Das war Hagen 2016: Rückblick auf ein bewegtes Jahr, Teil II

Hagen. (tau) Wir blicken auf das turbulente Jahr 2016 zurück. Im ersten Teil ging es um die Monate Januar bis Juni. Nun schauen wir auf den Zeitraum von Juli bis Ende Dezember.

Kalter Sommer
Der Sommer 2016 lieferte –zum Leidwesen der Daheimgebliebenen – einige der kältesten Augusttage seit 50 Jahren.
Bewaffneter Überfall
Pünktlich zum Ladenschluss um 22 Uhr überfiel am 10. August ein Räuber einen Supermarkt an der Enneper Straße in Haspe. Der Täter zwang die beiden Angestellten mit einer Schusswaffe zur Herausgabe der Tageseinnahmen und flüchtete. Ein Zulieferer des angrenzenden Getränkemarkts versuchte vergeblich, den Täter festzuhalten, doch wurde er ebenfalls mit der Waffe bedroht und musste den Dieb laufen lassen.
Razzia
Zwangsabmeldung von 60 Personen – das war das Ergebnis einer großangelegten Überprüfungsaktion von Polizei, Ordnungsamt, Ausländerbehörde und Jobcenter Mitte August. Die vornehmlich aus dem rumänischen Sprachraum stammenden Menschen waren allesamt adresslich gemeldet ohne tatsächlich in den angegebenen Häusern zu wohnen. Bei der Kontrolle waren rumänische Polizisten unterstützend im Einsatz. Außerdem wurden Strafanzeigen wegen Diebstahls und Entziehung elektrischer Energie gestellt, zudem 16 originalverpackte Smartphones gefunden und sichergestellt.
Zurück zur Schule
Die Woche begann für die Schüler mit zwei letzten Ferientagen, bevor es am Mittwoch, 24. August, wieder früh aufzustehen galt. Doch dann gab es ob des zurückgekehrten Sommers gleich nur ganz wenig Unterricht – die meisten Schulen in der Stadt gaben bis Freitag hitzefrei.
Mehr „Neue“
Um die zehn Prozent mehr i-Dötzchen gab es im Vergleich zum letzten Jahr in der Volmestadt. 1.780 Kinder konnten in den 1. Klassen an ihren Grundschulen begrüßt werden.
Mehr Badespaß
Die Freibäder sollten schon längst geschlossen sein, aber die Sommersonne wollte sich noch nicht verziehen. So blieben in der letzten August- und ersten Septemberwoche die Bäder Hengstey und Hestert geöffnet.
Standort gefährdet?
Wenig Anlass, guten Mutes zu sein, hatten die Beschäftigten der Hohenlimburger Thyssen-Krupp-Tochter Hoesch. Über 200 Stahlarbeiter reihten sich am 31. August ein in die 7.000 Teilnehmer starke Demonstration an der Duisburger Unternehmenszentrale von Thyssen-Krupp.
Gewürdigt
Der Tag des offenen Denkmals am 11. September stand bundesweit unter dem Motto „Gemeinsam Denkmale erhalten“. In Hagen stand einmal mehr „Haus Harkorten“ im Fokus. Das sogenannte „obere Haus“ – ein Juwel aus der Mitte des 18. Jahrhunderts – ist seit Jahren unbewohnt und deshalb in einem schlechten Zustand. Stadtheimatpfleger Michael Eckhoff wurde die „Denkmalplakette“ der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (DSD) für das bereits vorbildlich restaurierte ältere Gut Harkoten („Geburtshaus“) überreicht.
Sinn-Probleme
Das Hagener Modehaus Sinn-Leffers sah sich Mitte September gezwungen, eine „Insolvenz in Eigenverwaltung“ zu beantragen. Dennoch schaute man optimistisch in die Zukunft. Ein Teil der Pläne zur Ausweitung der Hagener Volmegalerie-Filiale sind mittlerweile umgesetzt – Sinn-Leffers hat einen Teil der Boecker-Fläche übernommen und dort ein Haushaltswäsche-Abteilung eröffnet.
