Das große Massenaussterben

Von Antje Selter

Hagen. In unserer Serie „Geotope in Hagen“ beleuchten wir geologische Besonderheiten und Sehenswürdigkeiten unserer Region. In der letzten wk-Ausgabe ging es um das Hasselbachtal (Hohenlimburg-Reh) und darum, dass eine dortige unscheinbare Böschung für die Geologen hochbedeutend ist. Im Zusammenhang mit dem Hasselbachtal erwähnten wir, dass es im Verlauf der Erdgeschichte mehrfach zu einem großen Massenaussterben kam.

Mit diesem Thema wollen wir heute unsere Serie fortsetzen:

Antje Selter stellt im wochenkurier die herausragenden geologischen Sehenswürdigkeiten des Hagener Raums vor. (Foto: privat)

Vor ca. 500 Millionen Jahren starben am Ende des Kambriums rund 80 Prozent aller Tier- und Pflanzenarten aus. Auslöser waren vermutlich Klimaveränderungen oder Meeresspiegelschwankungen.

Vor ca. 438 Millionen Jahren (Oberes Ordovizium) starben 50 Prozent aller Arten aus. Die Trilobiten (Dreilappkrebse) überlebten zwar, doch ihre immense Vielfalt verringerte sich erheblich.

Vor ca. 358 Millionen Jahren im oberen Devon: Erneut starben 50 Prozent aller Arten aus, darunter einige Fische, Korallen und Trilobiten. Es starben auch etliche „Riffbauer“ unter den Korallen. Das hatte zur Folge, dass die Zahl der Korallenriffe abnahm. Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass dadurch der Sauerstoffgehalt im Wasser sank. Wer nun überleben wollte, musste sich den Gegebenheiten anpassen oder außerhalb des Wassers atmen können. Die Zeit der Amphibien war gekommen.

Vor ca. 250 Millionen Jahren an der Perm-Trias-Grenze: Die meisten Tiere starben gegen Ende des Perm; 95 Prozent aller meeresbewohnenden Arten sowie ca. 66 Prozent aller landbewohnenden Arten (Reptilien- und Amphibienarten) starben aus. Die genaue Ursache ist bis heute unbekannt; ein Zusammenhang könnte mit damals in Sibirien entstandenen, extrem großen Magmafeldern bestehen, die das Klima veränderten und deren Abwässer zu extremem Sauerstoffmangel in den Ozeanen führten. Auch ein Drittel aller Insektenarten starb aus, das einzige bekannte Massenaussterben von Insekten in der Erdgeschichte. Von allen Massenaussterben war das im Perm das größte.

Vor ca. 200 Millionen Jahren am Ende der Trias: 50 bis 80 Prozent aller Arten, unter anderen fast alle Landwirbeltiere, starben aus. Hier wird ein Zusammenhang mit gewaltigen Magmafreisetzungen vermutet.

Vor ca. 65 Millionen Jahren am Ende der Kreide (Übergang vom Erdmittelalter zur Erdneuzeit): wieder starben rund 50 Prozent aller lebenden Tiere aus, darunter auch die Dinosaurier. Als Ursache werden zwei Ereignisse erörtert: Der Einschlag eines Meteoriten nahe der Halbinsel Yucatán und der kontinentale Ausbruch im Hochland von Vorderindien.

Heute: Die gegenwärtige Aussterbewelle wird durch den Menschen verursacht und begann vor ca. 100.000 Jahren. Sie hält bis zum heutigen Tag an und beschleunigt sich dabei. Der Vergleich des heutigen Massenaussterbens mit den oben genannten Ereignissen der Erdgeschichte ist allerdings schwierig und auch problematisch, weil heute überwiegend deutlich andere Ursachen für den Rückgang der Artenvielfalt verantwortlich sind als in der geologischen Vergangenheit.

Die Ursachen von Massenaussterben sind ein vieldiskutiertes Thema. Folgende Ereignisse werden als Ursache immer wieder diskutiert:

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Auswirkungen

Massenaussterben beeinflussen den Verlauf der Evolution entscheidend. So entstanden z. B. die Dinosaurier nach dem Perm, wurden durch das Aussterben in der Trias zur dominanten Landwirbeltiergruppe und verschwanden am Ende der Kreide.

Nach Aussterbe-Ereignissen folgt für gewöhnlich eine Phase der Expansion der überlebenden Organismen. Diese Ausbreitung neuer Arten markiert neben dem Fehlen bestimmter Organismen den neuen erdgeschichtlichen Zeitabschnitt. Teilweise unterscheidet man zwischen Faunenschnitten, in denen viele Tierarten ausstarben und Florenschnitten, in denen viele Pflanzenarten verschwanden und durch neue ersetzt wurden.