, können Aufwendungen für die Pflegeversicherung in Höhe von zwei Milliarden Euro jährlich eingespart werden.“

Was noch dazu kommt: Ältere Menschen verbringen 80 Prozent ihrer täglich verfügbaren Zeit in der eigenen Wohnung, mehr als doppelt so viel wie bei jüngeren. In noch nicht einmal 20 Jahren wird aber in Deutschland jeder Dritte älter als 60 Jahre sein.

Bereits 23 Prozent älter als 65

Und wie sieht es konkret in Hagen aus? 2009 waren rund 22,8 Prozent der Hagener Bevölkerung 65 Jahre und älter. Von den rund 105.000 Wohnungen existieren 77,3 Prozent in Mehrfamilienhäusern. Größere Vermietungsprobleme bestehen aktuell in Stadtteilen, die nahe der ehemaligen Produktionsbetriebe der Schwerindustrie oder an stark befahrenen Straßen liegen, wie beispielsweise Eckesey (B 54) oder Wehringhausen (B 7).

Das Überangebot an Wohnungen besteht vor allem im mehrgeschossigen Bereich. So erreicht der aktuelle Leerstand ungenutzter Wohnungen in Teilen von Hagen inzwischen hohe Quoten von annähernd zehn Prozent (Quelle: LEG-Wohnungsmarktreport NRW 2010).

Die Wohnfläche je Einwohner ist im Durchschnitt vom Jahr 2000 mit 37 qm bis 2009 zwar auf 41 qm gestiegen. Doch im gleichen Zeitraum ist die Hagener Bevölkerung von rund 203.000 auf etwa 190.000 gesunken. Der Wohnungsmarktbericht 2010 der Stadt Hagen betont: „Kinder- und seniorenfreundliche Angebote könnten verstärkte Zuzüge nach sich ziehen. Für seniorengerechtes und familienfreundliches Wohnen sind Flächen in Nähe vorhandener Infrastrukturangebote ideal. (…) Auch sozialpolitisch ist es besser, Senioren (…) nicht an den Stadtrand zu verbannen, sondern sie am leicht erreichbaren gesellschaftlichen Leben weiter teilnehmen zu lassen.“

Besondere Wohnbedürfnisse betreffen allerdings nicht nur ältere Menschen mit Bewegungsbeeinträchtigungen, sondern Personen jeden Alters. Barrierefreies Wohnen (z.B. keine Stufen, breitere Türrahmen, ebenerdige Dusche) erleichtert – z.B. im Falle eines Beinbruchs – auch den Alltag eines Jüngeren. Das heißt: Es macht für Hausbesitzer durchaus Sinne, auf diesem Sektor künftig mehr Geld zu investieren. Die nachträgliche Anpassung eines Gebäudes an bedürfnisgerechtes Wohnen kann auch mit Unterstützung der KFW-Bank erfolgen („Programm Altersgerecht Umbauen“).

Beide Seiten zusammenbringen

Hier setzt die Initiative der Hagener „AG Gesunde Stadtentwicklung“ ein. Als beauftragte Arbeitsgemeinschaft der Hagener Gesundheitskonferenz plant die AG eine unentgeltliche Börse“ bis zum Sommer 2011:

Es gibt Wohnungsinteressenten, die barrierefreien Wohnraum suchen, und es gibt Eigentümer, die entsprechenden Wohnraum anbieten bzw. herrichten wollen. Diese beiden Seiten zusammenzubringen, ist eine der aktuellen Initiativen der AG. Darin arbeiten u.a. der Mieterverein Hagen e.V., Haus und Grund Hagen und Umgebung e.V., die Wirtschafts- und Servicegesellschaft des Handwerks mbH sowie weitere Fachleute aus dem Gesundheitswesen und den politischen Vertretungen für Senioren und behinderte Menschen zusammen.

Fragebogen

Wie erfahren nun Anbieter und Interessenten von barrierefreiem Wohnraum voneinander und wer unterstützt Eigentümer in Fragen „barrierefreier Aus-/Umbauten“? Um die geplante „Börse für barrierefreies Wohnen“ durchzuführen, dient ein vorbereiteter, vertraulich behandelter Fragebogen. „Soweit sich Eigentümer oder Wohnungsinteressenten beteiligen möchten, senden sie den Bogen ausgefüllt an eine der genannten Adressen zurück. Von der AG erfolgt keine Überprüfung der Angaben, auch nicht zu deren Aktualität bzw. Verfügbarkeit,“ erläutert AG-Experte Richard Matzke (Stadt Hagen).

Zu erhalten ist der Bogen hier:

  • Mieterverein, Telefon 0 23 31 / 2 04 36 29, Frankfurter Straße 74
  • Haus und Grund, Fax 0 23 31 / 2 21 01, Dahlenkampstraße 5
  • Stadt Hagen, Richard Matzke, Telefon, 0 23 31 / 2 07 24 53, Berliner Platz 22

Bis zum Sommer wird die Möglichkeit geboten, die Anfragen und Angebote einzusehen, um bei Wunsch Kontakt aufzunehmen. Die Arbeitsgemeinschaft möchte mit dieser einmaligen Aktion eine Brücke zwischen Anbietern und Suchenden herstellen. Sollten Eigentümer ihre Immobilie ganz oder zum Teil barrierefrei herrichten wollen, wird hierzu ebenfalls informiert. So werden Hauseigentümer auch zu einem öffentlichen Vortrag eingeladen, der Umbaumaßnahmen sowie damit verbundene finanzielle Fördermöglichkeiten zum Inhalt hat.