Böse Zeichen in der Volme?

Von Gerhard E. Sollbach

Hagen. Die große Hitze und Trockenheit in der letzten Zeit haben auch den Wasserstand in der Volme sinken lassen. Dabei werden, wie zum Beispiel an der Volmebrücke am Hagener Markt, die im Flussbett liegenden Steine weiter freigelegt.

In früheren Zeiten haben Menschen diesen Vorgang mit Sorge und Angst beobachtet. Das Erscheinen der Steine in einem Flussbett kündigte nämlich drohende Missernten und in deren Folge große Teuerung und Hungersnöte an. Niedrigwasser im Frühjahr ist nämlich oft mit warmer und trockener Witterung verbunden, die wiederum häufig zu mageren Ernten führte. Hinzu kam, dass bei niedrigem Wasserstand die wassergetriebenen Kornmühlen still standen und es kein Mehl zum Brotbacken gab.

Kein Wasser für Kornmühle

Wie der Dortmunder Chronist Dietrich Westhoff berichtet, herrschte im Jahr 1448 in der hiesigen Gegend eine große Trockenheit, so dass alle Wasserläufe wenig Wasser führten und oft sogar gänzlich austrockneten. Daher konnten auch die auf Wasserkraft angewiesenen Kornmühlen nicht arbeiten. In Dortmund musste daher eine von Pferden angetriebene Kornmühle in Betrieb genommen werden. Das verteuerte aber das Mahlen gewaltig. „Malen dad was duer“ (Mahlen, das war teuer), schreibt Westhoff. Folglich stiegen auch Mehl und Brot im Preis enorm.

Doch Brot war vor der Einführung der Kartoffel im Laufe des 18. Jahrhunderts das Hauptnahrungsmittel. Wenn davon nicht genügend vorhanden war oder man es sich nicht mehr leisten konnte, musste man hungern.

Sichtbare Zeichen: „Hungersteine“

Sichtbare Zeichen dieser drohenden Gefahr sind seit Jahrhunderten vor allem die sogenannten „Hungersteine“. Es handelt sich dabei um große Findlinge, die bei normalem Wasserstand von den Fluten verdeckt werden. Häufig wurde in sie auch die Jahreszahl ihres jeweiligen „Erscheinens“ eingemeißelt.

Einer der ältesten bekannten Hungersteine liegt in der Donau nahe der tschechischen Stadt Decin (ehemals Tetschen). Der etwa sechs Quadratmeter große Basaltstein, der nur bei extremem Niedrigwasser sichtbar wird, trägt die Inschrift: „Wenn du mich siehst, dann weine.“ Die älteste Jahreszahl stammt von 1417. Noch weitere „Erscheinungen“ seit dem Jahr 1616 sind darauf vermerkt.