Das Reizen geht weiter

Hagen. (as) Der Kater lässt das Mausen nicht. Oder – anders formuliert: Ewald Scheene lässt das Skatspielen nicht. „Eigentlich wollte ich am 14. Dezember 2014 aufhören“, sagt er. Eigentlich. Denn er hat sich wieder breitschlagen lassen. Der Gründervater der „Hagener Skatfreunde“ wird auch in diesem Jahr noch Preis-Skat-Turniere auf die Beine stellen.

Skatspieler aus der Umgebung atmen hörbar auf. Das Wochenkurier-Team auch. Denn wir haben Ewald Scheene und seine Leidenschaft für Grand und Null ouvert seit 33 Jahren begleitet.

Gespielt wird künftig jeden letzten Samstag im Monat. Start: 14 Uhr. Ort: die „Sauerlandpforte“ an der Rathausstraße 39. Nächster Termin: der 28. Februar 2015.

Skat ist für Ewald Scheene mehr als ein Kartenspiel. Für ihn ist das reizende Kartenspiel auch ein Rettungsanker. Einer, der ihn ins Leben zurückgeholt hat. Das war 1981. „Ich hatte meinen ersten Herzinfarkt“, sagt er. Ewald Scheene kam zwar wieder auf die Beine. Doch es ging ihm schlecht. Das Gedächtnis machte schlapp. „Mich haben bei meinen Spaziergängen Menschen gegrüßt, die ich nicht erkannt habe“, sagt er. Und: „So sollte es nicht weiter gehen.“ Ewald Scheene begann, Skat zu spielen. „Dabei muss man rechnen, nachdenken und sich auf den Punkt konzentrieren“, sagt er.

Große Turniere auf die Beine gestellt

18, 20, Zwo, Null… – nach und nach spielte das Gedächtnis wieder mit. Ewald Scheene gründete die Hagener Skatfreunde. Das war 1982.
Seit 33 Jahren ist Ewald Scheene für die Hagener Skatszene ein Fels in der Brandung. Er organisierte kleine, aber auch richtig große Turniere. „Damals, im Ratskeller, da haben regelmäßig ein paar hundert Leute mitgespielt“, erinnert er sich. „Die Spieler kamen nicht nur aus Hagen, sondern aus der ganzen Umgebung, sogar aus Hessen.“

Skat wurde zu einem wichtigen Punkt im Leben des ehemaligen Polizisten, ehemaligen Bauarbeiters und ehemaligen Sachbearbeiters im städtischen Rechnungsprüfungsamt. „Wir haben früher jeden Freitag und noch jeden zweiten und vierten Sonntag im Monat gespielt.“

Jung gebliebener 86-Jähriger

Nein, so viel Zeit möchte er nicht mehr in sein Karten-Hobby investieren. Eigentlich wollte er ja ohnehin aufhören. „Ich bin vor ein paar Tagen 86 geworden“, sagt er. „Da muss man doch mal kürzer treten.“ Bei seinen Skatfreunden sorgte die Ankündigung für Entsetzen. „Kürzer treten, okay“, hieß es, „aber aufhören? Bloß nicht.“ Irgendwann ließ er sich schließlich überzeugen: Der jugendliche 86-Jährige macht weiter. An den Wochenkurier schrieb er jetzt: „Die langjährigen Mitglieder haben beschlossen: Der über 30-jährige Spielbetrieb soll einmal im Monat beibehalten bleiben. Der Verein soll erhalten bleiben.“ Gut so.

Ewald Scheene liebt den Skat, aber er weiß auch, dass sich mitunter unbeherrschte Zeitgenossen an die Spieltische setzen. „Rabauken fliegen bei mir raus“, sagt er entschlossen. Da kennt er keine Gnade. Wer sich ungehörig benimmt, hat gefälligst zu gehen. Umso lieber sieht er es, wenn sich auch Frauen zum Preis-Skat anmelden: „Wenn Frauen dabei sind, benehmen wir Kerle uns immer besser“, sagt er. Er muss es ja wissen…

Schokolädchen als Dankeschön

Apropos Frauen: „Wir spielen nur noch um Geldpreise“, sagt Ewald Scheene. Das Einsatz-Geld wird genommen und nach dem Turnier gleich wieder an die Gewinner ausgezahlt. „Das ist einfach zu rechnen“, sagt der Skat-Fachmann. Doch eine klitzekleine Ausnahme von der Regel gibt es. Die teilnehmenden Damen werden vom Turnier-Leiter immer höchstpersönlich für ihr Engagement beschenkt. „Mit Schokolädchen oder Pralinchen“, bezahlt aus dem privaten Portemonnaie. So ist er halt, dieser Skat-begeisterte Hagener. Und so soll er auch bleiben.