Tödlicher Motorradunfall
Die Unfallstatistiken des ersten Halbjahrs kündeten zwar von sinkenden Zahlen bei den Verkehrstoten, trotzdem gab es in Hagen einen tragischen Fall. Am 22. September überholte auf dem Graf-von-Galen-Ring ein 56 Jahre alter Motorradfahrer einen LKW. Bevor er wieder einscheren konnte, prallte er aus ungeklärter Ursache ins Heck eines Minis und zog sich lebensgefährliche Verletzungen zu. Ein Transport im Rettungshubschrauber kam aufgrund der Schwere der Verletzungen nicht in Frage. Der Mann erlag später in der Klinik seinen Verletzungen.
Schweres Gefährt
Am 5. September erreichte ein Schwertransport, bestehend aus vier 60-Tonnern, sein Ziel in Wehringhausen: das Edelstahlwerk an der Schwanenstraße. Dort kam das Transportgut – vier große Kessel – wohlbehalten an. Tausende schaulustige Hagener bestaunten den außergewöhnlichen Konvoi mit zahlreichen Straßensperrungen wie einen Karnevalumzug.
Aufräumen
Ums „Aufräumen“ ging es in der ersten Oktoberwoche in Hagen: Müll entsorgen und gleichzeitig die Arbeitslosenstatistik bereinigen: Eine Intitiative vom Werkhof, der Hagener Beschäftigungs- und Qualifizierungsgesellschaft, des Jobcenters sowie des Hagener Entsorgungsbetrieb (HEB) startete, um mehr Menschen in Arbeit zu bringen.
Stromausfall
Ein großer Stromausfall sorgte am 11. Oktober für Aufregung ind er Volmestadt. Grund war ein Brand im Umspannwerk Hagen-Emst. 7.500 Haushalte saßen vom frühen Morgen bis in den Vormittag hinein stromlos im Dunkeln. Die öffentliche Infrastruktur – Bahnen und Ampelanlagen – war ebenfalls betroffen.
Phoenix-Pleite
Am 17. Oktober gab es die ersten Gerüchte, und zwei Tage später folgte die offizielle Bestätigung – Phoenix Hagen ist in Geldnot. Die Feuervögel wurden von fehlenden Sponsoreneinnahmen und ausbleibenden Zuschauerzuspruch kälter erwischt als zuvor angenommen. Der Plan: Nach dem sportlichen Abstieg in der ProA 2017 einen Neustart hinlegen, der auf einer soliden finanziellen Basis steht.
Tödlicher Schuss
Mit einer Machete ging am 18. Oktober ein Mann in einem Boeler Versicherungsbüro auf einen 49-Jährigen los und verletzte ihn schwer. Das Opfer floh in einen nahegelegenen Imbiss, wo der Besitzer ihn zunächst versorgte und vor den Augen seines Verfolgers verbarg. Die gerufene Polizei stellte den Angreifer, doch als sich dieser weigerte, seine Waffe fallen zu lassen und stattdessen die Beamten attackierte, schoss eine 24-jährige Polizistin auf den Mann. Er erlag seinen Verletzungen.
Wechselfieber im Theater
Zwei Nachrichten aus dem Theater überraschten und betrübten Ende Oktober die Kulturfreunde schwer: Lutz-Leiter Werner Hahn und Ballettdirektor Ricardo Fernando werden das Haus zum Sommer 2017 verlassen. Der Jugendtheaterchef möchte nach Jahrzehnten künstlerischen Schaffens in Hagen andernorts noch einmal etwas Neues wagen; der Tanzchef sieht seine Zukunft hier in der Volmestadt zu ungewiss.
