Besseres Essen, bessere Noten

Damit sich ein Kind gesund entwickeln kann, braucht es natürlich eine ausgewogene Ernährung, aber im gleichen Maße „Futter“ für die Seele: Zuwendung und Aufmerksamkeit! (Foto: bbs)

Hagen. (meh) Der achtjährige Niklas klappt seine Dose auf. Strahlend nimmt er ein Vollkornbrot heraus – belegt mit Käse, einem knackigen Salatblatt, ein paar frischen Tomaten- und Gürkchenscheibchen, obendrauf ein paar Kräuterkrümelchen. In aller Ruhe und bei einem Glas Mineralwasser genießt der Junge diesen gesunden Pausensnack, den seine Mutter ihm morgens liebevoll zubereitet hat. Zum Nachtisch wartet noch ein kleiner frischer Obstsalat auf ihn… – Bitte…?! – Richtig geraten: Das ist nur ein Märchen! Leider.

Fakt ist: Ungesunde Ernährung steht mittlerweile auf Platz eins der Ursachen für gesundheitliche Beschwerden bei Kindern. Fakt ist auch: Viele Schüler sitzen morgens ohne Frühstück nüchtern im Unterricht. Nach spätestens dreißig Minuten sind sie ausgelaugt, können sich nicht mehr konzentrieren. Die Köpfe sinken buchstäblich auf die Tischplatten, und sie hängen nur noch der Frage nach, wann sie endlich etwas essen können. Was es dann gibt, lässt aus Sicht von Pädagogen und Ernährungsexperten oft sehr zu wünschen übrig: Süßigkeiten, spezielle Kindersnacks mit viel Zucker. Hingegen entdeckt man Nahrhaftes aus Getreide, Obst und Gemüse in viel zu wenigen Schultaschen.

Problem Nummer zwei: Bewegungsmangel. Viele Kinder hängen vorm Fernseher oder Computer, nicht selten bewusst von ihren Eltern dort stundenlang „geparkt“. Spielen, nach draußen gehen, Sport treiben, auf Bäume klettern – viele Kinder kennen das nicht mehr. Allzu oft beklagen Schulen, dass immer mehr Kinder im Grundschulalter nicht schwimmen können. Gehören Zeit für und Unternehmungen mit dem Nachwuchs nicht (mehr) zum familiären „Standardprogramm“? Die Aussagen der Lehrerin Regina Tischler (Name von der Redaktion geändert) scheinen dies zu bestätigen: „Ich komme oft kaum zur Klassenzimmertür herein, weil dort schon eine Traube von Kindern steht, die alle irgendetwas wollen. Etwas erzählen, etwas fragen, etwas zeigen, etwas klären, sich über etwas beschweren… Sie suchen eine Art von Ansprache und Zuwendung, die es offensichtlich daheim zu selten gibt.“

Dabei gehört genau diese „Ansprache“ maßgeblich zur Grundvoraussetzung für eine gesunde Entwicklung unserer Kinder.

Zu viele ihrer Schützlinge aber kämen aus „Bedürfnis-Familien“, in denen jeder einzelne nur sich selber sähe und voll damit beschäftigt sei, die eigenen Wünsche zu befriedigen, so befürchtet die Pädagogin. „Immer mehr Kinder in unserer materiell reichen Gesellschaft sind seelisch komplett verarmt.“

Gemeinsame Mahlzeiten und Unternehmungen? Gute Rituale? – Fehlanzeige! In solchen Familien störe es offenbar, Verantwortung für einander zu tragen, Rücksicht auf den anderen und sich selbst zurück zu nehmen. Nicht selten fehle den Kindern sogar dann die elterliche Unterstützung, wenn sie dringend notwendig wäre beim Lernen, bei den Hausaufgaben oder wenn es sogar schon „brennt“.

Das, was die Kinder und jungen Menschen zu Hause nicht lernen, soll ihnen halt irgendwo anders beigebracht werden. Im Kindergarten? In der Grundschule? In der weiterführenden Schule?

„Wir können nicht den vorgeschriebenen Stoff unterrichten und auch noch erziehen“, spricht Regina Tischler für sich und viele ihrer Kollegen ein deutliches Wort. „So jedenfalls nicht! Wenn wir Lehrer auch noch einen Großteil der elterlichen Aufgaben übernehmen sollen, dann brauchen wir erstens kleinere Klassen und zweitens mehr Personal. Sonst funktioniert das nicht!“

Es geht um Werte

Um Werte geht es. Nicht nur brauchen die Kinder Werte, sondern sie selbst müssen im Wert steigen. „Wenn sie wichtig werden, bemüht sich jeder, sie auch zu fördern, zu unterstützen, ihnen wiederum Werte zu vermitteln. Und das ist die Basis für eine gut funktionierende Gesellschaft!“ so die Pädagogin. „Kinder brauchen Menschen, die ihnen zuhören, die ihnen Zeit geben, etwas zu erzählen, die ihnen eine Hilfe sind bei der Bewältigung von Aufgaben und Problemen, die ihnen durch ihre Liebe Vertrauen vermitteln, eigene Achtung und Wertigkeiten vorleben.“

Übrigens: Vor wenigen Tagen gab es Zeugnisse – nicht alle fielen zufriedenstellend aus. Das könnte zum Beispiel an mangelhafter Ernährung oder elterlicher Fürsorge liegen und nicht am Unvermögen der Kinder…