Blütenzauber im Altenheim

Dahl. (red.) Blumen. Hyazinthen, Klatschmohn, Stockrosen. Und immer wieder Hortensien. Die Bilder der niederländischen Künstlerin Elsina Gruhn-Daalmann duften beinahe, so lebensecht wirken die Blumen – kein Wunder, seit mehr als 30 Jahren perfektioniert die sympathische Holländerin ihre Kunst. „Ich male nichts anderes – nur Blumen“, lächelt sie fast entschuldigend – und warum auch nicht. Gut verdient hat sie damit, gut genug, um einen Großteil ihres 76-jährigen Lebens damit bestreiten zu können. Gut genug, um Kunstliebhaber in der ganzen Welt, in New York, London und sogar Moskau, damit anzusprechen. Nun stellt Elsina Gruhn-Daalmann im Altenwohnheim in Dahl aus – „Blütenzauber“ heißt die Ausstellung. Wie sonst.

Die Holländerin Elsina Gruhn-Daalmann (r.) hier mit Ehemann Klaus, stellt jetzt 70 ihre Blumenbilder im Altenwohnheim Dahl aus. (Foto: Altenwohnheim)

Eine wunderbare Mischung aus Pragmatismus und künstlerischem Eigensinn – das macht die erste Begegnung mit Elsina Gruhn-Daalmann so besonders. Bodenständig wirkt sie, irgendwie handfest, wie sie von den Anfängen berichtet. Von Blumenvasen und üppigen Sträußen in Öl, die sie vor finsterem Hintergrund malte, damit die Bilder antiker aussahen, als sie waren. Auf den Antikmärkten ihrer Heimat verkaufte sie die Bilder, in alten Rahmen – und wurde zum Liebling der in Holland stationierten Soldaten aus aller Welt. „Vor allem die Engländer und Amerikaner waren ganz vernarrt in deine Bilder“, erinnert sich Ehemann Klaus, der in Stettin geboren wurde und seiner großen Liebe Elsina nach Holland folgte.

„Meine Mutter hat immer gesagt: Künstler wirst Du nicht – die sind alle verhungert!“ lacht Elsina Gruhn-Daalmann. Die Mutter irrte. Impressionistisch im besten Sinne – wie ihr großes Vorbild, Claude Monet, schafft Elsina Gruhn-Daalmann in ihren Bildern eine Leichtigkeit, die den Betrachter unwillkürlich lächeln lässt – Pollenallergie garantiert ausgeschlossen. Dabei verzichtet die Künstlerin auf das Original, wenn sie arbeitet: „Die Bilder entstehen im Kopf – ich male nicht ab!“

Irgendwann wurden die Hintergründe heller, die Bilder insgesamt freundlicher – und der Stil der Elsina Gruhn-Daalmann immer einzigartiger. Zu dieser Zeit lernte das Ehepaar auch die Breckerfelderin Renate Menke kennen, die nun gemeinsam mit Pflegedienstleiterin Edelgard Hunsmann die Ausstellung Blütenzauber ins Volmetal geholt hat. Gut 70 Motive schmücken zur Freude der Bewohner ab sofort die langen Flure der diakonischen Einrichtung – ein Bruchteil der ungezählten Bilder, die Elsina Gruhn-Daalmann im Laufe der vergangenen drei Jahrzehnte geschaffen hat. „Aber ich habe kein einziges mehr.“

„Früher war die Malerei ein Fulltime-Job“, erinnert sich Elsina Gruhn-Daalmann. Zwei Kinder zog sie groß, kümmerte sich um Haus und Garten – und stand schon morgens um halb fünf an der Staffelei. Wie im Rausch produzierte sie Bild um Bild, schuf zarte, kräftige, filigrane Gemälde, die ihren Weg nach Neuseeland, Kanada, Südafrika fanden. Doch irgendwann war die Luft raus, die berühmte Malerin hatte eine Schaffenskrise – „Burn out“ würde man das neudeutsch wohl nennen. „Ich fand meine Bilder einfach nicht mehr schön“, erinnert sie sich nachdenklich. Bei einem Urlaub in Breckerfeld, bei Freundin Renate, fand sie zurück zu ihrer Kunst, malte, in der Abgeschiedenheit des Gartenhauses, ohne Druck „einfach los“ – und ist vielleicht auch aus Dankbarkeit für diese Zeit nun mit ihrer Ausstellung ins Volmetal zurückgekehrt.

„Heute male ich nur noch, wenn ich Lust habe“, erklärt Elsina Gruhn-Daalmann mit Nachdruck – doch wie wichtig ihr die Malerei noch immer ist, verrät Ehemann Klaus: „Die größte Freude zum Geburtstag ist für meine Frau ein Pinsel!“

Bei den oft hoch betagten Menschen im diakonischen Altenheim lösen die Bilder spontan assoziative Erinnerungen aus. Selbst bei den demenziell veränderten Bewohnern werden durch die farbenfrohen Sträuße Erinnerungen freigesetzt: „Diese Blumen hat mein Vater auch im Garten gehabt“, so erzählt mancher Bewohner, dem der aktuelle Wochentag vielleicht entfallen ist. Die Reaktionen der Bewohner beim Aufhängen ihrer Bilder haben die Künstlerin Elsina Gruhn-Daalmann erkennbar bewegt: „Scheinbar berührt meine Kunst etwas im Inneren der Menschen.“ Und wird dann wieder ganz praktisch: „Hab ich schon gesagt, dass meine Bilder alle in der Sonne hängen können, ohne zu verblassen…“

Die Ausstellung „Blütenzauber“ im Altenwohnheim Dahl ist noch bis zum 2. Oktober täglich zwischen 10 und 18 Uhr geöffnet. Der Eintritt ist frei.