Comedian Harmonists im Theater Hagen

Hagen. (none) „Der Star ist die Mannschaft“ – so floskelhaft der Satz auch immer wirken mag, auf das Ensemble der Hagener Comedian Harmonists“ bezogen sagt er die reine Wahrheit! Am vergangenen Samstag war Premiere des von F. Wittenbrink (musikalische Einrichtung) und G. Greiffenhagen (Buch) geschriebenen musikalischen Schauspiels, uraufgeführt im Dezember 1997 in Berlin.

Was die fünf Hagener Sänger an klanglichen Delikatessen über den Abend servierten, war allererste Güte, wunderbar getragen von ihrem vorzüglichen Pianisten.

Aufstieg und Fall der legendären Berliner Gruppe aus der Zeit der Weimarer Republik – Greiffenhagen erzählt die Geschichte zwar in freier Form, aber immer im historischen Rahmen. Vom Beginn im Dezember 1927, von den entscheidenden Stationen im Jahr 1928 – harte Probenarbeit, klägliche Versuche in der Scala, der erste Auftritt im Berliner „Großen Schauspielhaus“ mit 3000 Plätzen, folgende Engagements – ins Jahr 1929 mit Auftritten außerhalb Berlins. In Leipzig der Durchbruch, ausverkaufte Abende, ein begeistertes Publikum, Radioauftritte in Berlin.

Ab 1930 war die Gruppe so populär, dass bereits eine kleine Zeitungsnotiz volle Säle garantierte. Lukrative Filmgeschäfte, Tourneen durch ganz Europa, brachten große Einkünfte, nach heutiger Rechnung mehr als 700.000 Euro pro Jahr – pro Mitglied! 1932 der Auftritt in der Berliner Philharmonie, „Tempel der seriösen Musik“, vor 2700 Zuschauern.

1933, zu Zeiten größter Erfolge, kamen die Nationalsozialisten an die Macht. 1934, am 13. März, betritt ein Beauftragter der Münchner Gauleitung in brauner Uniform die Bühne der Tonhalle und verkündet den letzten Auftritt der Comedian Harmonists – drei der Mitglieder sind Juden. Das Ende!

Regisseur Th. Weber-Schallauer arrangiert die vielen Szenen im guten Sinne routiniert-erfahren, ausgreifende Deutung lässt die Stringenz der Stückdramaturgie ohnehin nicht zu. P. Palmowski, der Ausstatter, stellt einen den Raum beherrschenden Koffer ins Zentrum, jämmerliche Hütte am Anfang, glitzernde Showtreppe für glamouröse Auftritte im Frack. Und den tragen diese fünf famosen Künstler alle – auf der Höhe ihres Weltruhms – in blendender Manier:

Björn C. Kuhn, der Tenor mit der „Silberfaden-Stimme“ als Ari Leschnikoff; R.van Gemert als Roman Cycowski – „absolut liebenswert“; O. Mason als Erich A. Collin – „der Bestaussehendste von uns allen“; J.A. Kemna als Harry Frommermann – „die Seele der Comedian Harmonists, ein bissel weich und gefühlsbetont“; Ch. Scheeben als Robert Biberti – „groß war er und dick, ein richtiger Riese“! Schließlich A. Reukauf alias Erwin Bootz – „ein Pianist von besonderen Gnaden“.

Ob Stücke wie „Schöne Isabella von Kastilien, „Veronika, der Lenz ist da“, „Wochenend’ und Sonnenschein“ oder im Besonderen die virtuose Wiedergabe des „Onkel Bumba“ – da jauchzt der Saal! Geradezu zelebriert in makellos-inniger Tonschönheit werden „In einem kühlen Grunde“ oder „Irgendwo auf der Welt “ – ergriffenes Lauschen im Theaterrund! Einen Koffer voller Rollen hat G. Fuchs zu tragen: vom Kriegsversehrten, dem Arbeitslosen, der kreischenden Zimmerwirtin bis zum Ministerialrat in der Reichsmusikkammer – das spielt er alles auf den Punkt genau!

Nach der Rocky Horror Show im Januar steht mit der Comedian Harmonists-Produktion bereits die zweite Hagener Erstaufführung des Jahres 2012 auf dem Spielplan – und wieder ein umjubelter Volltreffer! Die Produktion gehört zum Projekt „Jeder Schüler ins Theater Hagen“, das vom Theaterförderverein finanziert wird und Schüler ab der 9. Klasse kostenlosen Vorstellungsbesuch anbietet.

Die nächsten Termine: 7., 10., 16., 18. und 29. Februar 2012.