Bundesweite Katzenschwemme

Diese kleine Katze war bei ihrem Auffinden so krank, dass ihr ein Auge entfernt werden musste. (Foto: Tierschutzverein)

Hagen. (anna) Tierschützer schlagen Alarm: Schon seit dem Frühjahr explodieren im ganzen Land die Zahlen der freilaufenden Katzen. Tierheime können sie nicht mehr aufnehmen. So auf sich gestellt, werden viele Katzen krank und verhungern. Sie sind verfloht, verschnupft, haben vereiterte Augen und sind halb verhungert. „Unbemerkt werfen Katzen oft unzählige Junge, die dann verwildert und krank herumirren, weil ihr Halter sich das Geld für die Kastration sparen wollte“, ärgert sich die Hagener Tierschützerin Birgit Ganskow. „Auch in der heutigen Zeit werden immer noch ’zigtausend Katzen erschlagen, ertränkt oder einfach in den Müll geworfen. Mehrere hunderttausend Tiere werden jährlich überfahren oder verenden in Straßengräben. Genauso viele werden jedes Jahr abgeschossen.“

Oft werden die Katzen einfach ausgesetzt. Ohne Zufütterung finden sie nicht mehr genug Nahrung. Sie erkranken an Katzenschnupfen oder anderen Tierseuchen mit bleibenden Schäden wie Blindheit oder Atemnot. Wenn die Tiere Glück haben, landen sie in einem überfüllten Tierheim, wo sie nur notdürftig versorgt werden können. Die enormen Kosten tragen Kommunen und Tierschutzvereine.

Verwildern sie indes, werden sie für manchen Bürger zum Ärgernis. Lautstark tragen sie nachts ihre Revierkämpfe aus. Beschwerden über durch Katzenkot verdreckte Spielplätze und Parks sind immer öfter zu hören.

In Hagen existieren allein 15 Futterstellen, an denen freilebende, verwilderte Katzen von Tierschützern täglich versorgt werden. Dort versucht man auch, die Katzen einzufangen, um sie nach der Kastration wieder in die Freiheit zu entlassen, denn die verwilderten Tiere sind nur in seltenen Fällen noch zu domestizieren.

Katzenschwemme überall

Bundesweit droht nach Einschätzung des Deutschen Tierschutzbundes in diesem Jahr eine Katzenschwemme ungeahnten Ausmaßes. Die Tierschützer rechnen vor: „Angenommen, dass eine Katze wenigstens zweimal im Jahr Nachwuchs bekommt, jeweils nur drei Junge pro Wurf überleben und die Katzen sich jeweils fremde Partner suchen, ergibt dies nach zehn Jahren die Anzahl von mehr als 240 Millionen Nachkommen.“ Dazu kommt, dass eine Katze bereits im Alter von vier Monaten geschlechtsreif ist.

Nicht kastrierte Katzen sind aber keinesfalls nur in Städten ein Problem. Auch auf vielen Bauernhöfen herrschen in dieser Hinsicht katastrophale Zustände. „Da leben oft 20 bis 30 Katzen. Fast alle sind krank. Zudem herrscht unter den Tieren totale Inzucht. Das Argument vieler Landwirte, kastrierte Katzen fingen keine Mäuse mehr, sei „völliger Schwachsinn“, meinen Tierschützer. Oft scheuten die Bauern auch die Kosten für den Tierarzt.

Kastrationspaten

An 15 Stellen werden in Hagen freilebende Katzen gefüttert und versorgt. Eindämmen kann man die Wildkatzen-Population nur durch Kastration. Dazu fehlt den Tierschützern das Geld. Deshalb bitten sie um Spenden. (Foto: Tierschutzverein)

Um all diese Probleme zu lösen, soll die Fortpflanzung der Tiere durch eine Operation verhindert werden. Deshalb sucht der Tierschutzverein Hagen dringend Kastrationspaten, um das Katzenelend in Hagen einzudämmen. „Unser Tierheim ist übervoll mit Katzen“, so Ganskow, „wir werden im Moment nicht einmal die Katzenbabys los, und das ist noch nie da gewesen. Die kleinen Kätzchen wurden uns immer aus der Hand gerissen. Die Mitarbeiter haben längst den Überlick verloren, welche Katze frisst und welche nicht“, berichtet Ganskow.

Der Tierschutzverein sucht ebenfalls aktive Leute, die helfen, freilaufende Katzen einzufangen, damit sie kastriert werden können. „Wir können viele Katzenschutzengel gebrauchen, denn die Flut der Tiere war noch nie so groß“, meint Ganskow. „Wer helfen will, egal ob durch eine Kastrationspatenschaft oder eine Spende oder durch seine Mithilfe, kann uns einfach ansprechen.“ Telefon 0 23 31 / 4 06 661, E-mail: info@tierschutzverein-hagen.de.

Spenden und Katzenkastrationspatenschaften sind steuerlich absetzbar. Bitte Verwendungszweck “Katzenkastration“ angeben.
Konto: 100.029.582 BLZ 45050001, Sparkasse Hagen.

Kastrationspflicht

Paderborn hat als erste Stadt in Nordrhein-Westfalen 2008 die Kastrationspflicht für Katzen eingeführt. Tierhaltern, die ihr nicht nachkommen, droht eine Geldstrafe von bis zu 500 Euro. Auch wenn noch kein Katzenbesitzer zahlen musste und die Kontrolle praktisch schwer möglich ist, ist die Stadt mit dem Erfolg der Verordnung durchaus zufrieden. Wurden früher jährlich 500 bis 600 Katzen in Paderborn kastriert, so waren es 2009 fast 800. Aufnahmestopps, die in vielen Tierheimen für Katzen galten, konnten aufgehoben werden. Und das Paderborner Modell macht Schule. „Deshalb brauchen wir eine bundesweite Regelung“, meinen die Hagener Tierschützer, die eine Kastrationspflicht begrüßen würden.