Deerth-Patienten auf der Lutz-Bühne

Hagen. (saz) Rebekka kommt aus einer gutbürgerlichen und traditionsreichen Familie, Micha ist Sohn einer Einwandererfamilie. Wie kann das Paar es schaffen, aus den Lebensmodellen ihres sozialen Umfeldes auszubrechen und ihr Leben und das ihres Sohnes Carlo eigenständig zu gestalten? Kann es ihnen überhaupt möglich sein, aus den Bausteinen ihrer Vergangenheit neue Strukturen zu errichten? Das sind die Fragen, mit denen sich das Bühnenstück „copy & paste“ beschäftigt.

Der Titel bezieht sich auf einen alltäglichen Begriff aus der Computersprache. Es wird etwas aus einem gewissen Zusammenhang heraus kopiert und an einem anderen Ort, in einem anderen Dokument, wieder eingefügt. „Menschen kopieren häufig Lebensmodelle, die sie aus ihrer Familie kennen, und führen diese in ihrem eigenen Leben fort“, erklärt Lutz-Theaterregisseur Werner Hahn.

Besonderes Bühnenstück

Das neue Stück für das Lutz Hagen von Werner Hahn und Choreographin Diana Ivancic hat nicht nur eine spannende Story, auch die Umstände um das Bühnenstück herum sind etwas anders als der „übliche Theater-Wahnsinn“. In Zusammenarbeit mit Drogenpatienten der AWO-Klinik im Deerth entstand nunmehr schon zum zweiten Mal ein Theaterstück der etwas besonderen Art.

Insgesamt 16 Patienten stellen sich am kommenden Samstag, 11. April, um 19.30 Uhr auf der Bühne des Lutz zum ersten Mal der öffentlichen Theater-Herausforderung. Seit Anfang November laufen die Proben zu einem Stück, an dessen Inhaltsentwicklung eine Patientin der Klinik maßgeblich beteiligt war. Auch die Live-Musik zum Stück wurde von den Teilnehmern aus dem Deerth gestaltet. Für die Patienten ist diese Situation eine ganz spezielle, die sie aus dem Klinikalltag herausholt und vor neue Herausforderungen und Erfahrungen stellt.

Vertrauen und Durchhalten

„Die Erfahrung ist unendlich wertvoll für die Teilnehmer“, begeistert sich Astrid Schröder, stellvertretende Leiterin der Klinik Deerth. „Da steckt viel Emotionalität mit drin. Die Patienten werden von den Theaterleuten angenommen – sie können einfach so sein, wie sie sind.“ Eine Erfahrung, die leider nicht jeder ehemalige Drogenabhängige verzeichnen kann. Vertrauen spielt hier eine wichtige Rolle. Vertrauen untereinander, aber auch das Vertrauen in die eigenen Fähigkeiten.

Für die Patienten ist die Theatererfahrung etwas ganz Besonderes: Sie stehen in einer Verantwortung den anderen Teilnehmern und auch dem Publikum gegenüber. „Es gab Begegnungen zwischen Patienten und Theaterleuten, man fasste Mut und die Patienten haben höchst emotionale Aussagen gemacht“, erinnert sich Werner Hahn an die Proben in den vergangenen Wochen. So wollen ehemalige Drogenabhängige, die in ihrem Leben bereits so viel abgebrochen haben, das Projekt unbedingt durchziehen. Hahn freut sich über solche Aussagen: „Eine der Hauptrollen wollte nach zwei Monaten bereits wieder aussteigen, doch dann kam die Wende und die Aussage: ’An mir soll diese Aufführung nicht scheitern!’.“

Die Uraufführung am Samstag, 11. April 2015, ist bereits ausverkauft. Weitere Aufführungen im Lutz finden statt am Dienstag, 14., Mittwoch, 15., Donnerstag, 16., und Freitag, 17. April 2015, jeweils um 19.30 Uhr.


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