Brand im Umspannwerk: 30.000 Hagener waren ohne Strom

Hagen. (th/je) Plötzlich war es dunkel – am frühen
Dienstagmorgen fielen überall im Hagener Süden die Lampen aus. Und sämtliche
anderen Elektrogeräte, vom Kühlschrank über die Kaffeemaschine bis zum Fön. Die
Morgenhygiene wurde noch dazu dadurch erschwert, dass in manchen Vierteln auch
noch das Wasser ausfiel – denn ein großflächiger Stromausfall legt, zumindest
kurzfristig, auch die Wasserversorgung lahm.
Und eben so ein großflächiger Stromausfall wurde am gestrigen 11. Oktober
durch den Brand des Umspannwerkes Donnerkuhle verursacht. Betroffen waren im
Wesentlichen alle Gebiete südlich der A46.
Löscharbeiten
Um 5:56 Uhr ging bei der Hagener Feuerwehr ein erster Notruf ein: die Enervie
meldete Feuer und Rauchentwicklung in ihrem Umspannwerk in Haßley. Gleichzeitig
wurde zur Vorsicht die Anlage abgeschaltet und der Stromausfall, von dem
insgesamt etwa 7.500 Haushalte und damit etwa 30.000 Menschen betroffen waren,
setzte ein.
Die Feuerwehr kam wenige Minuten später vor Ort an und konnte einen massiven
Schwelbrand in der Verteilungsanlage feststellen. Bei den Löscharbeiten mussten
die Einsatzkräfte jedoch ganz besondere Vorsichtsmaßnahmen ergreifen: Wasser,
Schaum oder Löschpulver kamen bei dem für hohe Spannung ausgelegten Werk nicht
in Frage.
Stattdessen sollte Kohlendioxid verwendet werden, um die Flammen zu
ersticken. Die benötigten rund vier Tonnen waren in Hagen jedoch nicht vorrätig
und mussten von den Feuerwehren benachbarter Städte, etwa aus Dortmund,
beschafft werden. Trotz aller Vorsichtsmaßnahmen verletzte sich ein
Feuerwehrmann durch einen Funkenschlag leicht.
Zwischenzeitig konnte Strom aus anderen Umspannwerken umgeleitet und so
bereits ein Teil der Bevölkerung wieder mit Licht und der Möglichkeit zu
frischem Kaffee versorgt werden. Gegen 11.45 Uhr war nach Angaben des Versorgers
Enervie bereits überall wieder Strom verfügbar. Die Wasserversorgung war durch
Notstrom und die Mitarbeit des Technischen Hilfswerkes (THW) sogar schon
deutlich schneller flächendeckend wiederhergestellt.
Mobilfunk ausgefallen
Im gesamten Stadtgebiet sorgte der Stromausfall für ein weiteres Problem: die
Mobilfunknetze waren massiv gestört, es kam zu regelrechten Netzausfällen. Diese
hingen jedoch nur indirekt mit dem Stromausfall zusammen – da viele Leute außer
über ihre Smartphones keine Zugänge mehr zu Telefon und Internet hatten und
diese gleichzeitig nutzen, fielen die Netze ganz einfach wegen Überlastung aus.

Verkehrschaos
In der Zwischenzeit hatte auch die Polizei alle Hände voll zu tun: Durch den
Stromausfall waren einige Ampelanlagen lahmgelegt, es kam zu einem regelrechten
Verkehrschaos. An den betroffenen Stellen, etwa an der Kreuzung vor dem
Landgericht, mussten die Beamten per Hand den Verkehr regeln. Dennoch ereigneten
sich drei Verkehrsunfällen miteiner verletzten Person.
Mit vielen Streifenwagen zeigte die Polizei außerdem starke Präsenz in den
vom Stromausfall betroffenen Stadtteilen. Hierdruch sollten einerseits Ganoven
daran gehindert werden, die „Gunst der Stunde“ für Übeltaten zu nutzen,
andererseits war der Notruf teilweise so stark überlastet, dass die Polizei
direkt vor Ort als Ansprechpartner zur Verfügung stehen wollte.
Auch ein Stellwerk der Deutschen Bahn war zeitweise ohne Strom. Die
betroffene Regionalbahn zwischen Dortmund und Lüdenscheid fiel mehrere Stunden
aus. Als schnelle Hilfe wurde ein Ersatzverkehr durch Taxis eingerichtet
Schnelle Hilfe
Zur Bewältigung des Stromausfalls bildete sich schnell ein Krisenstab aus
Feuerwehr, Polizei, Enervie, Bahn, Bundeswehr und verschiedenen Fachbereichen
der Stadt Hagen. Alle Beteiligten lobten das schnelle und professionelle Handeln
und die sehr gute Zusammenarbeit. Auch aus dem Innenministerium, das die Lage
genau beobachtete, gab es entsprechendes Lob.
Warnung über App
Erstmals nutzen die zuständigen Stellen in Hagen die neue Smartphone-Warn-App
„NINA“, um die Bevölkerung auf die Gefahrenlage aufmerksam zu machen. Wer das
kostenlose Programm auf seinem Gerät installiert hat, hörte einen Alarmton und
bekam wichtige Infos und Verhaltens­tipps. Auch wurden die Nutzer mit einem
Zwischenstand und einer Entwarnungsmeldung versorgt.
Brandursache
Zur Ursache des Brandes war zum Redaktionsschluss noch nichts bekannt, da es
aus Sicherheitsgründen noch nicht möglich war, das Gebäude zu betreten. So
konnten auch keine Angaben zur Schadesnhöhe gemacht werden. Menschliches
Versagen als Ursache wollte die Enervie jedoch bereits ausschließen, da sich bei
Ausbruch des Feuers gar keine Personen in der Anlage aufhielten.
Das Umspannwerk, eines von insgesamt acht in Hagen, liefert über 35
Mittelspannungskabel je 10.000 Volt Strom zu weiteren Verteilern und von dort an
Industriekunden bzw. nach weiterer Umwandlung an private Haushalte. Da es sich
um ein hochmodernes, erst vor eineinhalb Jahren komplett erneuertes Gebäude
handelt, konnten durch den Brand keine Gefahrstoffe in die Luft gelangen.