Tödlicher Unfall
Eine 79-Jährige kam am 2. November bei einen tragischen Unfall ums Leben. Die Seniorin stand auf dem Parkplatz des Einkaufzentrums Eilpe mit ihrem Rollator hinter dem PKW ihres Ehemanns, als ein LKW zur Anlieferung rückwärts den Eingangsbereich ansteuerte. Dabei geriet sie unter den von einem 28-jährigen Mann gefahrenen Zwölftonner und wurde schwer verletzt. Sie verstarb wenig später am Unfallort.
Gegen Hass und Willkür
Das Gedenken an die Pogromnacht stand im Fokus der zweiten Novemberwoche. Hagens Oberbürgermeister Erik O. Schulz trat im Beisein von knapp 300 Schülern der Initiative „Mayors United Against Antisemitism“ bei. Diese wurde 2015 vom American Jewish Commitee (AJC) ins Leben gerufen, um kommunale Führungspersönlichkeiten in ihrem Engagement gegen einen zunehmenden Antisemitismus in der Welt zu vereinen und zu stärken.
Neue Session
Pünktlich am 11.11. fiel der Startschuss in die neue Jecken-Session. Im Hagener Rathaus wurde dem Prinzenpaar Marvin I. und Sarah I. das Zepter entnommen und an das neue Prinzenpaar Rolf I. und Sabrina I. übergeben
Neue Schenker-Struktur
Für über 150 Mitarbeiter des Hagener Logistik-Unternehmens Schenker gab es Mitte November eine unliebsame Nachricht für ihre berufliche Zukunft: Sie müssen künftignach Dortmund oder Lüdenscheid zur Arbeit fah­ren. Der Sitz an der Berliner Straße in Kückelhausen wird aufgegeben. Die Umstrukturierungsmaßnahmen der Firma reihen sich ein in diejenigen von Douglas, Nordwest und Putsch bereits zuvor. Auch diese Hagener Unternehmen haben durch Wegzug von Teilbereichen die Zahl der Beschäftigten in der Stadt deutlich verringert.
Kontrollen
Konsequent wurden Ende November Zuwanderer aus Südosteuropa seitens der Behörden kontrolliert. Ausländerbehörde, Ordnungsamt, Jobcenter, Wohnungsaufsicht und Polizei nahmen Ende November erneut gemeinsam verschiedene Häuser in den Ortsteilen Wehringhausen und Altenhagen unter die Lupe. Neben der Kontrolle von Ausweisen, Leistungsbezügen und Meldestatus überprüften die städtischen Mitarbeiter unter anderem die Wohnsicherheit und Müllproblematik in den teils verwahrlosten Wohnungen sowie die Einhaltung der Schulpflicht.
Rauswurf
Die letzte Novemberwoche war überschattet von der Hiobsbotschaft, dass die Basketballer von Phoenix Hagen ihr letztes Spiel der Saison bereits hinter sich hatten und von jetzt auf gleich den Rauswurf aus der 1. Bundesliga erlitten.
Flaschenwurf
Eine Mordkommission ermittelte Ende November im Fall der Flaschenwürfe von der Autobahnbrücke Haßleyer Straße auf die A45. Während der Vorfall von der Autobahnpolizei aufgenommen wurde und bereits Hinweise auf eine Flasche als Wurfgeschoss vorlagen, erfolgte ein zweiter Wurf. Eine Flasche verfehlte eine Beamtin und zersplitterte auf der Autobahn.
Gänse gerettet
In Wehringhausen bewahrten mehrere Polizisten am Morgen des ersten Weihnachtsfeiertags fünf Gänse vor dem sicheren und qualvollen Tod. Sie sollten offensichtlich zum Weihnachtsessen verzehrt werden. Die Gänse wurden sichergestellt und ins Hagener Tierheim gebracht.
Streit
Zum Jahresende Neuigkeiten aus dem Fürstenhaus: Im Hohenlimburger Schloss steht der Fürstensaal aus Denkmalschutzgründen ab 2018 nicht mehr für die Schlossspiele zur Verfügung.